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Gesundheit



Thursday, April 29th, 2010

MADDness

Reasons to keep the drinking age at 21: Since the drinking age in New Jersey was raised to 21, the number of young people killed in drunk driving crashes has dropped nearly 78%. Need we say more…

I’ve stared at this claim numerous times, while being carried hither and tither by PATH. In it, MADD, the non-profit that took its name from Alhazred’s infamous Acronomicon (A Complete Reference Of Nerdy Or Maximally Impossibly Convoluted Organization Names) is trying to rally support for their cause, and they’re doing it in a way that makes my number sense go off. To the Mathcave!

First: they don’t tell us what they base their numbers, excuse me, what they base their number on. 78% of what, taken from which source, and calculated how? I realize it’s just a small subway ad, but it does manage to mimic a statistical claim quite well. Which it frankly isn’t. It’s an unfounded and barely even meaningful assertion.

Second, they don’t mention when exactly this raising of the drinking age happened, do they? It happened way back in 1982. In the 28 years since, the number of fatal accidents overall might have dropped considerably. Given the safety advances since then, it’s a fair bet it has. If it had dropped by as much as 80%, the number MADD gives us for drunksters would be merely the average drop. The same were true if just the number of young people on the road, or the number of young involved in any kind of crash, had dropped by 80%. In fact, there is a whole host of variables that a claim like this one needs to be controlled against for it to have meaning.

Third, the drop is in “young people killed in drunk driving crashes”. Sounds like that also includes crashes caused by drunk adults. Which are irrelevant to the question of drinking age.

And fourth, how many saved lives do those 78% actually correspond to, and what fraction are they of the total number of young people killed in traffic accidents? If both were small numbers, would the good of the few really outweigh the good of the many here? While this argument assumes there is a net benefit from getting drunk, which itself may seem debatable, there is no foregone conclusion either way. Not allowing people under 21 to drive at all would make their fatalities drop even further, yet I don’t envision that implemented any time soon. The cost would be too high.

Just to be clear: I think drunk driving is irresponsible and stupid at any age, and young people, especially males, are much more likely than the average to do it. They can’t help it, their frontal lobes are hormonal mush. But whether or not raising the drinking age lowers the risk is an empirical question that deserves proper treatment. Mothers, do not mislead us! It makes us SADD (Scientists Against Data Distortion).

Tuesday, April 27th, 2010

Inventur

Dies ist meine Niere,
dies meine Galle,
hier zuviel Kalzium,
im Blutstrom gelöst.

Herzesschläge:
sind schnell, sind erratisch,
Elektroden und Plotter,
zerkratztes Papier.

Die Kurve, so sagt er,
ist harmlos verändert,
neidvolle Blicke
begleiten zur Tür.

Im Blutstrom derweil
Gespanntheit und Drängen,
im Überdruck treibt
viel Cholesterin.

Die Leber erzeugt es,
im emsigen Treiben,
der Bändigung tauge
Atorvastatin.

Die Nierenmalaise
fürcht ich am meisten:
schon zeigen sich Spuren
im fahlgelben Saft.

Dies ist mein Neuron,
dies seine Schwärze,
dies der Transmitter,
dies ist mein Hirn.

Tuesday, April 20th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (3)

Treets!
III. Unterdessen, anderswo.

“I feel I must interject here. You’re getting carried away feeling sorry for yourself” (Postal Service, Nothing Better)

Es ist ja nicht so, dass mich diese Dinge nicht interessierten. Billy Wilder soll einen flüchtigen Ideenschmetterling, der ihm mehrfach nachts durch die Träume flatterte, und der jeweils am nächsten Morgen verschwunden war, in einem Zettel-und-Stift-Netz neben seinem Bett gefangen haben, und als er das schillernde Insekt am nächsten Morgen bestaunen wollte, gespannt auf den Einfall, der dem Traum zufolge zum besten Film führen würde, den er je gedreht hatte, stand auf dem Zettel: “boy meets girl”. Denn es ist ja so: alles ist interessant und wichtig für den, der die Hauptrolle spielt. Und dem Publikum ist aber vieles fad und banal. Beziehungen bröseln unter Stress und mit der Zeit, Freundschaften sind schwierig, wo die Liebe mitmischt, Geldsorgen essen Seele auf, der Tod ist gross und wir die seinen, filled with the faults they had. Und so weiter, in ewiger Wiederkehr. Und eben Widerkehr auch.

