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Monday, March 28th, 2011

Pina

Ich bin spät gekommen, deshalb haben alle jetzt zu große Köpfe. Sie gehen um eine Kalkgrube herum, ich nehme jedenfalls an, dass das eine Kalkgrube ist. “Toll” hat eine Dame neben mir gesagt, allerdings während des Abspanns, nicht als die Menschen mit den großen Köpfen um die Kalkgrube gingen. Obwohl das auch toll war. Zuerst hatte ich “ältere Dame” geschrieben, aber das steckt ja sozusagen schon drin in der Dame, das Alter. Auch für die Dame hatten die Tänzer alle große Köpfe, vielleicht wollte ich deshalb ihr Urteil zu meinem machen: die Gemeinschaft der Schrägvonuntengucker der ersten Reihe, Club der Zuletztgekommenen.

Die Dame setzt sich eine Pelzmütze auf, jetzt hat sie auch einen zu großen Kopf. Ich hole die Dose mit dem WD-40 unter meinem Sitz hervor. Das Plastikrohr, das das Versprühen von Ölschaum in enge Winkel erlaubt, ist mal wieder abgefallen und nicht zu sehen. Es fällt dauernd ab, ist nur mit einem Streifen Klebeband aussen an die Dose geklebt, so hab ichs gekauft, und noch nicht geschafft, mir eine bessere Befestigung auszudenken. Jetzt fällt es halt dauernd ab. “Fehlt Ihnen etwas”, fragt die Frau mit der riesigen Pelzmütze. “Ein kleiner, roter Schlauch”, sage ich, und ärgere mich sofort, weil das Wort Schlauch Biegsamkeit suggeriert, die das gesuchte Stück Plastik gar nicht hat. Wie soll sie denn ein Röhrchen finden, wenn sie einen Schlauch sucht?

“Ich sehe nichts”, sagt sie deshalb, und ich sehe aber auch nichts. “Weg ist weg”, sagt die Dame leichthin und heiter, und ich nicke, gucke aber trotzdem nochmal unter den Polstersitz, denn nochmal geguckt ist halt auch nochmal geguckt. Der Weg nach draußen ist voller Schuhe und Hosenbeine, und ohne Röhren oder Schläuche, aber vorm Kino liegt es dann zwischen nach Hause tanzenden Füßen. Ich hebe es auf und warte noch einen Moment, um der Dame mit dem großen Kopf das Ende der spannenden Geschichte vom Röhrchen zu erzählen. “Haben sies gefunden?”, fragt sie beim Rauskommen. Ich mache eine improvisierte Geste, die “ja, es lag hier” ausdrückt, sags sicherheitshalber aber auch noch, ich kann ja schließlich gar nicht tanzen. Sie lächelt. Gemeinsam haben wir ein kleines Stück Zerfall besiegt, die Bürgersdame und ich. Und gleich steigt sie jetzt in ihre Autolimousine und lässt sich von ihrem Butler nach Hause fahren, und ich gehe zu meinem Rad und radle nach Hause.

Aus dem Augenwinkel sehe ich einen Moment später wie sie und ihr Mann ihre Fahrräder aufschließen, der große Pelzkopf hüpft ein wenig, als sie aufsteigt. Mein Euphorietöpfchen kocht schlagartig über, und beim Wegrollen steige ich auf meinem Rad auf die Pedale, ich schwebe, ich fliege, strecke mich, drei Meter groß, und kichere aus dieser enormen Höhe hinab auf Asphalt und Steine und all die anderen Dinge mit Gewicht.

Friday, February 25th, 2011

hausbesuch

Sind Zähne,
nicht Sand,
im Getriebe der Welt –

mein Fussboden die Decke des, dessen
Bohrer mich rührt seit Stunden schon.
Vibrationen alten Gesteins,
(siebziger Jahre jedoch, nicht Kreide
und zahnarztgebaut)
finden Resonanz, faulige Wolken
steigen aus mürber Substanz.

Neue Füllung aus der Dose
(plus 13.5% gratis).
Dann gründlich spülen.

