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Der Mensch sehnt sich nach Einmaligkeit, und sogar dieses Sehnen selber ist einmalig im Tierreich. Ebenso wie die Gehirnleistung, diese Rekursivität zu erkennen und sie dann in ein Blog zu schreiben. Die Liste der historisch vorgeschlagenen Einmaligkeiten ist lang, das Niesen stand vielleicht auch mal drauf früher – der Mensch, das einzige Tier, dem der Schneuzgott die Niesfähigkeit gab – gehört aber da gar nicht hin, weil: Katzen, Niesen, kein Problem. Die menschliche Empörung allerdings, wenn das Katzenniesen direkt vor, oder eigentlich quasi in der menschlichen Nase passiert: womöglich einmalig. Das Tier an sich tritt fremdem Schleim in der Regel eher unemporen entgegen.

Auch einmalig menschlich ist die Fähigkeit, sich was in den Kalender zu schreiben, wozu man eigentlich überhaupt keine Lust hat; oder Böcke, wie wir Menschen manchmal sagen. Zum Beispiel, naheliegend, zugegeben, aber man kann es sich ja nicht aussuchen, einen Zahnarzttermin. Wenn dem Bären die Zähne schmerzen, beisst er vielleicht ins Gras, weil er bei Zahnweh einen auf irgendwelchen Grasdrogen basierenden Grasbeissinstinkt hat, aber er setzt sich ganz sicher nicht zum Scheissen in den Wald und ruft von da seinen Zahnarzt an. Bären hassen Zahnärzte.

Menschen natürlich auch, aber trotzdem rufen sie an und gehen dann hin, eine ganz erstaunliche Trennung von unmittelbarem Wohlergehen und seltsamen abstrakten Theorien. Wenn ich mich zwei Stunden lang quälen lasse, dann wird es mir in einem halben Jahr besser gehen als ohne Quälerei, denke ich und setze mich in ein Wartezimmer voller Unterschicht. Derartiges zu denken ist auch eine einmalige Fähigkeit, und zwar genauer gesagt: eine einmalig bescheuerte. Das ahnt man, wenn man aus dem Unterschichtgewimmel in den zerknitterten Behandlungsraum gerufen wird. Diese Ahnung verdichtet sich, wenn der Arzt ohne Vorwarnung mit einer riesigen Spritze mehrmals so tief unter die Zunge sticht, dass man sie hinten am Hals wieder austreten spürt, mit einem funkelnden Lidocaintropfen dran. Ein inneres Auge, die imaginierten Schrecken zu zählen, auch das vielleicht einmalig. Dank dir fein, Schöpfung.

Und man weiss es aber ganz sicher, nachdem der Arzt einen Eisenring über einen Zahn gezogen und den Mund mit einem Gummituch zugezeltet hat, und Panik aus dem Menschenmagen aufsteigt, und zwar nicht übertragen oder metaphorisch, sondern so richtig. Herzrasen, Hirnschummer, Adrenalin, alles da. Are you all right, fragt der Arzt, aber mehr als ein Brummen ist zur Antwort nicht drin, wegen Gummizelt im Maul. Patient brummt, Herzerl gsund, denkt der Arzt. Und bohrt. Fünfundvierzig Minuten lang.

Und ein paar Stunden später hat man dann natürlich schon wieder alles vergessen und lutscht zur Belohnung am Zucker. Grad als wie die Tiere.

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