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Science



Sunday, May 1st, 2005

Gifthauch

a building's bad breath II

Vor ein paar Tagen endlich den Vorzeichenfehler gefunden, der mir den Horopter verbog. Mit einem Plastikball hantierten wir, drehten ihn ratlos in Händen, denn die Linien seines billigen Designs widersprachen der Ausgabe einer aufwendigen Simulation, und gegen eine Plastikball haben Matlab und Megahertz keine Chance. Aber kaum ist das Vorzeichen korrigiert, sind Ball und Gerät sich einig. Hurra.

Vorgestern dann finde ich einen Sinus statt eines Kosinus und drehe dem Kopf in der Maschine die Augen ins Geviert. Und so zurechtgerückt lösen sich die Ergebnisse unserer Studie, vor einem Jahr auf einer Konferenz vorgestellt, in wildgezackten Flächen auf. Ein schönes Ergebnis welkt vor meinen Augen und wird Staub.

Ich suche den dritten Fehler, der die Balance wiederherstellt.

Thursday, April 28th, 2005

infected minds

portrait

Richard Dawkins argues that religion is like biological and digital viruses, spreading from mind to mind, epidemically. Unlike science, which Dawkins likens to nonviral software, religion spreads not because people willfully accept its ideas, but because these ideas carry a “Copy Me!” command.

While I like his description of the spread of ideas as an epidemic, and the notion that complexes of ideas, just like complexes of genes, will tend to spread together if they favour each other, I think the fundamental thrust of his argument, which tries to taint religion by likening it to disease, is flawed.

As he readily admits, the phenomenology of the spread of scientific ideas is indistinguishable from that of any other belief system. The difference, Dawkin’s argues, is that science adheres to empirical testing, while religion does not. But that alone establishes a perfect symmetry, where the zealot could triumphantly cry “exactly! and that’s why religion is superior. Quia absurdum!”

The problem with religion is not that it’s an attractive set of mutually enforcing beliefs that spreads through populations of minds – that’s true for science, as well. It’s that these beliefs claim jurisdiction over empirical matters, when at their very core is a disdain for empirical process.

In short, not the viral form of religion, but its content, is what should bring us in opposition. Its virulence just makes it a more formidable and frustrating enemy.

Monday, March 25th, 2002

Unser Ansatz

Die Zeichen tanzen über den Bildschirm und formen Muster, gestern erst haben ähnliche Muster Peter Jackson die Oscars abgejagt vor aller Augen. Traurig saß er da, während der verrückte Mathematiker dem verrückten Zauberer die Schau stahl.
Meine Muster hier ordnen sich allmählich, jetzt sehe ich: die Koordinaten werden in beiden Hälften des Stereogrammes gleich geändert, es gibt keine Disparität. Ein Vorzeichenfehler frißt während ich zusehe die Ergebnisse der letzten Wochen, Monate. Ich denke an die Freunde in Europa, das Loch im Konto, daran, daß wir im Moment nicht verstehen, was die Daten besagen, nicht mehr sicher sind, daß unser Ansatz überhaupt taugt. Und hole mir erst mal ein Getränk.

Tuesday, April 11th, 2000

Die Nacht

Es ist die Nacht vor dem Vortrag, und im ganzen Gebäude bewegt sich vermutlich nichts mehr, außer meiner Maus. Die hilflos über die schlecht vorbereiten Powerpointfolien huscht, und hauptsächlich löscht. Mit jedem krächzend begonnenen Probelauf – die Stimme versagt – wird es weniger Inhalt, mit jedem Blick in die Bücher verstehe ich weniger, was den Menschen zwickt und zwackt, wenn er in die Berge steigt. Dabei muß ich das doch eine Stunde lang erklären. Vor den Fenstern dämmert der Morgen, als ich die inhaltliche Arbeit aufgebe und mich stattdessen daranmache, das Laptop vorzubereiten, mit dem ich den Vortrag projizieren will. Ich staune, als ich feststelle, daß Powerpoint nicht installiert ist, ich stöhne, als ich entdecke, daß auch keine CD vorhanden ist. Zum Glück hab ich selber eine. Ich starte die Installation. Der Sessel ist bequem, ich lehne mich zurück und bin sofort eingeschlafen. Fünf Minuten und eine Ewigkeit später ist die Installation mit einem Piepen abgebrochen. Die CD ist nicht lesbar. Eine Stunde später schleppe ich meinen PC in den Seminarraum, und mein Schwein aus dem Aloebusch starrt aus dem Bildschirmhintergrund und also auch von der Leinwand auf das wartende Publikum. Das sich nichts anmerken läßt.

