Search

Engine



Wednesday, May 24th, 2006

Korea Comes Out on Top

Neuroscience Trends I’m not sure what it all means, if anything, but plugging Neuroscience into Google’s newest toy, Google Trends, reveals a downward trend of Neuroscience related searches in recent years, an upward trend in Neuroscience news items, and Korea to be the top nation in the world when it comes to searching for Neuroscience. Within the US, Washington suburb Bethesda leads the field, searching about four times as much as runner-up Baltimore. What does it all mean? Here’s the answer.

Tuesday, May 23rd, 2006

Momentane Unzurechnungsfähigkeit

Körperliche Gebresten – das hat die Natur so in uns hineinprogrammieren lassen, mit Bleistift auf alte Servietten probehalber als Algorithmus entworfen und dann der Biologie in einer zerfledderten Aufsichtsmappe auf den Schreibtisch geknallt, hier, so geht Primat, bis Montag will ich das implementiert, aber fehlerfrei, zackzack; Biologie stöhnt, ists aber andererseits gewohnt, und tatsächlich wird vom folgenden Montag an Gewebeschaden mit dem Selbstwertgefühl verschraubt sein, kein Backwards Engineering kriegt das wieder weg – machen stets, dass man sich fühlt, als verdiene mans. Ein bisschen vielleicht nur, und nicht bewusst, aber immer hängt an der beschädigten Karosserie der Gedanke, auch mit dem Motor stimme womöglich was nicht. Kurz und gut: mir, humpelnd auf dem glühenden Parkplatz vor Kinko’s, geht’s nicht gold. Und die Natur, blind nur auf den Vorteil im Durchschnitt bedacht, ist schuld. Sowie natürlich schuld auch ist das Rad, das radikal verlotterte Miststück sondergleichen.

Nun aber ist das Primatenbetriebssystem ein umfangreiches Konvolut, und zahlreiche Unterprogramme kommen sich permanent in die Quere, eine komplett unbrauchbare Drecksmetapher übrigens das Ganze, alles quasi hat sich hier verschworen gegen mich, vom Molekül bis rauf zur Metapher, aber unbestritten wird jetzt aus dem Gefühl, am zerbremsten Fuss selbst qua Inferiorität schuld zu sein, flugs ein turmgleich aufragender Trotzberg. Euch zeig ichs, Sonne! Unhöfliche Kinkowachtel mit Vorstadtdauerwelle! Herzloser Mitforscher, der mich in der Einöde ohne Fortbewegungsmöglichkeit zurückliess! Rad auch, skrupellos dolchstossendes, du heimtückische Wollmilchsau! Ich werd Euch! Allesamt!

Und zwar war ich Minuten zuvor an einem der hier überall wie unschöne Pilzgerichte aus dem zubetonierten Sumpf gewachsenen Walgreens Drogeriemärkte vorbeigeradelt, noch gar nichts Böses ahnend, weil ja das Rad noch nicht usw. usf., und dahin zurück würde ich jetzt mich schleppen, ganz aus eigener Kraft den Tamiami Trail entlang, durch den brennend heissen Wüstensand, koste es, was es wolle, um dort selbst meine Wunden zu versorgen und zu desinfizieren, denen gegenüber die feindliche Welt so fühllos etc pp. Heute führe ich diesen trotzigen und auch ein wenig idiotischen Impuls auf den Schock und die ungute Hitze zurück, damals aber, im Krieg, schien mir das der einzige Ausweg aus der Lage. Und also humpelte ich los, die Posterrolle (leer) auf dem Rücken und das Rad (platt) an der Seite. Oder vielmehr humpelte ich gar nicht, sondern eiertanzte nun von Grasinsel zu Grasinsel, zwischendurch über flüssiges Magma auf dem linken, schwarzgegerbtem Fuss hüpfend. Der rechte begann nun allmählich auch zart ein ernstlich Schmerzliedlein zu flöten, und erste Überlegungen hinsichtlich des Zustandes seines Knochenwerks kamen mir auf. Derweil das Blechding, die Lawine, sich teilnahmslos an mir vorbeiwälzte. Oder beziehungsweise nun plötzlich nur noch sanft daherrollte und durchs Beifahrerfenster zu mir her einige Worte rief.

