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Animals



Thursday, October 12th, 2006

Informationsbehandlungsbedarf

Vor ein paar Jahren, bei einer Lesung in einer Tübinger Buchhandlung, geschah etwas in meinem Kopf. Es mag ein Drogenflashback gewesen sein, denn damals probierte ich so verschiedenes aus, vielleicht war es eine Kombination von Müdigkeit und Hunger, vielleicht eine exotische Migräneaura: sekundenlang zerfiel meine visuelle Welt in Einzelteile. Statt der Pulikumsköpfe vor einer Bücherwand sah ich nichts als farbige Flecken, ein strukturloses Chaos, unter dem ich zwar noch die physikalische Wirklichkeit erahnte, aber ich bezweifle stark, dass das lange angehalten hätte. Ohne das komplex regelhafte Sortierwerk in unseren Köpfen gibt wenig von dem, was uns als vermeintliche Information erreicht, Sinn.

Vor ein paar Wochen kauften wir Fische, einen Tetra und drei Tigerbarben, und setzten sie ins Aquarium, das seit zwei Wochen auf neue Bewohner wartete, nachdem die Goldfische unerklärlich gestorben waren. Den Fischen gefiels, wir kümmerten uns um anderes, zeigten besuchenden Freunden stolz die Geschöpfe, nur um buchstäblich Sekunden nach dem Abschied der Beobachter auch selbst mal hinzugucken. Alle vier Fische waren grau angelaufen, die Schleimschicht über den Augen verdickt und trüb. Wir rätselten über die Ursache, entschieden schliesslich auf Stress, und akzeptierten achselzuckend, dass ohnehin nichts getan werden konnte. Gingen ins Kino, und fanden tote Fische vor. Am nächsten Tag und mittels eines Wassertestkits klärte sich das Unglück, der pH-Wert des Wassers war ins Essigsaure abgestürzt, wir hatten lebende Fische in saurer Lake eingelegt. Noch auf dem Weg ins Kino hatte ich Zweifel gehabt, ob ein Wasserwechsel eher schaden oder nützen würde und mich für Untätigkeit entschieden.

Heute nun fand ich meinen Freund Ken Loach verendet unterm Nachbarsschreibtisch. Er hat sich wohl in der Nacht über die Aquariumskante in den trockenen Tod gestürzt. Das Aquarium, ein kleines Acrylding mit Plastikdeckel, war zwar verschlossen, der Deckel aber sass nicht fest, weil der Plastikschlauch, aus dem sich der Sprudelstein speiste, sonst eingeklemmt worden wäre. Der Fisch muss den schweren, aber nur lose sitzenden Deckel bei einem Sprung angehoben und sich durch die Ritze gezwängt haben. Mehrfach schon hatte ich ihn springen sehen, Teil entweder seines Verhaltens, oder Anzeichen dafür, dass ihm das Becken zu klein wurde, und mehrfach hatte ich mich besorgt gefragt, ob der Deckel auch fest genug schliesse.

Erkenne ich ein Muster? Das überlege ich mir morgen.

Wednesday, September 13th, 2006

Ken Loach (Abendgedicht)

Ken Loach (Abendgedicht)

Toblers zugeeignet

Als Echo das von weissen Wänden wiederhallt,
Verklingt vom Golden Gate das Licht;
Wo Kies am Wassergrund auf Kiesel prallt,
Liegt stumm und regungslos ein Fischgesicht.

Das Auge streng, ein Punkt der seine Welt begründet,
Den Mund umgeben Fäden, deren Sinn ihn zieht.
Bewegter Schatten auf dem Glas, und er verschwindet
In seiner Burg, aus deren Tor er wachsam sieht.

Den roten Schwanz im Dunkel seiner Stätte
stets unter Spannung und zum Schub bereit,
erwartet er sein letztes Mahl zur Nacht,

Man fragt sich müde: Wäre er befreit –
Ob er wohl Kraft zum eignen Leben hätte,
Und ob man selbst es sei, der ihn darum gebracht.

Tuesday, August 22nd, 2006

Fischtäube

Die Bar heisst Thalassa, das Bier, auf das ich warte, Death and Taxes, und das Stück ist die Bohemian Rhapsody. Die Musik ist deutlich zu laut eingestellt, vermutlich um den Absatz von Tod und Steuern anzukurbeln, und der Bass wummert in meiner Magengrube, während ich auf mein Bier warte. Hinter der Bar, im Zweimeterabstand, sind kleine Aquarien, die sich ins maritime Designthema fügen, und die vor ein paar Wochen noch leer waren. Jetzt schwimmen tropische Zierfische in jedem einzelnen, und wiegen sich leise im Rhythmus der Schallwellen.

north_amer_tree_squirrels.jpg While this book has plenty of interesting information on mainly fox and gray squirrels, it could have been written more with the lay reader in mind. That’s not to say that it is too hard or complex, for it is surprising how little complexities seem worth relating, but rather that it reads in places like a badly written scientific paper. If all of this book had the wit and pace of the chapter on squirrel reproduction, it would have been a delight to read. As it stands, it’s interesting, but rather dull. Except for that chapter. Hilarious.

spruch.jpg The different stances of people from varying strata and cultural backgrounds take toward animal life in general, and those animals that have become closely associated in one way or another to human life, is fascinating on one hand, and fairly predictable on the other. City dwellers, who suffer property damage and the risk of diseases from rats, abhor and vilify them, while at the same time adoring squirrels, who in many respects resemble their shady cousings. While in the countryside squirrels are hunted for food, and face extinction in many places because of habitat loss, the city dwelling species enjoy much attention and feeding by their primate hosts. And needless to say, each faction considers their way the natural state of affairs.

