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Nature



Wednesday, November 22nd, 2006

Unterdessen anderswo: Ken

Letzte Hoffnung? Nein! Ein von einem unbeugsamen Loach bewohntes Plastikbecken hört nicht auf, dem Schnitter Widerstand zu leisten. Hoffnung lebt bekanntlich in der kleinsten Hütte, oder so ähnlich, und eine kleine Hütte steht Ken, dem Loach ja tatsächlich zu Gebote. Triumph des Lebens. Und das kam so:
Den Goldfischen, das konnte der Fischexperte mühelos erkennen, war Ken nicht grün. Dem Laien mögen die wilden Angriffe und Verfolgungsjagden entgehen, er mag die Besatzermentalität des Immobiliengrabschers für Niedlichkeit halten, aber der Kenner nickt wissend und formuliert einen schlimmen Verdacht. Der Loach also musste weg. Zum Glück ist so ein Loach recht klein, und passt zum Beispiel in eine Plastiktüte, in der man ihn dann, samt Plastikaquarium, Kieselsteinen und Belüfterpumpe erst einen Berg hinauf tragen, und dann den ganzen Bausatz auf einem Schreibtisch zusammenschrauben kann. Man gibt erst Kiesel ins Aquarium, dann schon fast ganz sinnlos eine Wegwerf-Sonnenbrille, die man gerade vor der Augenklinik auf dem Boden gefunden hat, und die man zuvor von allen Keimen und Widerlichkeiten sorgfältig gereinigt hat, und zuletzt füllt man obendrauf Wasser, dem man mit einem Aloe-Vera-Präparat die böse Energie entzogen hat. Und gibt dann den Fisch in die Brühe.
Nun sieht man auch gleich, wozu da eine Sonnenbrille im Rezept steht. Der Loach nämlich ist ans Besetzen gewöhnt, nimmt nun zuallererst die Sonnenbrille in einem militärischen Coup für sich ein, und errichtet das Loachäquivalent einer Marionettenregierung hinter ihren getönten Scheiben. Als es dann noch Futterflocken auf den Eroberer regnet, beginnt auf meinem Schreibtisch ein Zeitalter des Friedens und des Wohlstandes.
Schon bald errichtet der Fischfürst, mit meiner Hilfe, ein kleines Schloss neben seinem Brillenhauptquartier, und wird von jetzt an, dem Kaiser gleich, von Brillenpfalz zu Schlosspfalz ziehen, und am jeweiligen Ort je ein Weilchen residieren, bis sich ein neuer Gedanke in seinem Fischkopf bildet und alles von vorn beginnt.
Zwischendurch macht Ken durch das kraftvolle Abschwimmen komplexer Lissajousfiguren klar, dass die Macht- und Wissensverhältnisse eindeutig geregelt seien, und ich signalisiere durch den regelmässigen Abwurf von Flockenfutter umgekehrt dasselbe.
Nach wenigen Tagen schon haben sich die Rituale verfestigt, man kann schon von einer Fischkultur sprechen, die wir beiden Despoten wie aus dem Nichts hier geschaffen haben. Erst öffne ich den Deckel des Beckens, längst ragt Kens Nase erwartungsfroh oben aus dem Schlossturm heraus, die eingeweichten Flocken wehen um die Architektur, und lebensfroh und quietschfidel sammelt der Loach sie ein. Stecke ich den Finger ins Wasser, versucht er, mich zu beissen.
Der Racker.