Alles natürlich monumental, wenn man drin eingesperrt ist, aber gleichzeitig doch auch sehr bla, Alltagsgewürge, banaler Kram letztlich. Der Mist dieses Kleinviehs kann doch nicht sein, weswegen ich jetzt Pillen schlucke als wärens Treets, und trotzdem die Hälfte der Zeit emotional durch die Gegend taumle wie ein angetrunkener Albatross beim Landen.

Moment. Treets?

An Treets hatte ich zwanzig Jahre lang nicht gedacht, und dann fiel mir neulich in einem Gespräch über Affenspezialfutter plötzlich ein: die hiessen so, weil es treats sind: Feiertagsnüsschen im Schokomantel. Das Strahlen der Erkenntnis in meinem Gesicht, das rein gar nicht in dieses Gespräch passte, versuchte ich dann umständlich zu erklären, es blieb aber wohl unverstanden. Treets. Mannmann.
Im Hirnsieb sammelt sich so viel Schotter über die Jahre, es ist ein kleines Wunder, dass aus dem Kopf überhaupt noch sinnvolle Geräusche kommen ab zirka dreissig, und nicht nur noch inkohärente Nostalgie und Assoziationen zu Stellvertretersachen für ein damals und ein dort, für eine Kultur und ein Milieu. “Kennst du das” und “weisst du noch”, die Hauptsätze der Zugehörigkeitsrechnung. Dabei ist Differentialrechnung doch viel interessanter. Gleichheit definiert die Spezies, der Unterschied macht das Individuum.

Trotzdem, Auswanderer kleben weltweit zusammen wie ein Bienenschwarm auf Höhlensuche. Mir war lange nicht klar, warum das so ist, es schien wie das Klischeeeisbein (Triple-E Qualität! Kein Flachs!), des deutschen Urlaubers im Süden, ein ängstlich paradoxes Klammern ans Vertraute, wo man doch reist, um die und das Fremde zu erleben. Oder jedenfalls das Gefühl des Erlebnisses zu haben. Möglicherweise ist das Kennenlernen der Fremde ja ebenso unmöglich, wie einem Japaner unmöglich ist, die R- und L-Raute zu unterscheiden, aber herrje, versuchen kann mans doch wenigstens.
Aber nichts da. Beim Chinesen auf Spadina sitzen die Chinesen und speien gemütlich die Knorpel auf die Tische, im Latino-Supermarkt von Jersey City shoppen die Latinos in sauber nach südamerikanischem Land geordneten Regalreihen, wie zu Hause in der alten Heimat, und deutsche Besucher sind begeistert, wenn es irgendwo Bratwurst gibt und richtiges Bier. In New York!

Aber wer braucht Bratwurst, wenn er Internet hat? Man kann mich unter die Hippies werfen und unter die Homies, dachte ich, es bleibt immer der Rückzug in die Online-Horde, in die Ersatzfamilie, anstelle der dysfunktionalen echten. Nur dass diese Horde aus Einsen und Nullen besteht, und nicht aus Menschen, und lange Ketten aus Einsen und Nullen summieren sich für den sozialen Instinkt zu einem Nichts. “Was fehlt: Fernlausen” schrieb K. jüngst in eine dieser virtuellen Hütten; denn dem bloss geschriebenen Wort ohne persönliche Rückkopplung, ohne Achselgeruch und Augenrollen und Mundwinkelzucken, fehlen Bindungskraft und affektive Eindeutigkeit. Man kann das lange ignorieren, ein Fortschritt gegenüber der guten alten Zeit, in der Exilanten gleich nach Ankunft in Finsternis versanken. Aber irgendwann wird die Rechnung trotzdem fällig. Und dann helfen nicht mal mehr Käseknacker.

Igitt.

Monday, April 19th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (2)

II. Tag. Aussen.

Bei Licht betrachtet ist was man im Dunkeln so treibt und schreibt ja meist ein geblümter Unsinn mit Schleife. Das macht einerseits nix, so weit es um Gefühltes geht, weil: Gefühltes braucht keinen Sinn; Gefühltes schmeckt auch so. Aber vom Gedachten hätte man mehr erwartet. Wahrscheinlich ist überhaupt das der Fehler.

