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In der Nacht wache ich noch einmal auf, sehe Caroline in unbequemer Haltung auf einem Sessel sitzen, den Kopf vornüber auf die Bettmatratze gelegt, und schlafen, und will mich grade über diese unpraktische Behandlung meiner Leibwache empören, da schlafe ich selber auch schon wieder ein. Gut, dass zum Beispiel Politiker nicht aus einem Krankenhausbett heraus regieren, es würde sonst vermutlich rein gar nichts erledigt.
Am frühen Morgen dann kommt die dicke Schwester wieder herein, jetzt gehe es zur Sache, noch einmal wird mir Kalium gegeben, dabei könnte ich genaugenommen Valium besser gebrauchen, denn ein bisschen unangenehm ist mir die Vorstellung schon, in Bälde vollständig ausgeknipst zu werden. Obwohl auch ein gutes Stück Faszination mitschwingt, und sogar Begeisterung über die riesige Medizinmaschinerie, die da angeworfen wurde, nur um ein kleines Stück Dreck aus meinem Bauch zu entfernen.
Und dann geht es auch schon los, durch Gänge, Flure, Aufzüge hinunter in den Operationskeller, oder vielmehr in die sogenannte Staging Area, das Aufmarschgebiet also quasi, in der sich die Armeen der Geschundenen hinter Vorhängen auf ihr je eigenens Elend vorbereiten sollen. Auch hier ist die Anzahl der mit mir befassten Personen wieder bemerkenswert, zwei Männer, zwei Frauen fuhrwerken um mich herum, und nur bei einem davon, dem braungebranntem Anästhesisten, der sich von meiner Blinddarmgebühr vermutlich die Teilnahmegebühr eines Golfturniers auf Hawaii finanziert, oder einen neuen Raketenwerfer auf seiner Kampfjacht, hat es einen erkennbaren Sinn. Werde ich hier ausgestellt? Wartet ein furchtbares Geheimnis darauf, mir enthüllt zu werden, und das Personal weiss aber schon darum, und kommt nun in der Frühstückspause an mein Bett marschiert, um später sagen zu können, dabei gewesen zu sein?
Tatsächlich verrät der Anästhesist mir jetzt was, nämlich, dass man mich auf einen eiskalten Operationstisch legen werde, er betont das mehrfach, vermutlich hat man schlechte Erfahrungen mit renitenten Patienten gemacht, die mit erstickten Unterkühlungsklagen drohen, während sie ins Schlummerland verräumt werden, und wenn ich dann auf diesem – kalten – Tisch liege, ziehe man mir segmentweise aufblasbare Thrombosedinger an und blase sie dann segmentweise auf, um so die Säfte in meinen Beinen zurück in den Rumpf zu pumpen.
Dann geht es Schlag auf Schlag, schon steht mein Bett neben der Schlachtbank, man schubst mich rüber, noch einmal eine Warnung wegen der Temperatur, es ist gradezu absurd, denn der Operationstisch, der den Warnungen zufolge von Eiswichteln aus Trockeneis gehauen worden ist, ist kaum kälter als mein bewegliches Bett. Jetzt breite ich noch die Arme aus, zwei neue Schwestern schon wieder fuhrwerken nun an mir herum, die eine an den Armen, die andere schraubt die Pumpstrümpfe fest, dann bläst sich der Strumpf auf, ein seltsames Gefühl, „You’ve been double teamed“, sagt der Anästhesist und kichert, eine der Schwestern guckt konsterniert, er setzt mir eine Sauerstoffmaske auf, „here it comes“ und ehe ich mir noch überlegen kann, ob die Antwort „I’ve changed my mind“ eine lustige Bemerkung, Anlass zu juristischer Panik oder beides sei, hört das Dasein auf.

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