Tuesday, November 21st, 2006

Klick, Klack

Er führt nicht. Noch immer tragen die Fische im Paartagesabstand weisse Punkte im Gesicht und am Gesäß, und allmählich pfeifen die Flankenatmer auf der letzten Kieme. Die Fancies schwimmen noch ein gutes Stück mühsamer und ratloser als es sowieso schon ihre fehlgezüchtete Art ist durch die Gegend, aber auch der genreine Urgoldfisch sieht schwer urlaubsreif aus.
Dann hängt Klick eines Abends am Einsaugstutzen des Filters fest, wedelt hilflos mit der Flosse, und das Mass ist voll. Behutsam wird der Fisch aus dem Maelstrom gepflückt, und mit seinem Kollegen Klack zur Schnecke in die Aquarienaussenstelle verfrachtet, denn zu einem Überleben im Grossstadtdschungel Kleinaquarium fehlt den beiden Fischbällchen offenbar im Augenblick die nötige Verve oder Chuzpe oder Aquarität oder was. Wir geben nochmal ein paar Tropfen blaues Malachitgrün ins Hauptbecken, fühlen uns aber im Ganzen sowohl von den Fischen als auch vom aquaristisch-industriellen Komplex und seinen Giften, der ja ohne Zweifel hinter der ganzen Misere steckt und Milliardenbeträge an Gewinn aus dem Elend unserer Goldfische zieht, und diese Leidgewinne dann sicherlich zu noch wesentlichen finstereren Zwecken verwendet, ungut verschaukelt, respektive nicht ernst genommen. Eilig zu Rate gezogene aquarienerfahrene Freunde können da auch nur ratlos mit den Schultern zucken.
Am Morgen nach ihrer Ausquartierung schwimmen dann sowohl Klick als auch Klack kieloben, und eine Tristessetapete kleistert sich selbst in unsere muffigen Oberstuben. Weh, als ahne er das nahende Ende, driftet auch der Urfisch durch seine blaue Suppe, weisse Punkte an der Flosse, sogar mitten auf jedem müden Auge befindet sich so ein weisser Punkt.
Laus! Höhnst Du uns? Ha, wie unrecht!

Friday, November 17th, 2006

Ken und Schnecke

Drei Fische! Es ist eine regelrechte Fischstadt, die sich da auf unserem Teppich gebildet hat, eine Art Urzeugung könnte man das nennen, wenn nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit sowieso schon zahlreiche Milbenmetropolen in und unter unserem Teppich einen Wettstreit der Zivilisationen austrügen und also von Urzeugung nicht die Rede sein könnte. Um die Überlegenheit der Fische über diese Vorläufermodelle auch geographisch deutlich zu machen, holen wir uns Müll von der Strasse, nennen den Müll Tisch, und stellen das Aquarium drauf. Fertig ist die Oberstadt.
Das hat aber leider auch einen Nachteil, den wir nicht bedacht haben: man sieht die Fische jetzt viel besser. Was also können unsere Gäste Robert und Beret dafür, dass sie, als sie morgens die müden Augen aufschlagen und als erstes die zu einer Zivilisation erster Stufe erhobene Fischtrias erblicken, sofort und unrettbar in ehrlich empfundene Liebe zum schuppigen Gesindel verfallen? Nichts, natürlich, es ist ja praktisch unvermeidlich. Selbst ich sehe mich Sympathieanbrandungen ausgesetzt, und ich kenne die Fische und ihre Tricks doch schon seit ein paar Tagen und habe ausserdem das Aquarium auf den „Tisch“ gewuchtet und mir dabei den Kopf verrenkt. Aber das gehört hier nicht her.
Robert und Beret jedenfalls sind den Vagabunden der Meere, wie man Goldfische ja auch nennt, rettungslos verfallen, und kaufen ihnen folgerichtig, oder jedenfalls in annähernder Folgerichtigkeit durch einen asiatischen Tierladenangestellten komplett fehlberaten, einen striped tiger loach und eine Schnecke als Weggefährten auf der grossen Reise, die das Leben ist. A moll, G dur, C.
Die Schnecke macht es sich gleich gemütlich, rennt kreuz und quer durchs Becken, steigt das Schloss rauf, fällt runter und führt sich überhaupt auf wie ein harmloser und sympathischer Irrer. Der Loach Ken hingegen – der Name wurde quasi mit dem Tier schon mitgeliefert, so offensichtlich ist er – ein länglicher Fisch mit bösen Gesichtstentakeln und einem fiesen Charakter, beginnt seinen Aufenthalt bei uns, indem er einen simplen Patrouillenplan aufstellt – „erst Schloß, dann Plastikstein, dann wieder Schloss, usw. Allen anderen in den Arsch treten“ – und sich mit bewundernswerter Disziplin an die Umsetzung der ehrgeizigen Unternehmung macht. Nach kurzer Zeit treiben im Becken drei nervöse Goldfischwracks, und es kann so ganz offensichtlich nicht weitergehen.
SS Ken also wird nun mit einem Netz eingefangen und weggebracht. Niemand bekommt gesagt, wohin, und es fragt auch niemand. Nacht bricht herein. Irgendwo rast eine Schnecke.