Tuesday, May 23rd, 2006

Vier Etappen

Die Grauhaarige kommt nach ein paar Minuten wieder, entschuldigt sich bei mir und dem dicken Mann, einem Xerox-Wartetechniker, für ihre mangelnde Organisation, und überlässt mir dann Stuhl und Telefon. Erstes Etappenziel.
Nun habe ich aber keinerlei Telefonnummer zur Hand. Die einzige Verbindung zu einer Welt, in der ich keine bluttropfende Schmutzschleuder sondern ein leidender Freund bin, sind die Verwalter des Ferienhauses, in denen das Berkeleykonferenzkontingent quartiert. Erster Anruf also: 411, Auskunft. Man gebe mir Florida Vacation Connection, sage ich. Versteh ich nicht, sagt der Computer am anderen Ende. Hinter mir regt sich eine dicke Frau in Kinko-Uniform. Immerhin keine kinky Uniform, nachträglich bedacht. Florida Vacation Connection sage ich etwas lauter, und etwas mehr rührt sich die dicke Frau. Ich verbinde mit dem Menschen, schnarrt der Computer. Die Leitung verstummt. Die dicke Frau geht woanders hin, Papier sortieren. Der Mensch findet die Firma und schaltet mich durch. Zweites Etappenziel.
Ich hatte einen Unfall, erkläre ich der Angestellten der Hausverwalter, und muss Freunde erreichen, die in einem ihrer Häuser wohnen, 244 North Adams Drive, ob sie wohl die Telefonnummer des Hauses rausrücken könne. Sie kann nicht, wer ich sei, wo ich wohne, was das solle. Kurz wallt Panik, dann aber fällt mir ein, dass Carmel das Haus buchte, und ihr Name wirkt Wunder. Zack, hab ich die Nummer. Drittes Etappenziel.
Hinter mir nun wieder rührt sich die dicke Frau. Sie brauche, mault sie grob, das Telefon. Ich würde gerne glauben, mich verhört zu haben, aber tatsächlich sind ihr zwei Minuten Telefonblockade durch einen praktisch Halbtoten schon zuviel des guten Willens. Ich staune und grimme ein wenig, aber mehr nach Innen, für nach Aussen fehlt mir die Energie. Ich rufe das Haus an, es ist auch tatsächlich jemand da, aber kein Auto. Ja, sagt Ahna, sie rufe dann Chris an, wo sie mich denn erreichen könne, um den Erfolg durchzusagen. Es scharrt der Kinkodrachen. Nirgendwo, sage ich niedergeschlagen, man will mich hier nicht haben. Sie wisse, sagt Ahna, natürlich nicht, ob sie überhaupt jemanden erreiche. Ja, sage ich. Lege, und stehe auf. Nieder setzt sich instantan der Drache. Grusslos gehe ich nach draussen. Viertes Etappenziel.
Nun also stehe ich in der Betonwüste, mein treues Fahrzeug zerschmettert an meiner wunden Seite. Oder vielmehr: mein treulos niederträchtiges Radluder, die schon allzu dumme Sau. Ein Münztelefon gibt es hier, natürlich, keins. Man trägt Händi. Es brennt infam die Sonne, und trocknet in den Wunden Blut, Gestein und Mikroben zur unschönen Kruste. So gehts nun aber nicht, denke ich bei mir, und fasse einen Entschluss.

Tuesday, May 23rd, 2006

Harry G. Frankfurt – On Bullshit (1)

bullshit.jpg Sometimes one opens a book, or reads a first line, and immediately it’s clear that the thoughts and concepts that went into the work were sorely missing from the world, yet nobody had realized it before. Such is the case with this gem of philosophical reasoning. An essay on the essence of bullshit, and an attempt to explain its apparently increasing dominance of today’s communication, this work should be the basis for a much more thorough study of the phenomenon. The exhilarating delight and sheer fun of reading a serious deliberation on the issue must not distract from the fact that this is not satire, nor is it humorous, except insofar as it is a surprising and complex study of a phenomenon commonly thought to be not worthy of such study. To be sure, this combination of surprise and incongruency of means and perceived complexity of the subject are what makes the first reading such a pleasure, and look superficially like a satire of moral philosophy. But to stop at that level would be to mistake the work for its subject, and to miss the chance to develop the tools to attack the toxic prevalence of bullshit in all the public spheres of communication.

The Third Chimpanzee I have a weakness for the crop of evolutionary psychology and anthropology that has sprung up in recent years, and this one on the evolution of the human chimpanzee and the specific problematic baggage he brings from this evolutionary history is no exception. Of particular interest, both for content, as well as for the insight into the genesis of such book it provides, is the chapter on differential development of human societeties, that later bloomed into a full grown book of its own: Guns, Germs and Steel. Diamond writes delightfully entertaining, and his examples are fascinating. The only drawback is the bleak picture he paints for the future of this planet and our species, sounding just as correct today as it did 15 years ago, when he wrote it. The only difference being that the monster of major climate change caused by us monkeys no longer is something to be feared decades in the future, but seems to wait just around the corner. Maybe we can gang up on it, kill it and eat it. That strategy served us well in the past.

