Was aber tut man nun mit einem Völkermörder und Terroristen, einem Diktator, der ohne Rücksicht auf seine eigenen Untergebenen Tod, Verderben und Scheucherei in die Welt trägt und dort mit grauen Stacheldrahtschleifchen festbindet? Eine Statue von Augustus, die man demonstrativ umwerfen könnte, um dem schlimmen Treiben Einhalt zu gebieten, findet sich im Aquarium natürlich nicht, allem Grössenwahn zum Trotz, denn dazu ist so ein Fisch halt nunmal doch zu doof. Und seine sechs geplagten Untertanen hinzuschlachten, um ihm unzweideutig klarzumachen, dass es so nun aber wirklich nicht ginge, hiesse zwar eine gesalzene Lektion aus der Weltgeschichte zu lernen, will mir aber zumindest in der Aquaristik nicht recht einleuchten. Unter Wasser herrschen eben doch vielleicht andere Gesetze als an Land.
Zudem ist die Bevölkerung ja durch die Triezereien ihres Vorgesetzten ohnehin schon schwer lädiert und kränklich, die blaue Fischin hat nun bald schon gar keine Schwanzflosse mehr vorzuweisen, und dieses erkleckliche Elend mitanzusehen, hat Augustus auch nicht zu stoppen vermocht.
Kurz und gut: der Tyrann muss weg. Auf die Hilfe der verschreckt und malad an den Seiten kauernden anderen Fische ist dabei nicht zu rechnen, es kommt also wieder einmal auf meinen Mut und meine Gewitztheit an, ob der Welt der Fische eine Zukunft beschieden ist. Flink ist der Käscher gefunden in der aquaristischen Grabbelkiste, in der sich unterdessen allerhand unsinniges Zeug angesammelt hat, und ebenso flink muss ich einsehen, dass dem Fischmogul mit so einem Netz nicht beizukommen ist. Immer nämlich wenn ich ihn an der einen Stelle einfangen möchte, ist der Fisch längst an eine ganz andere teleportiert, dem Sprungverbot in der Natur zum Trotz. Aber es ist natürlich auch keine richtige Natur, sondern ein Aquarium.
Zudem steht aber ja auch noch allerhand Gerümpel im Weg, ein Schloss, Spinat, ein Stein aus Plastik, in dem der Fisch sich verbergen und ich ihn auch ohne Teleportation seinerseits nicht wegfangen könnte.
Zuletzt komme ich durch gründliches Nachdenken auf die Idee, das Problem durch gründliches Nachdenken zu lösen, und dann ist auch bald schon eine Idee geformt. Das Netz im Zentimeterabstand vor die Acrylglasscheibe gehalten wedle ich mit dem blauen Futterdosendeckel, was, wie immer, die Fischherde herbeilockt. Drollig summen sie nun durcheinander, direkt vor dem Netz, und mein teuflischer Plan wäre ja längst gelungen. Aber Augustus selbst hält sich abseits und lässt die anderen machen. Hat er mich durchschaut? Ist hinter mir eine andere, grössere Falle aufgebaut und schnappt sogleich zu und erledigt mich im Handumdrehen in meinem eigenen Wohnzimmer? Ich blicke mich angstvoll um, es ist aber nichts da.
Dann macht Augustus doch noch einen Fehler, er traut seinen Untergebenen nicht und schwimmt vors Netz, um selber mal nach dem Rechten zu sehen, und ist auf der Stelle einkassiert und rausgefischt. Dachtest, du wärst mir über! Was, Fisch?
Sekunden später findet Augustus sich in Kens Ausweichaquarium wieder, zusammen mit Kens kleinem Schloss und der Sonnenbrille, und weiss ganz hochersichtlich nicht, wie ihm geschah: nämlich recht.
Something to say?