Friday, November 17th, 2006

Fancy Shmancy

Der Fisch hat sich eingewöhnt, eingewohnt sogar schon. Mal schwimmt er nach links, mal nach rechts, man könnte sich selber ans Zugucken regelrecht auch gewöhnen, beziehungsweise Spass daran haben, wenn es nicht nach wie vor so sehr langweilig wäre. Warum aber ist eine solche Langeweile um den an sich doch lustigen Fisch (Keine Beine! Mund auf, Mund zu!)? Weil der Fisch alleine ist. Und es ist nicht gut, dass der Fisch alleine sei. Seltsamerweise bin ich es, der sich zu dieser ein wenig wackligen Schlussfolgerung genötigt sieht, und nicht C., aber es ist nunmal, wie es eben ist, und also werden, zack, zwo neue Fische gekauft, zur Vergesellschaftung des edlen Wilden, und zur Reizzufuhr auch.
Diese neuen Fische aber sind seltsam von Gestalt und Wesen. Der Mensch, in seiner überschaubaren Weisheit, sah sich offenbar über die Jahrhunderte weg Goldfische an, lachte sich über einzelne, ein wenig verwachsene Exemplare kaputt, und setzte sie in ein Humoraquarium, wo sie mit anderen verwachsenen Freaks unerhörte sexuelle Orgien veranstalteten und noch entstelltere Kinderfische rauskackten. So pflanzen sich Fische nämlich fort, es ist nicht schön, aber Biologie.
Die beiden neuen Fische sind deshalb ungefähr kugelförmig, mit gespaltenen, mächtigen Schwänzen und Farbklecksen auf den Schuppen, schwimmen als wüssten sie nicht, wies geht und heissen deshalb Fancy Goldfish, als wir sie kaufen. Wenig später, als sie spastisch zuckend um unser Plastikschloss taumeln, heissen sie aber schon Klick und Klack und alles ist wieder in Ordnung. Vereinzelt schwimmt jetzt sogar mal ein Fisch ins Schloss hinein und wieder heraus. Lebensfreude pur.

Thursday, November 16th, 2006

Fischwasser, Marsch!

Was nun tun? Zwo Fische sitzen, vorübergehend so quartiert, in einem Plastikgefäss und gucken, seien wir ehrlich, ziemlich doof. Mund auf, Mund zu. Schwimmen nach links, nach rechts, im Kreis. Was soll das, Fische, zeugt das von Geist, Verstand, Herzensbildung? Oder nicht vielmehr tatsächlich von blinder Vertiertheit? Seid ihr denn wirklich nichts als ein monströser Irrtum der sogenannten Evolution, der Blinddarm der Tierwelt?
Immerhin gefällt es den beiden Flossenträgern nicht recht in ihrem neuen Quartier, das zeugt von Geschmack und gibt Hoffnung, womöglich kann das Tier sich bessern, und, dem Laubfrosche gleich, eine intellektuelle Karriereleiter erklimmen, an deren Ende dann immerhin Gespräche übers Wetter stehen könnten. Obwohl andererseits Gespräche übers nordkalifornische Wetter noch ein bisschen fader verlaufen als das Leben von Amphibien oder Goldfischoiden ohnehin schon.
Jedenfalls aber lädt C. in Sekundenschnelle nun ein Aquarium aus dem Internet herunter, samt Filteranlage, Sprudelstein, Plastikschloss, Plastikstein und Fischwasser drin. So jedenfalls finde ich das Möbelstück vor, als ich nach Hause komme und meinen Hut an den Schirmständer leime, neben dem Fernseher am Boden, und drin sitzen die Insektenartigen und glotzen. Mund auf, Mund zu. Goldfischflocken wurden als Attachment mitgeliefert, es ist für alles gesorgt, und die schönsten Klischeebilder aus Funk und Fernsehen können sich jetzt täglich in unserem kleinen Haushalt wiederholen oder vielleicht sogar erstmalig entfalten. Scheissfische.