Saturday, May 20th, 2006

Verregente Vereidigung

Seit zwei Tagen steht unter dem Fenster meines Büros in Minor Hall, auf der steineren Terrassenfläche, die im Wahrnehmungsraum allenfalls durch ein dickes und langes Wurmloch mit einem Ferienort zu verbinden wäre, und also folgerichtig und hübsch Orwellianisch Minor Beach heisst, ein enormes weisses Zelt in der Landschaft. Von der Zeltdachschräge federt das nordkalifornische Sonnenlicht elegant zurück in die Luft von schräg links unten in mein Auge und sägt am roten Migränedraht, oder auch am blauen; schalten Sie nächste Woche wieder ein, wenn Sie wissen möchten, ob die Bombe explodierte.

Unter dem Zelt hervor drang heute zunächst Unterhaltungsklassik zur Erbauung der versammelten Anzugträger und -gattinnen, später dann die Unterhaltungsrede des Rektors, und schliesslich, aus ergriffenen Graduiertenkehlen, und in hersagbaren Häppchen, der Optometrische Eid. Das Zeremoniell, so rührend wie sonderbar anachronistisch in seiner mittelalterlichen Zünftigkeit, wird begleitet von sanftem Regenfall aufs Zelt, unerhört im Mai, aber es wird eben alles immer schlechter, besonders das Wetter. Ich schwör.

Friday, May 19th, 2006

Die Unwirtlichkeit unserer Städte

Manche Dinge weiss man, insofern als man die richtige Antwort gäbe, würde man gefragt. Man ist dann aber doch überrascht, wenn die Umstände einem dieses implizite Wissen explizit machen. Ich zum Beispiel hätte die Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Asphaltformen zwar durchaus vorhergesagt, die Intensität der fleischsengende Hitze insbesondere der schwarzen Bitumenvariante erstaunt mich aber doch.

Kühl hingegen schmiegt sich der Kunstfaserteppich bei Kinko’s. Ein Blutrinnsal mäandert durchs Beinhaardickicht vom Knie her abwärts, die Fussoberseite gleicht einem saftigen Steak, und ich frage mich, ob die Gefahr eines Blutstropfens auf dem Teppich wohl Grund genug ist, den Flipflop übers geschundene Fleisch zu ziehen, entscheide aber gegenteilig.

Die Schlange bewegt sich zäh, ich durchsuche den riesigen Raum mit seinen zahllosen verwaisten Printarbeitsplätzen nach jemandem, die aussieht als könne sie Michelle heissen; Michelle hatte mir am Telefon versichert, sich aufs Posterausdrucken zu verstehen wie keine Zweite, ja unter der Hand durchblicken lassen, dass tatsächlich sogar überhaupt niemand ausser ihr wisse, wie das mit den Grossformaten geht. Niemand hier sieht aus wie Michelle, und niemandem hier traue ich Posterausdrucken zu. Vielleicht versteckt sie sich ja.

Eine Kundin hinter mir sieht rot, an meinem Bein nämlich, und erzeugt ein halbdefiniertes Geräusch, ‘are you all right’ fragt sie wohl, und weiss die Antwort schon: natürlich, dufte, danke der Nachfrage freilich. Vor mir in der Schlange ein Wissenschaftler, auch er will ein Poster ausdrucken. Mit wachsendem Fatalismus höre ich mit an, dass Michelle sich im Krankenhaus befindet, dass keiner weiss, ob sie wiederkommt, dass man aber gerne den Auftrag annehme, man werde dann schon sehen, obs klappe. Angel nämlich könne ja vielleicht auch Poster drucken, es kursiert da ein Gerücht unter den Kinkos. Genau weiss es niemand, Angel ist nur nachts da, was mir irgendwie auch die Sache mit dem Fahrrad zu erklären scheint, in meinem Wahn.

Ich habe ohnehin nicht die Wahl, Sarasota ist von der Welthauptstadt des Posterausdruckens gehörig entfernt, und hinterlasse also meine pdf Datei in der bodenlosen Maschine, zusammengelegt mit der des anderen Nerds, mit dem ich nun noch ein wenig im Teppich rumstehe. Er aber hat es sichtlich eilig, stellt ein paar Fragen pro Forma nach der Verletzung, na, das sieht schlimmer aus als es ist, see you at the conference. Und ab in seinen und seinem Mietwagen.

