Aber erstmal passiert etwas ganz Unerwartetes, jedenfalls wenn man in geologischen Massstäben rechnet, wie man das ja beim Betrachten von Biotopen und Ökosystemen ganz automatisch muss. Rechnet man nach dem menschlichen Kalender, konnte man es andererseits längst kommen sehen, denn die langen, fussligen Spinnenfinger der Ablegerwurzeln bilden sich ja nicht über Nacht. Der Spinat ist der erste, der sich mopsig macht, an der Spitze jedes einzelnen Blattes haben sich noch kleinere Blätter gebildet, Fraktalspinat möchte man sagen, würde nicht auch unten an den kleinen, neuen Blättern dran sich zusätzlich der erwähnte Wurzelstock gebildet haben, der das ganze aus dem Reich der mathematischen Visualisierung in die finstere Grube der Perversion rückt oder zerrt. Pflanzen sollen sich nicht selbst wie ein Tumor vermehren, sondern sich schöne Blüten wachsen lassen, mit strotzenden, prangenden Blütenblättern, in die wir geniesserisch unsere Nasen versenken können, um uns an früher zu erinnern, als wir schon Mal so eine Pflanze gerochen haben, damals, im Krieg – bildlich gesprochen. Aber die bereits erwähnte Tatsache, dass Fische keine Nasen in unserem Sinn haben, hätte einen natürlich misstrauisch machen können.
Der Unterwasserspinat also baut keine Blüten, sondern wie Monster aus dem Horrorfilm kleine Kopien von sich selber, die er dann aussendet, damit sie die Welt unterwerfen. Eine Weile sehe ich mir das mit an, man ist ja langmütig, aber dann wird es mir zu dumm und ich zwicke die Klonkrieger vom Mutterschiff ab und verräume sie im nahegelegenen Kiesbett. Das wird ihnen eine Lehre sein. Saubande, grüne.
Als nächstes dann findet sich im Gewächs mit den lanzenförmigen Blättern ein winziges anderes Pflänzchen derselben Art, ohne dass sich erkennen liesse, wo es herkomme. Zwei winzige Blätter am Pflanzenkind sehen Keimblättern zwar verdächtig ähnlich, aber weder Blüte noch Saatgut sind ja in Sicht. Ein Mysterium. Auch dieser Pflanzenwaise wird nun zügig verbracht, um eine eventuelle Zusammenrottung gleich im Keim zu ersticken. Wer weiss, wozu zwei von diesen Dingern mit ihren Lanzen noch in der Lage wären.
Die dritte Pflanzensorte, ein mächtiger Strunk mit Blattauswüchsen dran, zeigt noch keine Anzeichen des Fortpflanzungswillens, arbeitet also sicherlich verdeckt schon an einer Geheimwaffe, mittels derer das Aquarium mit Angst und Schrecken und neuen Strünken überzogen werden wird.
Werden würde, vielmehr. Denn ich bin ja ein knitzer Kniffel und auf der Hut.
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