Wednesday, February 23rd, 2011

dead planet

always sure of life on Mars
reading into lines carved into red face
messages of friendliness and welcome
tracing them, a wavering pen,
the intelligence that made them
flooding, mimesis, through me,
gladly constructed
the capsule
that would
take me
there

and
bang
oh
how
it
flew

now, amid the sands
water’s distant memory a noise in the wind
life but shadows cast by Phobos and Deimos
slowly dry to become sand, become wind,
pondering the mistake
wondering who made it
and wondering why

wandering sands
digging fresh canals
scratching red death
fading like those
whose long abandoned craft
litter the sand
about mine

Tuesday, January 4th, 2011

Silvester 2010

1
Zwischen dem zu Eis verdichteten Schnee der Laufrinne auf dem Bürgersteig und dem Sattelschlepper liegt eine grau überpuderte Matratze aus feuchtem Schnee und Harsch, in die ich jetzt trete, um den Schaltungskasten mit Grünlandschaft zu fotografieren.

Kaum stehe ich auf, materialisiert eine mittelalter, hagerer Mann neben mir, ich habe ihn nicht kommen sehen oder hören, und fragt übergangslos: Sind Sie von hier? In einem drängenden Tonfall fragt er das, als hinge eine Entscheidung von einigem Gewicht an der Antwort, als ändere sich durch sie noch der Lauf der Dinge, blosse Stunden vor dem Ende der Zeit.

Ja, antworte ich, aber noch nicht lange, und unmittelbar ziehen Wolken der Enttäuschung über sein gespanntes Gesicht. Warum fotografieren Sie das? fragt er noch, aber er hat die Hoffnung schon aufgegeben, das ist zu hören, Hoffnung worauf auch immer. Ich mag den Kontrast zwischen dem Schnee und dem schwarzweissen Winter und der blühenden Landschaft auf dem Stromkasten, antworte ich, und höre, wie ein Relais umspringt im Innern des Hageren, ein metallischer Schnappton.

Die Kästen, erzählt er mir, seien im Rahmen eines Schulprojektes bemalt worden, stadtweit, aber niemand sehe die Kunstwerke, beachte sie, und schlimmer noch, Plakatierer schändeten die Kästen und die aufgemalten Werke mit Kleister und Papier. Er habe nun gehofft, dass endlich die Zeitung sich der Sache annehme und ein öffentlicher Aufschrei durch die Lande gehe. Er seufzt. Dann, abrupt, dreht er sich weg, geht schnell davon auf dem Laufeis, als habe er eine Grenze verletzt und fürchte die Folgen. Guten Rutsch, rufe ich ihm nach, er dreht sich halb zurück, murmelt Unverständliches und ist wieder verschwunden.

2
Die Strassen sind beinah leer, selbst das Eis sublimiert oder getaut. Vereinzelt fahren Autos, aber zu Fuss unterwegs scheint ausser mir niemand, nur die gefrorenen Fussspuren zeugen von der Existenz der Menschen. Ich versuche, hinter die dunklen Fensterscheiben zu sehen, ob Vorbereitungen laufen für einen Partybesuch, ob auch andere sich für den Einzelkampf im Raketenkrieg rüsten, aber nichts regt sich im Schwarz hinter den Gardinen. Bei Lidl keine Raketen mehr, dafür eben Prosecco. Warum ich Prosecco kaufe? Weil ich gern, ach, weiss auch nicht.

3
Kurz vor Mitternacht trete ich doch noch hinaus auf die schneefreie Dachpappe, die Vorbotin unangekündigten Rausgeklingeltwerdens im neuen Jahr: Dachdeckerschweine. Rundum eine Nebelwand, vereinzelte Lichtblitze flackern, aber still ist es nicht hier im Auge der Wolke – Wolken haben überall da Augen, wo jemand steht und die Wolke wahrnimmt: verkehrte Welt des Wasserdampfs – still ist es nicht, sondern es knallt entfernt von allen Seiten, im ungefähren Takt der flackernden Lichthöfe. Ohne schöne Bälle und Flammenregen ist das Geräusch aber trist, die entfärbte Freude der Anderen. Ich gehe zurück in die Wärme, zur Katze, die sich vor der Lautstärke der Tristesse unterm Tisch versteckt. Das täte ich auch gerne, aber für mich ist kein Platz mehr, nur für meine Hand noch. Besser als nichts.

