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(Quellen stehen unterm Text)

“Forscher warnen vor hohen Emissionen: Salat umweltschädlicher als Bacon. Sind Vegetarier schuld am Klimawandel?” (1) titelt der Focus gewohnt subtil und sachlich. Er übersetzt damit, wie im Online-Journalismus ja leider sehr verbreitet, einfach einen Post auf Science Daily (“Vegetarian and Healthy diets could be more harmful to the environment, experts say” (2)) ins etwas schlichter Tendenziöse und annähernd Deutsche. Dazu Stock-Footage von Leuten montiert, die in Salaten stochern und eine Leierstimme, die es vorliest, fertig ist das Premiumcontent Wissenschaftsvideo. Die Botschaft klingt nicht gut, sondern eher, als müssten selbst die irren Vegetarier sich jetzt mal ein paar Steaks grillen, wenn der Eisberg gerettet und Greta Thunberg nicht weinen soll.

Grundlage der Meldung, die waffenfähigen Schurkengemüse Sellerie, Aubergine und Gurkei seien schlechter fürs Klima als Schweinespeck ist natürlich, wie immer, eine wissenschaftliche Studie. Sie hat den erwartbar sperrigen Titel “Energy use, blue water footprint, and greenhouse gas emissions for current food consumption patterns and dietary recommendations in the US” (3). Das „in the US“ behalten wir direkt mal im Hinterkopf, könnte wichtig werden.

Der Aufsatz beschäftigt sich mit Lösungen für das in den USA weit verbreitete Problem der Fehlernährung, genauer mit zwei Empfehlungen der US-Amerikanischen Gesellschaft für Ernährung, nämlich die Kalorienzufuhr insgesamt zu reduzieren, und auf gesünderes Essen umzusteigen. Die Studie schaut sich nun schlicht an, wie das Anwenden je einer dieser Empfehlungen oder beider zusammen sich auf die Umweltfolgen auswirkt.

Überraschendes Ergebnis: nur bei Reduzierung der Kalorienmenge sinken Wasser- und Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen. In den anderen beiden Fällen (gleiche Kalorienmenge, aber gesünder, oder weniger Kalorien und gesünder) werden durch die Änderung mehr Ressourcen verbraucht. Dieser Anstieg ist die Grundlage der Focus-Meldung, Salat sei schlimmer für die Umwelt als Speck. Kurioses Ergebnis, denkt man nun vielleicht und hat womöglich sogar milde Zweifel.

Im Artikel selbst weisen die Autoren darauf hin, dass es eine entsprechende Studie auch für Deutschland gibt, Titel „Environmental Impacts of Dietary Recommendations and Dietary Styles: Germany As an Example” (4). Ergebnis? Das glatte Gegenteil der amerikanischen Studie. Hält man sich an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, geht die Belastung für die Umwelt bei der Herstellung des Essens zurück. Na sowas. Wie kommts denn wohl zu diesem Unterschied, lieber Focus? Wisst Ihr nicht? Lasst es Euch erklären.

Steht sogar in der Studie, die ihr da zitiert. Deren Autoren führen es einerseits auf das andere Profil der deutschen Ernährungsempfehlungen zurück, die weniger Milchprodukte und Fisch und mehr Nüsse vorschreiben, andererseits darauf, dass die Produktion von Früchten und Gemüse in den USA überwiegend in Kalifornien passiert. Und Kalifornien eignet sich für die Landwirtschaft ohne immensen Energie- und Bewässerungsaufwand halt leider gar nicht. Die blühenden Gärten dort wären ohne diesen Aufwand Wüsten. Ja aber, haben die USA denn nicht auch Gegenden, in denen man Gemüße ohne großen Aufwand anbauen könnte? Haben sie. Was aber bauen sie dort an? Futtermittel für die Fleischindustrie, zum Beispiel im großen Maßstab Soja und Mais. Ziemlich fairer Vergleich, so insgesamt.

Also: eine Umstellung auf die jeweils empfohlene gesündere Ernährung reduziert in Deutschland die Umweltkosten dieser Ernährung, in den USA erhöht sie diese Kosten. Die Gründe liegen in der erstaunlich unterschiedlichen Auffassung davon, was eine gesunde Ernährung eigentlich ist, und darin, dass es große regionale Unterschiede in der Landwirtschaft gibt. Um Vegetarier oder Veganer geht es übrigens in keiner der beiden Studien, alle betrachteten Ernährungsempfehlungen enthalten Fisch, Fleisch und Milchprodukte. Am Ende der Studie erwähnen die Autoren allerdings noch, dass etliche Studien belegt haben, dass eine vegetarische Lebensweise besser für die Umwelt ist, aber Schwamm drüber.

Denn all das wirft für den Focus halt zwangsläufig die Frage auf: „sind Vegetarier schuld am Klimawandel?“ Und bei allen anderen: „Ist der Focus schuld an der Propaganda oder einfach nur doof?“

Echt schwer zu sagen.

(1) Focus: “Salat umweltschädlicher als Bacon”: Sind Vegetarier schuld am Klimawandel?
(2) Science Daily: Vegetarian and ‘healthy’ diets could be more harmful to the environment, researchers say
(3) Tom, M.S., Fischbeck, P.S. & Hendrickson, C.T.: Energy use, blue water footprint, and greenhouse gas emissions for current food consumption patterns and dietary recommendations in the US. Environ Syst Decis (2016) 36: 92
(4) Toni Meier and Olaf Christen: Environmental Impacts of Dietary Recommendations and Dietary Styles: Germany As an Example. Environmental Science & Technology 2013 47 (2), 877-888

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