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Ich muss nun zugeben, in der sozialen Frage nicht vollständig auf dem Laufenden zu sein. Viele interessante und wichtige Dinge gibt es in der heutigen komplexen Welt, und wer über die aktuellen Videoangebote sich zum Obst machender Jugendlicher und wegen Kaubonbons explodierender Flaschen mit Diätlimonade unterrichtet zu sein wünscht, kann nicht auch noch die Klassiker sozio-ökonomischer Analyse studieren, das wäre zu viel verlangt und muss auch dem hartleibigsten Revolutionär einleuchten und ihn gefügig machen.
Selbst nach dieser Vorrede allerdings muss ich die fast völlige und sattelfesteste Sicherheit zu Protokoll geben, mit der ich über das Vorkommen von Hungerstreiks unter der herrschenden Klasse unterrichtet zu sein vorgebe. Solche Streiks, so weiss ich nämlich messerscharf, gibt es rein gar keine, es ist der Hungerstreik nun einmal definitiv kein Herrschaftsinstrument sondern die letzte Zuflucht der Machtfernen. Nämlich ist es vielmehr umgekehrt ja so, dass wenn die Armen kein Brot essen wollen, aber die Reichen keinen Kuchen haben, dann Versorgungsengpässe entstehen und die folgende Mehlknappheit, nein, vom Bäckerwesen verstehe ich ja gleichfalls nichts und breche diesen Gedanken hier ab.
Was also, so muss man fragen, nachdem nun die Sinnlosigkeit seines Tuns quasi durch politische Theorie abgesichert und festgestellt ist, reitet den Fisch Augustus, dass er, der doch Inhaber und alleiniger Bewohner des bunten Schlosses ist, seit Tagen schon das Futter verweigert? Oder genauer gesagt, es erst einnimmt und dann sofort angewidert wieder ausspeit?
Möchte er, seiner durch Plastikwände und Endlichkeit der beherrschten Wassermassen eingeschränkten absolutistischen Machtvollkommenheit bewusst, die Errichtung weiterer Satrapenschlösser oder Fischpfalzen erpressen? Die man ja durch eine einfache syntaktische Operation aus einem Fisch und einer Pflanze leicht herstellen könnte – der dumme Augustus würde es zweifellos nicht spannen und wärs vielleicht sogar zufrieden.
Oder wünscht er vielleicht die Vermehrung seiner Untertanenschar um weitere armselige Fischgestalten, um letztendlich ein Fischheer ausheben und in unser Wohnzimmer mit böser Absicht einmarschieren zu können?
Andererseits will vielleicht mit seinem Protest der Fischadlige nur zu verstehen geben, dass der Flockenfrass ihm nicht wie Kuchen, sondern wie Brot vorkomme, oder sogar wie die Abwesenheit von Brot, und also den Speiseplan durch demonstrative Verweigerung umwerfen und revolutionieren.
Aber natürlich erreicht das Tier das reine, kugelrund genaue Gegenteil durch sein Verhalten. Denn jetzt geht es erstmal dem Sinnbild seiner Macht, dem Algenteppich, ans Leder. Gleich morgen.
Na warte, Augustus.

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