Wednesday, September 15th, 2010

Nach Hause

1 Union City
Das Lächeln war ein Duchenne-Lächeln, der Orbicularis Oculi im Co-Kontrakt, aber dennoch rann es wie Sand durch die Engstelle in meinem Hals und auf einen kompakten Haufen in meiner Magengrube, kaum dass sich die Aufzugstüre geschlossen hatte: nichts dauert. Mein letzter Besuch beim Spezialisten war das, Händedruck, freundliche Sprechstundenhilfen, alles Gute in germany, should be an adventure, Neugier in den blanken Augen. Ihr Wohlwollen erinnerte mich an das der Cafeteriaangestellen im Krankenhaus in Münster, wo ich, grade übernächtigt aus dem Flugzeug gefallen, mir das vergessene Rasierzeug ersetzte. Hoffentlich können Sie bald wieder nach Hause, hatte die damals, meinen Einkauf missverstehend, gesagt, und mich kurz aus meinem Tran geworfen damit. Hmja, danke. Nach Hause.
Bei ihr gekauft hatte ich statt Rasierschaum ein Deospray, der Wegwerfrasierer auf der Institutstoilette später kratzte unangenehm, dafür roch ich gut.

Vor dem verabschiedenden Händedruck stand eine ratlose Diagnose, chronisches Nierenversagen, Ursache unbekannt, und Ausdrucke der Testergebnisse, Konzentrationen. Von hier oben aus sieht man die Hochhäuser von Manhattan wo sich durch die Querstrassen der Blick eröffnet, ich rolle aber ungebremst den Berg hinab, schnaufender Elefant auf meinem Dreirad, schliesse sekundenlang die Augen und spüre den warmen Wind dunkel im Gesicht. Die Dunkelheit ist in Bewegung, Schwarz wirbelt um Schwarz. In der Helligkeit, in die ich nach diesem eitlen Flirt mit dem Dunkel zurückkehre, sieht alles aus wie zuvor. Trotz des Fahrtwindes klebt mir das Hemd feucht im Rücken und Salz rinnt in die Augen. Der Schmerz in der Seite kommt und geht. Vom Körper verraten und verschwitzt. Dumme Sau, Körper.

2 Newark
Vor dem Zaun eines Parkplatzes, an einer Strassenkreuzung, stand vor zwei Wochen noch am Boden ein Aquarium, ein kleines, das nur zehn Gallonen fasst. Darin einige Zentimeter Sand und Nippes, kleine Plastikfiguren, ein winziges Surfbrett, ein Cocktailglas. Am Zaun über dem Aquarium hängt ein wetterfestes Plakat, auf Kunststoff gedruckt, auf dem eine Reihe von Fotos das Strandleben eines jungen Mannes zeigen, Anfang zwanzig, braun gebrannt, ein breites Lächeln im hoffnungsvollen Männchengesicht, Duchenne oder nicht ist schwer zu sagen bei der Auflösung. Über die Todesursache ist nichts zu lesen, Krankheit oder Unfall, aber der junge Mann, der aussieht wie der Feind, dem nicht das Hemd am Rücken klebte beim Surfen, oder wenn, dann sah es gut aus, dieser junge Mann ist tot, und das Aquarium ist ein Altar, den Freunde und Familie ihm hier aufgestellt haben an der räudigen Kreuzung. Wider Willen rührt mich dieses Schicksal, und ich schäme mich für den Neid auf einen, der doch schon tot ist.

Zwei Wochen später steht das Aquarium noch immer unter dem Plakat, die Scheiben zersprungen, der Sand bis auf einen kleinen Rest heraus gewaschen, die Figuren zerstreut, das Cocktailglas zerbrochen.

So it goes.

3 Jersey City
Im Wasser schwimmt unbesehen ein Wels.
Seit Monaten schwimmt er da, alle paar Tage werfe ich mit schlechtem Gewissen Futter dazu, und offenbar ist ihm das genug, dem Fisch ist jedenfalls kein Unwohlsein anzumerken. Das Aquarium hatte ich einst betrieben, um eine Leerstelle zu füllen und hatte es beschrieben, um die Leerstelle zu umschreiben. Die Leerstelle hat nun gewonnen, und das Becken ist verwahrlost und unbesungen. Die Leuchtröhren seit Monaten defekt, der Filterimpeller schlägt in hoher Frequenz gegen den Kunststoff des Gehäuses, rasselnder Maschinenatem eines Fischreichs im Koma.

