Mehrfach wurde es betont, deutlich ausgesprochen und markig mit den Armen gewedelt dazu, denn einen Chor aus hundert lauten Akademikern überzeugt nicht leicht, wer ein dünnes Stimmchen und eine schmächtige Figur hat. Mich jedoch, den Sänger mit dem ritterlich für die Schwachen und Benachteiligten schlagenden Rinderherzen, erreicht die Botschaft sofort: dress rehearsal ist am Freitag vor dem Konzert, schwarze Hose, weißes Hemd, Krawatte gilt es zu bedenken. Kommt alle!
Weder weißes Hemd noch Krawatte freilich zieren den Schrank eines echten Rinds, und so kommt es, daß ich zwei Stunden vorm Genralmanöver, weit vom Saal entfernt, ein Päckchen in Empfang nehme, müde bin ich, aber was da drin ist, weiß ich gleich: ein Hemd ist drin, und zwo Krawatten.
Zwei Stunden später weiß ich nicht nur, was im Päckchen drin, sondern auch wo das Päckchen selbst ist: just nämlich wo ich es in Empfang nahm, müde und zerstreut hinlegte und liegenließ. Zerknirscht binde ich die Ersazkrawatte vors grüne Jeanshemd, sehe mich als grellen Farbklecks in indignierter Sängermeute, grünes Hemd, roter Kopf und schief gebundner Binder, die dicke Dirigentin zeigt mit dem Finger, alle lachen. Da lassen mich meine Hosenträger im Stich, das Beinkleid sinkt, und ich stehe da, in rot gepunkteten Gummiunterhosen, prall gefüllten obendrein, weil Peinlichkeiten die sexuellen Stromkreise in meinem Zwischenhirn auf Kurzschluß polen. Wir Wissenschaftler nennen dergleichen eine positive Rückkopplung.
So male ich mir den Verlauf des Abends in bunten Farben aus, betrete den Singsaal, und bin der einzige mit Binder weit und breit. Und hier im Saal sowieso. Kein weißes Hemd. Dress rehearsal, so erfahre ich, ist nur so eine Redensart. Und auf kleine Menschen, die wedeln und Unsinn reden, achtet in diesem schönen Land kein Mensch. Da hätte ich mir die Gummihose auch sparen können.
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