Die heftige pH-Drift, so reime ich mir zusammen, liegt einerseits an der Ungepuffertheit unseres Leitungswassers, andererseits aber vor allem an der mangelnden Bakterienbesatzung der Wasserzone. Beidem abzuhelfen wackle ich guten Mutes zum Fisch-Fascho, denn schon sind die sieben Fische ja respektable sieben Tage alt, und also über den Sechstageberg oder Sechstagekrieg, und es ist keineswegs mehr eine Krise, sondern fischbewahrender Alltagstrott der mich jetzt zum Fachmann führt. Ein warmer Kokon aus Fischväterlichkeit umwölkt mich.
Kies ist schnell gekauft, mit puffernden Kalkbrocken drin. Pflanzen müssen nun her. Denn auf den Pflanzen seinen Wurzeln ihren Windungen wohnt Nitronella, im Geäst aber haust Nitrierchen und aus dem Äpfeln oder Beeren kann man lecker Suppe kochen, oder Kompottbrei. Verzeihung, ich besitze ein Fieber, von der Erkältung her, und weiss nicht ganz, wie mir ist. So ungefähr wird es aber schon hinkommen. Her jetzt mit dem Gewächs.
Ein Watt pro Gallone murmelt bedrohlich der karibische Fisch-Fascho-Assistent und wiegt das dreadlockige Haupt. Da gedeiht nicht viel, in einem Watt pro Gallone.
Ob er mich wohl richtig verstanden hat? Ich habe doch weder eine Gezeitenzone noch ein dekoratives Schiff in meinem Dings, Aquarium. Aber er ramentert schon weiter, zerrt hier ein Unkraut aus einer Kerbe, murmelt Unverständliches, zupft da ein Bündel Spinat aus dem Kies und schwenkt es bedenklich, wirft schliesslich noch eine grüne Wollmaus auf den Gemüsehaufen drauf („I’ll give you one of these for $2“, es ist schwindelerregend), steckt das ganze in einen Gefrierbeutel, und schickt mich fort.
Zuhause überlege ich kühn, dass eventuell vorstellig gewordene Nitriergeschöpfe ja längst im Altkies wohnen könnten, und mische also Altkies und Neukies ein wenig, lege also ein gehöriges Mischkiesparkett aus im Wohbecken, und versenke nun die Pflanzen drin. Oder vielmehr versuche es. Das ist gar nicht leicht, weil Wasserpflanzen absurderweise Auftrieb haben, weiss der Kuckuck, was das nun wieder soll. Überall gucken Wurzeln aus dem Kies und streben lampenwärts. Zudem umschwimmen Fische ratlos meine Finger, man wird nervös. Beissen Barben?
Vielleicht ist es ja grade diese Umkehrung der Verhältnisse, die luftwärts strebenden Wurzeln, die Wasserartigkeit der „Luft“ im Aquarium selbst, die in dieser „Luft“ fliegenden Vögel mit Flossen, dieser Zerrspiegel unserer eigenen Existenz, der uns das Aquarium so teuer macht. Wahrscheinlich sind es aber eher die 20 Dollar für ein schäbiges Gewächs, das man dann noch nichtmal richtig eingegraben bekommt, weil es lieber schwimmt als pflanzt.
Am Ende ist aber alles, wo es soll, ein Garten der Lüste. Säure im blauen Bereich.