Tractatus sozio-logicus:

1 Alle Welt will gefallen.
2 Wodurch man gefallen will, das Mittel, ist das Verhalten.
3 Der Zweck des Verhaltens ist Kommunikation.
4 Kommunikation ist der unternommene Versuch, den Zustand des Anderen zu verändern.
5 Mittel dieser Veränderung ist das Ausführen sozial bedeutsamer Bewegung
6 Die herzustellende Gleichheit ist die zwischen der erwünschten Bewegung des Anderen und seiner tatsächlichen.
7 Wo man nicht angleichen kann, da muss man schweigen.

So weit, so gut. Aber was ist jetzt, wenn die Kommunikation eine über das Ende aller Kommunikation ist? Man also zum Beispiel blogt, dass man online nichts mehr schreiben will, ja zwingend nicht mehr kann, keine Wahl hat, weil man vor dem Browser Angst hat wie gebrannte Mandeln vor dem Feuer? Ist das als Kommunikation nicht völlig ungültig, wegen Binnenwiderspruch? Macht man sich nicht zum Lügenkreter damit und schafft sich selbst ab? Kann man vor lauter Logik blind werden gegen den eigenen Blödsinn?

Von Schnee kann man jedenfalls blind werden. Nicht wenn es bewölkt ist und dichtes Flockengewiesel fällt, Schneeblindheit ist ja die Ultraviolettkatastrophe im Auge, eine Schwarzkörperexplosion aus zuviel Licht. Aber ich bin im eigenschaftslosen Weiss des Schneetreibens trotzdem blind, die Qualitäten der Dinge lösen sich von ihnen ab und verschwinden. Es bleibt ein grellweisses Loch, inhaltslose, wirbelnde Verzweiflung. Im Film Nothing finden sich zwei Freunde mit ihrem Haus in einer nahezu allumfassenden weissen Leere wieder, nachdem sie den Rest der Welt durch intensiven Hass beseitigt haben. So ähnlich fühlt sich Lincoln Park an an diesem Schneetag, eine Insel im Nichts, voller Gespenster abgeschiedener Grössen. Zwei Baumreihen sind zu sehen, die auf einen Punkt hin fliehen, ohne ihn zu erreichen, und ein steinerner Feuerwehrmann auf einem Podest, der sich gegen den Schnee stemmt. Der Rest ist wirbelndes Schweigen.

Nothing endet damit, dass die beiden Hauptdarsteller restlos alles weghassen, ausser ihren Köpfen, die dann zufrieden durch die Leere hüpfen, deren einzige Eigenschaft ist, dass sie weich ist und nachgibt. Aber der Film stellt die Dinge natürlich von den Füssen auf den Kopf. Denn viel einfacher wär es doch, den eigenen Kopf wegzuhassen statt umständlich die ganze Welt. Und zack, aus die Maus. Und so stand ich da im Schneegestöber und dachte: besser wärs gewesen, dieses Ding wär mir im Kopf gewachsen und nicht dem W. Er hätte nicht das Leid, das von aussen nicht vorstellbare, und mein eigenes Leid und die umfassende Verzweiflung, die alles würgend umklammert, die an der Idee der Leichtigkeit hängt wie Blei, wäre zu Ende.

Der Gedanke ist natürlich dumm, so dumm, dass auf seine Dummheit hinzuweisen selbst auch dumm ist, das weiss ich selber, und er wurde ja von der Depression gedacht, und nicht von mir. So verteidigt sich mit kleinen Ärmchen rudernd das Ich. Ganz zu schweigen davon, denn auch das ist mir bewusst, sagt das Ich, dass anderer Leute Elend zur dramatisierenden Folie fürs eigene zu nehmen ein Schachzug des Anti-ES ist, Ausdruck einer psychosomatischen Abstraktdeformation. Sich so herauszureden auf “das war Ich nicht, es war mein Hirn” ist verlockend, aber wer oder was ist denn eigentlich dieses Ich, dass es da nicht gewesen sein will? Dem der Gedanke so peinlich ist, und Anlass zur Wut auf was diffuses Externes? Und würde dieses Ich auch sagen “Ich hab mir nicht den Fuss gebrochen, das war mein Bein”? Ist das nicht vielmehr ein Ausweichen, und die ganze Philosophiererei auch nur Übersprung?