Der Asphalt ist immer noch zu heiss, und an einen Fussmarsch ohnehin nicht zu denken, das Rad unbrauchbar, Handy hab ich Bastion des guten Geschmacks natürlich keins, mein Leben gegen den Klingelton, Fanal des Widerstands. Ich also erstmal wieder nach drinnen gehumpelt, Telefonnummer hab ich auch keine, wozu auch, ohne Handy, von niemandem, aber über Pfiffigkeit verfüge ich im Maxipack, und frage also trotzdem nach einem Telefon, unter Fingerzeig auf die Metzgerei unter meinem Knie, die Mitleidskarte, sie muss doch greifen.

Eine grauhaarige Dame zeigt sich mütterlich, bugsiert mich zum Telefon, rauscht davon, Xerografien anfertigen, aber ehe ich mich umständlich und blutspurfrei auf den angebotenen Stuhl falten kann, rumms, sitzt ein dicker Mann drauf und macht sich Notizen. Blöd daneben stehe hingegen ich.

Thursday, May 18th, 2006

Kontrollverlust

Die Brücke schwingt sich elegant über die türkise Wasserfläche. Vor zwei Jahren habe ich hier, zufällig vom Rad aus, eine Seekuh vorüberschwimmen sehen, und halte seitdem bei jeder Überquerung Ausschau nach dem Geheimnis unterm Wasser, Delfine, Seekuh, ich bin nicht wählerisch.

Das Rad ist alt, schnurrt aber brav brückenabwärts, die Sonne, auf dem Höhepunkt ihres täglichen Amoklaufes, feuert Salven aus dem Photonenschrotgewehr und trifft mich wieder und wieder. Kunststück, Schummelei.

Mit einem eleganten Schlenker umfahre ich grade noch die entgegenkommende knusprigbraune Joggerin, die Seekuhsuche hatte mich abgelenkt, nicht nachmachen, Kinder. Gefährlich! Ich erreiche das Festland, schwenke nach rechts, an der geschmacklosen zehnmeterhohen Doisneaufotoskulptur vorbei und am botanischen Garten. Der Asphalt glüht, die Palmenwedel hängen so nutz- wie regungslos am Strunk, und ich bin froh über die leichte Kleidung, die ich trage, Shorts und T-Shirt, Flip-Flops, belüftet vom Fahrtwind.

Nochmal rechts abgebogen, auf den Tamiami Trail, vor hundert Jahren die einzige Strasse an Floridas Westküste, heute Highway Nummer 41, und offenbar noch immer einzige Strasse. Alle Autos der näheren Umgebung haben sich hier zum gemeinsamen Glühen und Schmurgeln versammelt, Sattelschlepper dröhnen, Sportwagen brummen, nach zwei Blocks wird es mir zu unangenehm und ich wechsle auf den breiten und menschenleeren Gehsteig. Noch vier oder fünf Blocks sind es bis zu Kinko’s, die Posterrolle auf meinen Rücken, jetzt noch leer, wird sich dort mit Papier füllen, und die letzte Hürde vor Konferenzbeginn genommen sein. Missmutig denke ich an die sechs Stunden bei den inkompetenten Posterdruckern in Berkeley zurück, die mir diese Radfahrt in die Senge eingebrockt haben.

Ein lautes Zischen werde ich erst später mich erinnern in diesem Moment gehört zu haben, denn jetzt bin ich erstmal damit beschäftigt, den Lenker hilflos hier- und dorthin zu drehen, das Vorderrad rutscht mir seitlich weg, und keine Steuerbewegung vermag das zu ändern, aus voller Fahrt kippe ich seitwärts, ein lustiges Heimvideo wäre das sicherlich. Die Luft ist raus, begreife ich jetzt im Fallen, wie kann das aber sein, so plötzlich, severe tire damage, es war aber keine Schnappdornreifenfalle zu sehen gewesen, und rutsche, schräg, den rechten Fuss nach unten gedreht, unters Vorderrad. Das, über einen aus Sattel, Rahmen und Vordergabel gebildeten Hebel, seinerseits von meinem Körpergewicht hinabgedrückt wird. Ursache, Wirkung, Fuss, Knie und Shorts scheuern über Asphaltpapier grober Körnung, dann liege ich still am Boden, für einen Moment, und spüre nicht mehr seine Hitze oder Schmerz, denn erstaunte Ruhe füllt mich einen Moment lang aus bis in den hintersten Winkel der vertrockneten Oberstube.