This particular book, to get away from stating the obvious, is both entertaining in the stories of squirrel-man interaction its author has accumulated over the years, and somewhat frustrating in its lack of reflection, and Spruch’s tendency to attribute human psychology to her charges.

Friday, August 11th, 2006

Graham Twigg – The Brown Rat (2)

This is one of the standards of rat lore and science, a concise overview of whats known about this pervasive rodent. Among the more surprising things I learned are the fact that the brown, or Norway rat, wasn’t present in most of the world until very late in the game, arriving in America in the 18th century, and in Europe barely earlier, and that the black, or tree rat, only predates that by a few centuries. It makes perfect sense of course, for the success of both species (and the devastating side effects) is closely linked to human civilization, but is startling nonetheless. Aside from that, the most surprising fact is how little was known about animals as ubiquitous and important as rats even in the 1970s, and I suspect not much has changed since then.

Wednesday, August 2nd, 2006

Robert Sullivan – Rats (3)

sullivan_rats.jpg This is a disappointing book. That’s not to say it’s not entertaining in parts, and that the rat related historic stories Sullivan has dug up aren’t worth your time. But as this book is modeled on Walden, and attempts to be a natural history of the urban rat, these are marginal issues. The problem of the book is that its author despises its subject. Sullivan freely confesses not to like rats, and he goes out of his way to go out of their way. An odd premise for any study, and not at all a good starting point for observations. Consequently, Sullivans contribution to his subject is collecting stuff from libraries, and the observations in the alley, that his study supposedly started from and centers around, are all but nonexistent. Rats keep close to walls and eat garbage, he tells us, as though anybody needed to spend a night out with a notebook to know that. Ultimately, the book celebrates the cunning and resourcefulness of New Yorkers, with the rats providing a despised tapestry against which to compare human history – adding to the myths Sullivan himself has fallen prey to. Too bad.

Friday, July 28th, 2006

Vorm Fenster

Auf der ganzen Etage gibt es keine Klimaanlage, nur ein paar Zentimeter Dach trennen uns alle von der Sonne Griechenlands. Draussen hält der Pazifik ihr Wüten in Schach, hier drin weht nur manchmal ein leises Lüftchen durch die gekippten Panoramafenster. Jetzt aber weht es nicht, sondern brummt, ich blicke auf und sehe mich Auge in Auge mit dem Vogel, der offenbar kurz einen Vorstoss ins Innere erwägt. Der heisse Feueratem, der ihm entgegenschlägt wird ihm die Schnapsidee ausgetrieben haben, surrend jedenfalls verkrümelt sich das Flugtier.

Tuesday, June 20th, 2006

Nacht, draussen

Es ist unerträglich heiss im Zelt und im Kopf. In der ersten Nacht hatten wir darum das Überzelt nicht aufgezogen; ein kurzer tropischer Schauer in den frühen Morgenstunden sah uns durch den Sand unter palmenförmigen Schatten taumeln und mit Zeltstoff wedeln. Zwar sah es am zweiten Abend nicht so sehr nach Regen aus wie am ersten, der Stoff blieb aber trotzdem drauf. Ein lautes Geräusch und heftiges Schnaufen setzt sich breit auf den Zaun zwischen Schlaf und Wachen, und langsam driftet mein Gehirn aus schwitzendem Halbschlaf ins Halbwachsein herüber. Vielstimmig schnauft es jetzt, schmatzt auch. Vorsichtig unbesorgt – Schwarzbären gibt es nicht, Alligatoren schnaufen und schmatzen nicht – werfe ich Licht auf meine Theorie und finde sie vierfach bestätigt, die Tiere schauen nur flüchtig in meine Richtung und widmen sich dann wieder dem Frühstück, das wir leichtfertig nicht ins Auto sperrten und das uns nun entweicht.

Thursday, June 15th, 2006

Panzer, quer

Der Fluss fliesst landeinwärts, die Gezeiten also arbeiten, wie auch die Sonne, gegen uns. Am Ufer zunächst Mangroven, dann Keksdosen mit Hurricanfensterverschalung, dann ausladende Anwesen; Motorboote auf erhöhten Bootsstegen und Jetskis in Paaren und Dreiergruppen. Schliesslich niedrige Vegetation. Hinter jeder Biegung vermuten wir Estero Bay und Shellmound Island, das Paddelziel, aber hinter jeder Biegung liegt nur mehr aufwärtsfliessendes, rotbraunes Brackwasser. Sonne und monotone Bewegungen erzeugen eine Trance, die Augen suchen dennoch den Grund ab, die Sonnenbrille filtert die Reflektionen und man sieht trotz Trübe und Gleissen einen Meter tief. Quer zur Fahrtrichtung schwimmt es unter dem Kanu durch, dreissig Zentimeter mag der Körperpanzer durchmessen, sechzig vom Kopf zur Schwanzspitze. Neun Meilen lang wird die Kanufahrt gewesen sein, am Ende.