Apropos Ausweichmanöver und Übersprung: die Ansichten Humes zum Ich – das es nicht gebe als Ding der Anschauung – und seine Induktionsargumente – wir können nichts wissen, und genau genommen nicht mal das – gelten ja genauso in der Depression. Denn auch ob eine Situation, eine Interaktion, ein Ausbleiben oder Eintreten gut ist oder schlecht, kann man nicht wissen. Man schwiemelt es sich je zusammen, aufgrund des sonst so gewussten: Esse est perspiri. Dasein ist Schwitzen. Und Perspiration ist eben fehlbar. Und müffelt.

Anders: dem Induktionsproblem geht das Hirn mit einem Grundvertrauen aus dem Weg, einem heuristisch eingeschriebenen “wird schon stimmen”, in dubio pro lege, fürs Naturgesetz. Was gestern war, wird auch morgen noch gelten. Die Grundlage dafür ist, dass diese Faustregel gestern noch half, das ganze Argument also zirkulär, aber das macht ihm nichts. Und ebenso basiert sozialer Austausch auf der Annahme: man nimmt mich ernst, man achtet mich, ich bin was wert auf dem Markt der Personen und Empfindungen. Und wie aus einem grundlegenden Zweifel an der Zukunft die Unfähigkeit folgt, sie zu erreichen – wer weiss, ob beim nächsten Schritt noch fester Boden ist, besser, stehenzubleiben – so ist der, der am Wohlwollen der Welt zweifelt, nicht mehr in der Lage, es zu sehen.

Funktionieren ist Vertrauensvorschuss, ist die Welt auf die leere Leinwand der Wahrnehmung gemalt, oder hier eben ein Haufen Neurojargon auf die schwarze der Existenzverneinung.
Das geglückte Leben eine einzige, lange Übersprungshandlung; ein Kratzen hinterm Ohr mit dem falschen Fuss; Blindheit im Angesicht des strahlenden Nichts.

PS. Wer das mit der Abstraktdeformation erklären kann, ohne zu gugeln, kriegt einen Pangalaktischen Donnergurgler ausgegeben. Oder zwei.
PPS. Ja, das PS aus dem angeblichen Kommunikationsembargo redet mit dem Leser. Schnauze, Leser.


Saturday, April 17th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (1)

I. Nacht. Innen.

Liegen, die Kehle zugeschnürt von unten her, ein Knoten ohne Grund und Substanz, der einfach ist. In Wellen laufen Erschütterungen durch den Leib, der sich schwer in die Welt drückt, Unausgewogenheiten, kleine Beben, Pulsationen, die dem schlingernden Gehirn wieder für Todesnachricht gelten: den Morgen wirst Du nicht erleben. Entsetzen und Resignation tanzen Walzer im Oberstübchen, eine Geschichte dazuerfunden, die Tabletten hast Du nicht genommen, und eingesperrt im Keller sitzt der sogenannte Verstand und wummert mit kleinen Fäustchen gegen die Tür. Welche Tabletten eigentlich, ruft er, aber er lässt sich nicht raus, seine Einwände zwar berechtigt, das Sterben sei auch bisher ausgeblieben, aller Furcht und aller nächtlichen Panik zum Trotz, aber wer hört schon auf die Schmuddelkinder aus dem Denkkeller. Wer hört überhaupt auf irgendwen? Und hört eigentlich auch mal was irgendwas auf, oder fängt vielmehr immer nur neuer Scheiss an?

Einatmen. In der Wand ein leises Rascheln, beantwortet durch das Ticken meiner langen Fingernägel auf der Wand (Zum Gitarre üben. Haha.), und das Rascheln verstummt. Antwort und Verstummen; das Gehirn, vom Sturm der Evolution sinnlos aus einer biochemischen Müllhalde zusammengefegt, diese Mustererkenn- und Überlebensmaschine, saugt sich magnetisch fest, ein Fadenkreuz haftet auf der Denkfigur: Signalaussendung führt zum Ende der Kommunikation. Was ich sage, bringt die anderen zum Verstummen. Strecke ich die Hand aus, weicht die Welt zurück. Selbst für die Ratten in der Wand gilt das; oder eben grade für die, maults von unten, sind ja schliesslich Ratten. Aber halt die Klappe, Verstand, es ist Nacht, da schläfst du doch, denn dann tanzt der Teufel ums Fegefeuer brennender Erinnerungen. Vielleicht liegts aber auch nur an der Katze im Frack da am Fussende, dass die Ratten schweigen, und die Frackkatze wiederum liegt da der Rattengeräusche wegen, eine endlose Goldbergmaschine aus Gründen und Gegengründen, und alle Fratzkacke und uninteressant: ich will wissen, warum die Menschen das tun, was sie tun. Und nicht die Katzen, und nicht die Ratten. Ausatmen. Jetzt das Kissen wenden, die Unterseite presst sich kühler gegen die brennende Wange. Ein paar Sekunden lang klärt sich was, dann wieder Nebel.