Um das Becken herum stapeln sich die Fragmente zerfallenden Lebens, die Sedimente von zehn Jahren, nicht mit Pinseln und kleinen Meisseln abgebaut, sondern los gesprengt und in rostigen Loren zur Schmelzgrube verbracht. Der Staub, der sich auf die Schnittkante der Alben gesetzt hat steigt in Wolken auf nur weil ich in seine Richtung atme, und ist schon nicht mehr zu sehen. Ein Kasten voller Mineralienproben, nicht geöffnet seit dem letzten Umzug aus Berkeley, eine selbst gebaute Blumenpresse, Utensilien der Kleinbürger-Hochstapelei, und immer wieder Bücher, alt gewordene Gedanken, die mir plötzlich wie Schuppen aus dem Kopf fallen. Wenig wird bleiben, und dieser ist doch nur der kleine Bruder, ein Erwachen in Westfalen, ein Augenreiben, die Skyline von New York das verblassende Fantasma einer langen Dämmerung.

Hoffentlich kann ich bald nach Hause. Doof hier.

Tuesday, September 7th, 2010

Fanboy

He is one of the Clueless, an ancient family of mysteriously inept entities that think they rule the multiverse. When his sister Futility goes missing during her summer project to square the circles of hell, the distraught Fanboy assembles an imaginary team of his greatest heroes, and leads this Fellowship on the quest to try and save Futility from, like, whatever.

Fanboy starts the quest in a bar, planning to make friends and thus collect information about Futility. Things seem to be going comparatively well, until Fanboy’s younger twin brothers Fart and Fondle show up unexpectedly, and the evening quickly deteriorates.

The following morning, when Fanboy wakes up in an unfamiliar apartment clearly belonging to a female, he knows he really is in trouble. Then strange noises are coming from the kitchen.

And so it begins.

Dass ich dem Argument des Cartesius, so weit ich es verstehe – dass das Gedachtwerden des Vorgangs eines Zweifels unbestreitbar ein denkendes Ich voraussetzt, und also an der Existenz dieses Ich nicht zu zweifeln sei – selbst zweifelnd gegenüberstehe, habe ich ja schon mal geschrieben. Ich sehe keinen unbezweifelbaren Grund, aus dem ein System, das “Ich denke” denken kann, auch ein Ich enthalten muss, das den gesamten epistemologischen Reichtum repräsentiert, der mit dem Ich verbunden wird. Kann sein, dass es so ist, kann auch sein, dass ein Zombie “ich denke” denken könnte, aber jedenfalls ist es nicht unbezweifelbar und eignet sich also nicht als Fundament eines Welt- oder Geistgebäudes.

Unbezweifelbar ist aber doch die Existenz des Zweifels selbst. Denn wenn ich bezweifle, dass es den Zweifel gibt, dann bestätige ich ja grade damit seine Existenz. Das klingt jetzt wie ein billiges Wortspiel oder Paradoxon, mir ist es aber ernst.

Der Vorgang des Zweifelns beinhaltet die Existenz einer Alternative: um zu zweifeln muss ein Subjekt der Ansicht sein, eine Reihe von Sinnesdaten habe eine bestimmte Erklärung, aber zugleich gewahr sein, dass auch eine andere Erklärung zutreffen könne. Was mit anderen Worten nicht bezweifelt werden kann, ist, dass mentales Erleben eine metaphysisch nicht fundierbare Konstruktion ist, deren jedes Element immer auch seine mögliche Negation enthält. Jeder mentale Inhalt ist, was er ist, indem er auf das verweist, was er nicht ist.

Ich zweifle, also bin ich. Vielleicht.

Monday, August 9th, 2010

tante suhrkamp lässt erzählen

“Aus der Sicht des Gehirns”, Gerhard Roth, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, S. 40ff.:

So haben wir bis zu einer Distanz von ca. 6 Metern ein direktes räumliches (stereoskopisches) Sehen, also eine echte Dreidimensionalität. […] Die stereoskopische Tiefenwahrnehmung ist sehr präzise, und deshalb können wir mit ruhiger Hand fast auf den Millimeter genau nach nahe gelegenen Gegenständen greifen. Das hochpräzise räumliche Sehen ist aber auf den Nahraum beschränkt, was natürlich Sinn macht. Mit zunehmender Entfernung wird die Disparität der beiden retinalen Bilder immer kleiner, und ganz andere Hilfsmittel zur Entfernungsschätzung kommen zum Einsatz, die auch mit einem Auge funktionieren. […] Eines dieser Hilfsmittel heisst Bewegungsparallaxe und nutzt die Tatsache aus, dass bei seitlichen Kopfbewegungen nahe Gegenstände sich stärker bewegen als etwas entferntere, und sich jene vor diesen hin und her zu bewegen scheinen.