Wednesday, September 13th, 2006

Ken Loach (Abendgedicht)

Ken Loach (Abendgedicht)

Toblers zugeeignet

Als Echo das von weissen Wänden wiederhallt,
Verklingt vom Golden Gate das Licht;
Wo Kies am Wassergrund auf Kiesel prallt,
Liegt stumm und regungslos ein Fischgesicht.

Das Auge streng, ein Punkt der seine Welt begründet,
Den Mund umgeben Fäden, deren Sinn ihn zieht.
Bewegter Schatten auf dem Glas, und er verschwindet
In seiner Burg, aus deren Tor er wachsam sieht.

Den roten Schwanz im Dunkel seiner Stätte
stets unter Spannung und zum Schub bereit,
erwartet er sein letztes Mahl zur Nacht,

Man fragt sich müde: Wäre er befreit –
Ob er wohl Kraft zum eignen Leben hätte,
Und ob man selbst es sei, der ihn darum gebracht.

Tuesday, August 22nd, 2006

Fischtäube

Die Bar heisst Thalassa, das Bier, auf das ich warte, Death and Taxes, und das Stück ist die Bohemian Rhapsody. Die Musik ist deutlich zu laut eingestellt, vermutlich um den Absatz von Tod und Steuern anzukurbeln, und der Bass wummert in meiner Magengrube, während ich auf mein Bier warte. Hinter der Bar, im Zweimeterabstand, sind kleine Aquarien, die sich ins maritime Designthema fügen, und die vor ein paar Wochen noch leer waren. Jetzt schwimmen tropische Zierfische in jedem einzelnen, und wiegen sich leise im Rhythmus der Schallwellen.

d3c69330dca01d1725156010._AA240_.L.jpg I almost didn’t buy this when I saw it at the local Salvation Army store. Who needs another book on Yosemite, sporting pretty pictures of waterfalls and sunsets? But as it turns out, Brower not only knows many of the key players of Yosemite’s recent cultural and natural history firsthand, he also writes engagingly and knowledgeably about this intriguing stretch of land. The discussion of a supposed dichotomy of artistic concepts battling over the park could have been spared, but the rest of the book is a joy, and the picture really are gorgeous. Makes me want to go up there again.

north_amer_tree_squirrels.jpg While this book has plenty of interesting information on mainly fox and gray squirrels, it could have been written more with the lay reader in mind. That’s not to say that it is too hard or complex, for it is surprising how little complexities seem worth relating, but rather that it reads in places like a badly written scientific paper. If all of this book had the wit and pace of the chapter on squirrel reproduction, it would have been a delight to read. As it stands, it’s interesting, but rather dull. Except for that chapter. Hilarious.

spruch.jpg The different stances of people from varying strata and cultural backgrounds take toward animal life in general, and those animals that have become closely associated in one way or another to human life, is fascinating on one hand, and fairly predictable on the other. City dwellers, who suffer property damage and the risk of diseases from rats, abhor and vilify them, while at the same time adoring squirrels, who in many respects resemble their shady cousings. While in the countryside squirrels are hunted for food, and face extinction in many places because of habitat loss, the city dwelling species enjoy much attention and feeding by their primate hosts. And needless to say, each faction considers their way the natural state of affairs.

This particular book, to get away from stating the obvious, is both entertaining in the stories of squirrel-man interaction its author has accumulated over the years, and somewhat frustrating in its lack of reflection, and Spruch’s tendency to attribute human psychology to her charges.