Eingesperrt im eigenen Kopf, der eigenen Vergangenheit, dem eigenen Fleisch, was hilft mir da die Neurophilosophie? Was tut der Klaustrophobe, wenn der Schädel zu eng wird, seine sogenannten Verhaltensmuster, seine angeblichen Persönlichkeitsmerkmale, eben das, was dieses dumme Tier so tut und sagt und empfindet und ist? Wenn dann die Panik kommt, die positive Rückkopplung, in der die Unmöglichkeit, einer Unausweichlichkeit auszuweichen, den Terror potenziert, und das Ich sich selbst am Haarschopf fasst und in den Hirnsumpf schmeisst. Ich will nicht der sein, der ich bin: der nicht sein will, der er ist. Und so weiter, bis zur Vergasung. Kennste, Alter, oder? Voll der krasse Spruch, Vergasung.

Ich will hier raus. Aber fat chance, klar.

Und dann kreist endlos ein Bröselteufel: gesagt und nicht gesagt. Gemeint, gedacht, gefühlt. Eingefordert, ausgeladen. Versetzt, verstanden, verlegen. Akteure und Subjekte. Geworfene und Werfer. Hallo! Hier drüben! Eine Parataxe, bitte, in diese hohle Gasse. Was wollte ich nochmal sagen? Ach ja.
Liebe, Hass und Demütigung kommen in eine Bar, sagen kein Wort und legen den ganzen Laden in Schutt und Asche. Guter Witz, die Pointe hab ich nur leider vergessen. Aber das ist ein Brüller. Den hört man weit und breit.
Eine Stunde jetzt seit dem Rattenrascheln, langweilig ist er ja schon, the horror, das Grauen und das Grübeln, jedenfalls von hier aussen, vom Text her betrachtet. Immerhin: Bach runter eiert im Kreis durch die Rübe, oder kreist im Eierkopf, ein dummes und liebloses Geplätscher, aber ein Geräusch jedenfalls, und aus dem Keller wummert der Zwerg mit dem Wasserkopp Kapielskis Sorgenbesen an die Decke, im Blickfeld der Weitwinkelüberwachungskamera. Ruhe da oben, wir würden hier alle gern schlafen. So, aha. Eine einzige Gerümpelkammer, dieses Oberhüttchen. So viel kann man gar nicht wegschmeissen, wie man Platz bräuchte.

Ich wollt ich wär Homer, und küsste die Muse mich Deppen, und hätte ich nichts als einen Donut zwischen den Ohren, mit Marmelade drin und extra Sahne drauf. Aber kamman es sich aussuchen? Kammanicht. Bin ich halt irre eben. Wird schon auch zu was gut sein.

Und es wurde dunkel. Und langsam wieder hell. Ich will aber nicht, dass es hell wird. Mach dunkel wieder. Bitte. Zieh den Tag auf links.

Aber nichts da.

Jeden Morgen erinnern sich Muskeln, Finger, Augen an endlos vorgenommene Handgriffe und Klickbewegungen, die einst das Online aufgerissen haben sperrangelweit, und Nachrichten aus der bewohnten Welt ergossen sich aus der Wunde. Aber wie ein ehemals bunter Hund, schwarz gemacht durch nie vorhergesehene Prügel und Zufallsstrafen, ist mir dagegen jetzt Widerstand in die Synapsen gebrannt. Ich kann sie nicht mehr aufmachen, die staubigen Wasserlöcher und Schwatzbuden, dieses Forum, dieses Facebook, und nicht nur, weil ich zuviel investierte oder erwartete und jetzt an der Enttäuschung kaue, einem alten zähen Lederkeks. Auch wird mir körperlich übel; und überwinde ich die Abwehrreaktion hämisch – sieh her, Hirn, ich bin Dir über und transzendiere Deine Unzumutbarkeiten – erfasst mich gleich nach Ladeschluss neuer Schwindel. Einmal vertraute Namen hängen in einer Leere, die jetzt gähnt, wo ich mich mal zuhause fühlte. So lang ist das gar nicht her, was ist nur los? Wer seid das hier? Ein Dreckshirn, Spatzl, gell?