Tuesday, March 21st, 2000

Tanz, Kreis, tanz

Die Kreise tanzen. Auf den beiden Spiegeln, links groß und bleich das Rechteck eines leeren Monitors, rechts in einiger Entfernung ein weiterer bleicher Monitor. Mit einem Apfelpiepen blinkt ein Kreis auf, fast nicht zu sehen, grau auf grau. Ein weiteres Apfelpiepen begleitet einen weiteren Kreis, möglicherweise noch schlechter sichtbar. Einer der beiden, soviel ist sicher, war kein Kreis, sondern ein abnormes Zerrbild, Spottgeburt, am armen Radius sinusmoduliert bis zur abstoßenden Eckigkeit. Aber andererseits nicht genug, um erkennbar zu sein. Undercoverquadrat. Mir schwirrt der Kopf, der Finger ruht über der Ziffer eins. Oder war doch der zweite der Freak? Lichter tanzen vor meinen Augen, es ist fast fünf. Bin ich wirklich seit 10 Uhr mit Kreisgucken beschäftigt? Oder gab es eine Mittagspause und Essen? Das wievielte Kreispaar ist das? Das fünfhundertste? Nein, eher das tausendvierhundertste, das letzte, der Finger immer noch über der eins, senkt sich, eins ist raus. Jeden Tag gehen merkwürdige Dinge vor, überall. Millionen von Menschen und ihre Kreise, sie alle tanzen vor meinen Augen, kaum sichtbar.

Friday, March 10th, 2000

Naivité, Egalité

Wenn man die euklidische Ebene durch den Mittelpunkt einer daraufliegenden Kugel auf deren Oberfläche projiziert, dann entspricht einem Punkt ein Paar von Punkten. Dann entspricht einer Linie ein Großkreis. Und der Line im Unendlichen entspricht der Äquator dieser Kugel, ein Großkreis wie alle anderen also. Ordnet man nun aber jedem Punkt stattdessen den Großkreis zu, der zwischen den beiden Bildpunkten verläft, und jeder Linie das Paar von Punkten, das am weitesten vom Großkreis entfernt ist, und projiziert dann zurück, so erhält man, was Hofstadter eukliduale Geometrie nennt. Weil es das duale Bild der euklidischen ist. Sagt er. Und weil das alles so kompliziert und er bei diesem fünften Vortrag in Toronto schon recht müde ist, verliert er den Faden gleich ein paarmal. Euklidisch können zwei Punkte auf derselben Seite einer Linie oder auf verschiedenen liegen. Euklidual also müssen zwei Linien auf derselben oder verschiedenen Seiten eines Punktes liegen können. Beim Versuch, das zu verstehen, springt das Publikum dem Vortragenden helfend bei.
Das merkwürdige Ende: ein Zuhörer erwähnt, daß was Hofstadter als seine Entdeckung vorführte, spezialisierten Mathematikern bekannt ist seit langem. Wann ist es sinnvoll, ein Laie zu sein? Welche Fragen stellt man besser naiv? Vielleicht genau diese beiden, aber was ist die Antwort?

Wednesday, February 23rd, 2000

Die Rettung des Filzhuts

Der Schreck fährt unserem tapferen Programmierer eisig in alle Glieder, als er sieht, daß die stundenlang am Vortag ermessenen Augenbewegungsdaten aussehen wie der reine Zufallsmüll. Noch erwägt er – es wäre ja der siebte gescheiterte Versuchsversuch – das fotogene Zerbeißen eines Filzhutes, als ihm einfällt, daß das Testen eines bestimmten Unterprogrammes es nötig machte, statt tatsächlicher Meßdaten Zufallsmüll ans Hauptprogramm zu geben. Der Programmierer entfernt lachend die entsprechenden Zeilen, dann stoppt er in der Bewegung und der Abspann flimmert vorbei. Sowas gibts eben nur im Fernsehen!

Thursday, February 17th, 2000

Fechner

Dr. Ken Norwich informiert über seinen heutigen Vortrag: “This talk will consist, essentially, of a morass of unfathomable equations (some 40 of them). Although none of these equations will be derived, you will have to understand them fully in order to follow the talk. Very little effort will be extended to make this easy. Already you see that this seminar is not for you. To compensate, in part, for the discomfort of sitting through a seemingly interminable sequence of equations, you will be offered coffee and cookies. My own assessment is that the compensation is not commensurate with the discomfort. The take-home message is that Fechner’s law, as originally formulated, is incomplete. (Do you really care? Do you even remember what Fechner’s law is?) The take home thought is that in the process of sensating, the brain does not behave like a camera, which passively maps external events into corresponding cerebral events, or like a computer which produces an output corresponding to a given sensory input. Rather, the brain takes an active part in the process of sensating, and seems to be about the simplest model of itself. But do you really think I can develop ideas of this depth in 40 or 50 minutes? Be serious!”