Die Straßenbahn hält. Vor uns an der Haltestelle stehen zahllose Menschen auf dem Rückweg vom Jazz-Straßenfestival, vorne einzusteigen ist undenkbar, eh die Schlange weg ist, ist die Bahn voll. Wir steigen also hinten ein, nehmen uns vor, zu bezahlen, wenn die Bahn leerer ist, wir sind ja ehrliche Häute. Eingezwängt stehen wir da, eine kleine Mexikanerin wankt, schubst uns mehrfach. “How do you like Toronto?”
Sehr betrunken ist sie, erstaunlich, denn auf den ganzen 3 Kilometern Jazzfestival gab es sehr wenige Kneipen, und die kleine umzäunte Trinkarena lag dunkel und verlassen im Park. Der Ontarier trinkt nur nachmittags. Die Mexikanerin aber ist blau, Deutsche, lallt sie, sie habe einen Deutschen gekannt, der habe ihr was beigebracht, “Ich liebe Dich”. Klare Aussprache, Respekt.
Einem Impuls folgend läßt sie einen Korkenzieher nach hinten durchgeben, zu ihrem Begleiter, der in der Hand eine braune Papiertüte hält, und zu dem sie geht, als die Bahn sich langsam leert.
Kurz vor unserer Haltestelle stehen beide auf, an uns vorbei, sie stockt kurz, schwankt, und erbricht sich auf den Boden. Als die Tür sich öffnet, geht er eilig hinaus, sie hat sich noch einmal gegen die Wand des Wagens erbrochen, und läuft davon, schwankt über die Straße, ihr Begleiter ist nicht mehr zu sehen, als auch wir aussteigen.
Something to say?