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Miniaturen



Saturday, March 15th, 2008

Cormac McCarthy – The Road (1)

Gestern nacht wurden die Möbel vom Strassenrand abgeholt, das schrille Pfeifen des zurücksetzenden Müllwagens hatte mich geweckt, im Halbschlaf lag ich in der Dunkelheit, hörte gedämpftes Gerumpel und Rufe, und fürchtete um mein Leben. Oder vielmehr war es ja schon verwirkt, die Welt eine verkohlte Wüste und die Kannibalen vor dem Fenster, die durch die Trümmer eines Leben wühlten würden sich bald ausrechnen, dass ich hier lag. Unruhiger Schlaf.

Heute Rumpeln in der Wohnung über mir, während zuende lese, woraus der Alptraum geliehen war. Unerschöpflich offenbar die Fragmente Willies, Glasscherben im Hinterhof, die ich zusammenfegte. Nach der letzten Räumetappe, einem Keller voller kaputten Kleinkrams, wurden wir wochenlang von Schaben überrannt, aufgestört aus den Ruinen. Was diese neuerliche Räumung wohl ans Licht bringen wird.

Die letzte Seite, ein Eichhorn auf dem Fensterbrett, vielleicht angelockt vom Geräusch, als ich das Ende kommen sah, sieht mich an und zuckt nervös mit dem Schwanz. Ich biete ihm eine Nuss an, minutenlang ringt es mit seinem Misstrauen, und nimmt sie doch erst, als ich sie ablege und mich einen Meter zurückziehe, in Richtung des Tisches, auf dem es liegt, schwarz wie Asche, rot der Name des Autors, und über mir die Geräusche des Zerfalls.

Tuesday, March 11th, 2008

Buddha on a Train (reading Keroauc)



As I straddle my folded bike on the swaying train
Gliding over the Passaic and into Newark’s Penn
I read about someone in a hut in Corte Madera,
That I drove to over different waters on a different day
And where I was awarded the license to go forth and drive,
And reading that that someone in that hut
Thinks he is Buddha, and smiles and is content,
I look up and see the skyline of Manhattan,
Far and faint over the glittering, murky waters
And I smile
And I am content

Thursday, March 6th, 2008

Conversation

“Today is the first day of the rest of your week.”

“Shut up”

Friday, February 8th, 2008

Das Unnoether-Prinzip

Wenn jede Symmetrie eines Systems gekoppelt ist mit einer Erhaltungsgrösse, das heisst: wenn jeder Transformationsinvarianz seiner Zustandsgleichungen ein Unveränderliches entspricht, ein harter Kern, ein solides Fundament, eine Wand, auf der die Graffiti der Ereignisse nicht haftet; ist dann im Umkehrschluss jede Asymmetrie das Korrelat einer Instabilität und ein Zeichen dafür, dass etwas verlorengeht?

Thursday, January 31st, 2008

almost wisdom

If you come to a chicken crossing the road, fork it.

Thursday, January 31st, 2008

Hinterhofromantik

Als wir einzogen stand in der feuchten Hitze des Jerseyer Sommer ein kaputtes Auto vor dem Küchenfenster, mit eingeschlagenen Scheiben und zerschnittenen Sitzpolstern. Auf der Klimaanlage, die wir wegen der geistigen Gesundheit rasch ins Fenster schraubten, lagen binnen kurzem Zigarettenstummel. Als das Auto weggebracht wurde (es ging nur schlafen, dem Auto geht es gut, keine Sorge), lagen natürlich drunter auch Zigarettenkippen, in einem Bett aus Scherben. Wir zogen die Rollos runter und guckten nicht mehr hin, bis die Hörnchen kamen.

Dann grummelte ich ein paar Tage lang, schulterte schliesslich den Besen, fegte Glasschrott, Kippen und Plastikmüll der letzten Jahre zusammen mit dem ausgewaschenen Lehm aus dem Nachbarsgarten in erst einen 15-Liter-Eimer, und dann noch einen. Man sieht jetzt wieder den splitternden Beton und die bröckelnden Ziegel, und die Tiere zerschneiden sich nicht mehr die Pfoten. Zwei Tage später hatte ein Nachbar zwei Mülltüten aus dem Fenster geworfen, ein paar Tage danach regnete es noch eine Mülltüte und eine leere Vodkaflasche. Man muss Jersey nicht lieben, aber.

Oder halt nicht aber.

Thursday, January 24th, 2008

Eingeholt

Als der neue Postdoc vom preiswerten Zimmer erzählt, das er auf Craigslist gefunden hat, bei einem seltsamen lesbischen Paar zur Untermiete, wo nie die Türen abgeschlossen sind und es keine Schlüssel gibt, scherzt Bart über Zeugungsdienste, die eventuell an Mietzinses statt zu verrichten seien. Eine Woche später wird der neue Postdoc vorübergehend aus seinem Zimmer ausgesperrt, nachdem er die e-Mail-Bitte der Vermieterin, ihr ein Kind zu zeugen, abschlägig beantwortet hat.

Tuesday, January 15th, 2008

Felinity

There are many ways to skin a cat. The cat likes none of them.

Monday, January 14th, 2008

Herde

Über den Mietshäusern oberhalb des Supermarktes synchron ein Taubenschwarm im einfarbigen Himmel, gespeist aus Dampfschloten. Nur wenige der Vögel folgen nicht der attraktiven Formation, bleiben von der eigenen Trägheit vereinzelt zurück. Als der Schwarm über einer Dachkante eine Wende fliegt sieht man kurz die Schwingenspitzen eines sehr viel grösseren Tieres, das aufsteigt und hinter der Dachkante verschwindet.

Saturday, January 12th, 2008

Amerikanische Schönheit

In der Sonne zwischen den Gebäuden vor dem Bahnhof von Newark fangen sich die heftigen Windstösse, die nach einigen Tagen Frühsommerwetter den Winter wiederherstellen werden. Eine kleine Windhose entsteht auf dem leeren Vorplatz und zieht Kartonagen, Plastiktüten und vereinzelte Blätter im Wirbel mit, ein grosses Stück Pappe wird gegen das rechte Bein eines Bänkers auf der anderen Seite des Platzes gepresst und verbirgt sein gesamtes Schienbein. Ohne hinzusehen schiebt er es nach einigen Sekunden zur Seite in den Windstrom, unter der Bank durch, davon. Eine besonders heftige Bö erfasst eine Plastiktüte und hebt sie übers Parkhausdach in die aufsteigende Thermik, und aus meinem Blickfeld.