Und zuhause, das ist eh. Davon fang ich gar nicht.

Hier liegt ein Nexus der Krise, wenn auch nicht ihr gordischer Knoten: die Diskrepanz zwischen der nachgebastelten Sozialität und ihrer Nachgebasteltheit, die sich in Momenten dichter Emotion am deutlichsten zeigt. Alle haben das gespürt, als der Hirnwucher ausbrach in Berlin, haben helfen wollen, und wussten nicht wie, haben sagen wollen, und wussten nicht, was. Wollten berühren und berührt werden, aber mit welcher Hand und wessen warme Haut? Alle spürten es, mir hat es den letzten Boden weggezogen, und seitdem Sturz. Fein, der eine hat die Krankheit zum Tode, der andere jammert. Recht machen kann mans wohl keinem. Aber wie denn auch. We are moments lost in time, like tears in the rain.

Sturz weshalb überhaupt? Ist ja nur Forum, Freunde gehen anders, der Satzbrocken steckt mir als winzige Axt im gefrorenen Meer, an der Seite der aufgeworfenen Platte in Kasper Friedrichs Bild, ein hilfloser Kitsch, wie immer. Als wär die Formulierung persönliche Beleidigung gewesen, und nicht eben offensichtlich und grundrichtig. Was eigentlich willst Du, Kopf? Warum bleiben von allem immer Wut, Verzweiflung, Schmerz, grad diese drei? Und nicht auch mal eine nette Bemerkung, ein Lächeln, eine versteckte Geste, die sonst keiner sah. Und warum erfahr ich das alles nur hintenrum, per mühsamen Nachhirnens, und muss es mir zusammenkleben aus Grübelpopeln, du linke Bazille, du Kopfpups, du Irrtumsnetzwerk aus Neuronendreck? Sitzen wir denn nicht im selben Boot? Ziehen wir denn nicht am selben Strang?

Und was ziehen wir da eigentlich, und zu welchem dunklen Ende?

Wednesday, September 30th, 2009

for those about to search

If you are looking down the barrel at treatment of a latent TB infection, and are supposed to choose now between nine months of INH versus four of Rifampin, there is no helping you, just pick one evil. But hopefully this information will end up in search engines and help someone else trying to find the information I couldn’t when I was looking for it. Good luck.

Rifampin upregulates liver enzymes, and via this path interacts with other drugs. I was on Lipitor (for cholesterol reduction) when I started the Rifampin, and I acquired debilitating insomnia that got at least manageable once I stopped the Lipitor. I do not know whether the insomnia would be caused by the Rifampin alone, as I still take Cozaar along with it.

The same thing happened with Trazodone, an antidepressant I was given as an off-label prescription for the insomnia. Instead of putting me to sleep, it catapulted me into a near psychotic state of intense nervousness and racing thoughts that lasted for quite a while. No sleep that night at all. This was prescribed to me in spite of my mentioning the side effects of the Lipitor/Rifampin interaction and the liver activity of the Rifampin. Point being: second and third guess your physician.

The TB clinic did not prescribe anything against the insomnia. Instead they recommended I buy Benadryl, once again an off-label use, as Benadryl is normally taken for allergies. This, too, was a bad idea. Benadryl does make you drowsy, but that’s quite a bit different from actual sleep, and more importantly, continues through the next day. I was actually more awake the day after the Trazodone incident than I was after sleeping with the help of Benadryl, by a wide margin. Benadryl made me utterly useless the day after.

Finally, if you do have trouble sleeping with your anti-TB poison of choice, try Valerian. It’s not really a sleep inducer, but its relaxant powers might help counter whatever the Rifampin is making your liver churn out enough to let you doze off.

And once again, good luck.