Sehen wir mal davon ab, dass hier ein Wissenschaftler Stammeldeutsch schreibt – “was natürlich Sinn macht”, Lektor hin, Kommunikationswille her – dann bleiben immer noch die faktischen Gurken in diesem Kopfsalat: Disparitätswinkel nehmen mit der Entfernung ab, soweit schon richtig, aber das bedeutet nur, dass in grösserer Entfernung grössere Abstandsunterschiede nötig sind, um denselben qualitativen Tiefeneindruck zu gewinnen. Wer schon mal im Wald gestanden hat, weiss, dass binokulares Tiefensehen durchaus nicht auf die nächstgelegenen sechs Meter beschränkt ist; es sei denn, er war vor lauter Bäumen zu abgelenkt, genauer hinzugucken.

Die von Roth zur Behebung des von ihm erfundenen 3D-Notstands dann ins Feld geführte Bewegungsparallaxe ist drolligerweise geometrisch mit Disparitäten vollständig identisch: Ob ich mein Auge sechs Zentimeter seitwärts verschiebe oder mir stattdessen dort einfach ein zweites wachsen lasse, perspektivisch ist das ein und dasselbe.

Und “echte Dreidimensionalität”: auch Quatsch. Selbst mit fünf Augen sähe man nicht hinter die Dinge, und wäre also noch immer von einer einzelnen visuellen Oberfläche unterschiedlichen Abstands umgeben. Und in den Ausnahmefällen, in denen man zwei Dinge hintereinander sehen könnte, im Fall schmaler Objekte etwa, oder bei transparenten Folien, sorgt die Disparitätsgradientenschwelle meist dafür, dass nicht beide gleichzeitig voll sichtbar sein können. Halten Sie doch mal zwei Finger hintereinander, einen nahe, einen weiter weg. Ist der Abstandsunterschied gross genug, sieht zwar jedes Auge beide Finger, aber binokular oder “echt dreidimensional” sieht man nur den, den man direkt ansieht. Der andere Finger wird doppelt gesehen, sein Abstand ist unsicher. David Marr nannte das visuelle Ergebnis deshalb den “two-and-a-half-D sketch”. Zweieinhalb-D, Herr Roth, “echt”.

Ich freu mich schon aufs vollständig überarbeitete Kapitel zum freien Willen. Das wird bestimmt toll.

Saturday, August 7th, 2010

life in the folding lane

“Nice ride”, ruft einer der Jungs in weissen T-Shirts von gegenüber als ich den Lenker verschraube. Vier sinds, und aus dieser Entfernung sind sie nicht zu unterscheiden, which is the point, no doubt, you feel me? Ich steige auf, 40 Minuten zu spät für meinen Termin, “how fast does it go” ruft jetzt ein anderer, im Wegradeln drehe ich mich um, “going fast enough” und biege um die Ecke. White boy on the run, that’s me.

Saturday, August 7th, 2010

Cheap Dreams

Inception blatantly invites comparisons. The zero-g simulation and the center room of the dream heist evoke the mystery of 2001, the cityscape of Limbo wants to look like Brazil, and the gimmicky plot screams “this is what Matrix 2 and 3 should have been like”. Failed ambition.

If I were in want of stunning visuals lacking in emotional and logical depth, Avatar would be a much better fit than this and do the job much more nicely and honestly, without leaving the tinny taste of being taken for a sucker in the mouth. For all its technical glory, Inception makes almost no sense as story or metaphor, and it’s sad to imagine the movie this could have been, in the hands of a writer/director taking the mind seriously. Diving down into somebodies subconscious ought to be unsettling and intense, but instead there is just stuff being blown up and secret agents shooting blanks: mind as submachine gun. Yawn.

Additionally, the only way Inception can keep you from falling through the cracks in the plot is by keeping everything in frenzied motion. But once the action stops, everything crumbles. The crumbling is pretty to look at, no doubt, but what remains in the end is still only technorubble.