In wenigen Minuten wird das anders sein, wenn ich barfuss und blutbeinig die fehlenden zwei Blocks zu Kinkos humple, vor den Temperaturen ins kunstrasengleiche Floridagras ausweichend, wo immer es geht, jetzt aber klaube ich erstmal die Posterrolle auf und haue dem Rad erbost und saftig eine in die Speichen. Der dummen Sau.

Thursday, April 6th, 2006

Farbversprechen

promise

Der Redner steht ein wenig steif am Podium, die Arme eigenartig locker vor dem Bauch verschränkt, und blinzelt nervös ins gedämpfte Licht. Er bewegt sich kaum beim Sprechen, blickt nicht ins Publikum, hat keine Powerpoint-Präsentation vorbereitet. Er spricht frei, mit unbewegtem Gesicht, übers Skifahren, den Geschwindigkeitsweltrekord im Abfahrtslauf von 65 Meilen die Stunde, den er hält, von seiner Frau, die er beim Skifahren traf, während sie vor ihm fuhr und ihm durch Zuruf die Richtung anwies, darüber, wie aufregend es ist, gelb zu sehen. Dabei zeigt er in meine ungefähre Richtung, vor mir sitzt eine Studentin in einem gelben Sweatshirt. Michael May hatte mit drei Jahren einen Unfall, der ihn ein Auge kostete und auf dem anderen erblinden liess – die Hornhaut wurde undurchsichtig. Als er 46 war, drückten ihm die Ärzte der Uniklinik in San Diego einen Stammzellenring und eine neue Hornhaut aufs Auge. Die Operation gelang, und May trat eine Reise durch die Medien an, der wundergeheilte Blinde mit dem Abfahrtsskirekord. Es gibt eine Handvoll anderer solcher Fälle, oft gelang zwar die Operation, aber die folgende radikale Umstellung, der Schimmer Licht – May sieht hauptsächlich Bewegung und Farbe, keine Details – stürzte die meisten Patienten in Depressionen. May führt seinen Erfolg darauf zurück, dass er sich als Blinden versteht, und das zurückgegebene Augenlicht als Zusatz, nicht als etwas, das ihm zuvor gefehlt hätte. Das ausdruckslose Gesicht über die Köpfe des Publikums gewandt, die Augen geschlossen, sagt er: “Seeing is wonderful. But not seeing is also wonderful.”

Thursday, March 30th, 2006

do itashimashite

considering

So wie ferne Stürme über dem Pazifik im Beringmeer komplexe Wellenfronten erzeugen, die beim Strandspaziergang mitunter rasche Sprints erforderlich machen, um den plötzlich auflaufenden Riesenwellen trockenen, und vor allem warmen, Fusses zu entgehen, so steigt und fällt unerklärlich der Eichhornpegel rund um den gefallenen Eukalyptusstamm, um den wir füttern. In einem Moment tummeln sich zwölf der Tiere und balgen lautstark um die besten Futterplätze, dann wieder verschwinden sie unerklärlich allesamt minutenlang. Vermutlich machen sie anderswo ihr Hornding, füttern die Brut oder arbeiten an der Übernahme der Weltherrschaft qua Niedlichkeit.

Im Augenblick ist grade wieder Hörnchenebbe, nur noch eins sitzt auf dem Baum und nagt an einer halben Walnuss. Eine mittelalte Japanerin, eine Mutter, die ihre studierende Tochter besucht, nähert sich uns, während die Tochter die Szene aus sicherer Entfernung beobachtet, nestelt an der Digitalkamera und spricht das verbliebene Tier auf Japanisch an, bittet es um ein bisschen Geduld. Das Tier versteht aber kein Japanisch, und ist im selben Moment mit der Nuss fertig und hüpft davon, als die Kamera einsatzbereit ist. Ohh, macht die Japanerin ein wenig enttäuscht, aber schon reiche ich der Fressmaschine eine neue Nuss, und das Foto kann gemacht werden. Thank You, sagt die Japanerin artig, und Do Itashimashite, erwidere ich ebenso artig, keine Ursache, das Sprachenlernen soll ja schliesslich einen Sinn gehabt haben. Die Japanerin verzieht keine Miene, dreht sofort wortlos ab, geht zurück zur Tochter, spricht ein paar Worte, die Tochter blickt in unsere Richtung, dann verschwinden beide. Die Hörnchenflut läuft unterdessen wieder auf, und der Nussausschank floriert.