Tuesday, September 29th, 2009

insomnia

My body is a supine landscape of thoughts, racing in tight circles around a center empty of spectators. Along the course little cards are placed, always vertical to the line of sight of the unnamed observer, like images in Google earth. Each of these cards is a sleep, is a state of rest and relaxation, and the observer sees all those states and counts them, over and over, circling the splayed out useless lump of flesh to a backdrop of tight humming, like something of high voltage charging but never quite reaching the level of release, the lightning bolt, the thunder that will clear the air. A stinging bolt of acid forces me upright and unable to stop the motion I tumble away.

There are sounds at the kitchen window, but none of them fit any of the theories about the sociographic composition of our neighborhood or the structure of the night that I think I have. Somewhere metal rattles against metal, a sharp noise, a yell in the distance. A twig snaps, leaves rustle in the wind, a piece of fabric on the fire escape above me howls quietly, as though in pain. Gibberish of the night, a rapidly stammering silence.

The pleiades are overhead, visible only when ignored, ghosts winking out of existence with each attempt to find them. Much lower, planes run through the belt of Orion in five minute intervals, close to Mintaka at first, then lower, until one almost hits Alnilam and I lose interest. Alnilam is four million years old and a supergiant.

The backyard has been purged. An unshaven man on his knees had ripped out all life while talking on the phone in the afternoon, maybe describing his progress as he went, Now I’m ripping out some low growing spread out dark green things, now I’m pulling some taller things with flowers on top, then had collected the dying plants in a bag and made off deep into the basement, and now in the oblique light of the nearby gas station’s lamps there is no structure left but the alternating texture of the trampled dirt and washed out earth from the neighbors slightly elevated, but incontinent garden, and the cracked layers of concrete, asphalt and brick, accumulated over lifetimes of misguided backyard management by people like the kneeling unshaven man, whose ghost lingers, too, visible from a corner of my eye. I expect an animal to pass through the zone of death, but none comes.

The windows across the garages promise stories, but after the black man kills the lights in his kitchen, switching on those in his bedroom and then stands staring in my direction for several seconds and then gets those lights, as well, there are none left to be told. Maybe I’m now being watched from the completely dark frame of his window, where his face vanished in the black a moment ago, but more likely he saw my posture, the chin rested too high on the pulled down window’s frame, arms held awkwardly at an angle, and deciphered me as unlikely to do anything worth reporting to invisible third parties, and went to sleep.

There is a lamp I can just see over the garage’s top the position of which is designed to illuminate the yard on the other side, switched on by a motion sensor, turned off by a timer, that goes on and off a few times. I barely hear car motors, which surprises me, since they’re only a few meters away. Maybe sound does rise, and I could hear them better on the roof. I consider going there, imagine what the sky will look like, the Pleiades maybe finally provably there, something to point a shaking finger at, but there is a slight chill in the air and I stay where I am.

The planes are barely grazing Alnitak now, a triple star, three close friends perhaps, closed off against intrusions by others, these starlets, chatting amiably among themselves, but sending only coolness and light down to meet the slowly drifting planes and me. Soon Newark’s landing corridor will be out of Orion’s belt entirely, floating freely in the sky, no longer bound to human considerations and folly. I imagine living people on these planes, their pasts and hopes confined for a moment, and held in stasis in my head, preparing to exit their fragile vessel and to resume their lives, and I hear all their voices at once, and I can make out not a single word that might make sense to me.

Monday, March 24th, 2008

Unsere kleine Strasse

1
Die Kleinfamilie von gegenüber habe ich noch nie anders gesehen als im Streit. Überhaupt habe ich sie nur sehr selten gesehen, die beiden Fenster, die auf die Strasse blicken, sind blind, Ikearollos am Fadenzug sind eine milchige Barriere gegen die Menschen auf unserem Block. Man hört sie aber oft, die dicke Frau und den Mann in Feinripp, wie sie sich anschreien, Motherfucker, fucking, worum es geht, ist schwer zu verstehen, auch wenn man, wie ich jetzt, am Fenster steht und den Vorhang aus Milch ein wenig zur Seite zieht. Sie ist vor der Tür, bringt Müll raus, geht schwerfällig zum Auto, er steht auf dem Treppenabsatz, und sie schreien sich über die paar Meter kümmerlicher Distanz hinweg an, nicht voll Hass, hilflos eher, und überfordert von einem Leben, dessen Gesetze sie nicht begreifen. Zwischen ihnen der Vierjährige, dümpelt wie ein kleines Ruderboot ohne Anker und will bei keinem der beiden sein, beim Vater nicht, nicht bei der Mutter, die ihn mit sich zerrt, zum Dreirad, während sie über die Schulter brüllt, keine Argumente, keine Forderungen, blosse Zornes- und Frustrationsgeräusche. Das Kind läuft um den Vater herum nach drinnen, die Eltern schreien sich noch einen Moment an, dann gehen sie auch rein, das Kind kommt sofort wieder raus, gefolgt von der Mutter, die es aufsammelt und nach drinnen trägt, brüllend. Die Tür fällt zu.

2
Gegenüber auf den Stufen der little white box sitzt oft ein Pitbull-Terrier und betrachtet die Strasse, die sich dabei vermutlich fühlt wie eine Antilope im Kino, wenn die Antilope aufs Klo muss, um sie rum sitzen aber nur Löwen und wollen nicht aufstehen. Der sitzende Pitbull hat alle seine Moleküle in Einheit auf Lauern gebürstet, jedes Härchen lauert da, keins tanzt aus der Reihe, er ist ein gespannter Bogen. Vor vier Tagen dann schnellte er pfeilschnell von der Treppe, der kleine Nachbarshund kläffte vorbei und musste zerbissen werden. Zerknirscht die Besitzerin, natürlich komme sie für die medizinischen Kosten auf. Weil der Pitbull aber auch seine Zähne auf Angriff bürstete, und der kleine Nachbarshund so klein ist, war der Schaden gross, 1000 Dollar Anzahlung verlangte der Tierarzt, 2500 werdens insgesamt werden. Als Katy und JJ, die studentischen Besitzer des zerfleischten Hündchens, das der Nachbarin erzählen, ist sie entsetzt, sie hat doch kein Geld, und die Töchter aus dem Auto werfen erbost ein, das sei typisch für die Weissen, immer wollten sie nur Geld. Katy bemüht sich jetzt darum, den Pitbull einschläfern zu lassen, und will der Nachbarin das Auto wegnehmen.

3
Die neuen Mieter im zweiten Stock, beugen sich, als spät nachts wiederholt Musik nach oben brandet, aus dem Fenster und bitten um Ruhe. Sie könnten, erwidert man von hinter dem abgewrackten Lieferwagen, aus dem der Lärm kommt, gerne runterkommen, und die Forderung wiederholen, man bringe sie dann um. Am nächsten Morgen haben die neuen Mieter im zweiten Stock Eier an den Fensterscheiben. Sie ziehen zwei Wochen nach dem Einzug wieder aus.

Saturday, March 31st, 2007

Knoten

Seit dem Krankenhausaufenthalt und der intravenösen Ernährung habe ich in meinem linken Unterarm eine Venenverhärtung, einen zwei Zentimeter langen, harten Knoten, den ich in ratlosen Momenten gegen das Muskelgewebe drücke, ein Tick. Wird der Fingerdruck stark genug, weicht der Knoten aus, seltsamerweise nicht seitlich zu, sondern in Richtung des Venenverlaufs, ein hochgekrempelter Blutärmel. Vor dem Fenster sehe ich ein Insekt, vielleicht zwanzig Meter entfernt in der Luft, und hätte es wohl nicht gesehen, wenn nicht ein amerikanisches Rotkehlchen es in einem eleganten Flugmanöver aus der Luft gefangen und gefressen hätte. Ein Insekt, das wohl so gross war wie der Knoten in meinem Arm, und das jetzt verdaut wird. Einen Moment lang scheint der Vergleich etwas zu bedeuten, das Ereignis, die Tatsache, dass ich erst rückwirkend das Tier sah, als es schon verschwunden war, vernichtet, aber dann zerfällt das Gespinst, es ist ein Vogel, der zufällig vor meinen Augen frass und jetzt schon fortfliegt.

Wednesday, March 28th, 2007

Skinny

No spring break? fragt sie, bevor sie mir den Haarfang umlegt, No spring break for you, either, frage ich zurück, aber die Kollegin ist im Urlaub, Belegschaftshalbierung, Studentenmangel. You used to have dense hair, sagt sie, now no more, lost weight, too. Ich bin einen Moment lang zu verblüfft, um zu antworten, got skinny, fügt sie hinzu. Kurzsichtig spähe ich in den Spiegel und versuche zu lesen im müden Gesicht, das herausguckt, aber es ist zu unscharf.