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Thursday, February 24th, 2000

Bassa Selim Plimplimplim

Die Entführung aus dem Serail ist in vollem Gange, als mir auffällt, woher ich die Stimme Osmins kenne: es ist die deutsche Stimme von Blut-Svente oder Messerjocke selber. Robert Lloyd. Und während ich noch diese Entdeckung verdaue und Curd Jürgens als Bassa Selim höre, entdecke ich ein weiteres Detail, das mir einen kurzen Freudenquieker entlockt. In Pipi in Taka-Tuka Land spielt nicht nur Wolfgang Völz (woran ich mich dunkel erinnere) einen der Seeräuber, sondern auch – Aku-Aku, Kon-Tiki und Taka-Tuka weisen die Richtung – der große Thor Heyerdahl spielt einen. Das sind Querverbindungen, -schläger fast, die euphorisch stimmen. Aku! Aku! Taka-Tuka!

Wednesday, February 23rd, 2000

Die Rettung des Filzhuts

Der Schreck fährt unserem tapferen Programmierer eisig in alle Glieder, als er sieht, daß die stundenlang am Vortag ermessenen Augenbewegungsdaten aussehen wie der reine Zufallsmüll. Noch erwägt er – es wäre ja der siebte gescheiterte Versuchsversuch – das fotogene Zerbeißen eines Filzhutes, als ihm einfällt, daß das Testen eines bestimmten Unterprogrammes es nötig machte, statt tatsächlicher Meßdaten Zufallsmüll ans Hauptprogramm zu geben. Der Programmierer entfernt lachend die entsprechenden Zeilen, dann stoppt er in der Bewegung und der Abspann flimmert vorbei. Sowas gibts eben nur im Fernsehen!

Tuesday, February 22nd, 2000

Porschtaxi

Der Taxifahrer ist gesprächig, fast schon geschwätzig. Der Schnee ist bald getaut, sagt er, was aber gut sei. Sein Fahrgast dagegen sei aus Deutschland, woher “Porsch” kommt. Der auch gut, aber leider viel zu teuer sei. Sechsstellig! Das müsse man sich mal vorstellen. Und er will zur U-Bahn-Station, was nicht so gut sei. Der Taxifahrer fuhr zwar erst einmal U-Bahn, habe aber Angst dabei gehabt. Denn: es sei einst ein hübsches Mädchen von einem Verrückten auf die Gleise gestoßen worden. Und gestorben dabei. Seitdem, sagt der Taxifahrer, stehen alle Leute in der U-Bahn eng an die Wand gepreßt. Nicht nur die schönen Mädchen. Und er muß es ja wissen.

Monday, February 21st, 2000

Überhang

Der Weg zum Automaten ist kurz, aber kürzer noch ist die Liste der Waren darin. Ungern entscheide ich mich zwischen Chips und Twix für ein Snickers, nur einen Twoonie führe ich mit, und bekomme zwei Quarter zurück (Übungsaufgabe für den Leser: wieviel wog das Snickers?). Da bemerke ich eine überhängende Snacktüte. Jemand hatte gewählt, die Spirale den Industriefraß aber nicht weit genug herausgedreht. Jetzt konnte ein anderer zwei Tüten zum Preis von einer bekommen. Und dieser Andere würde ich sein! Mit nicht übertriebener Eile ging ich die Treppe wieder hinauf um meine Geldbörse zu holen. Es war später Abend, die Cafeteria leer. Das war sie auch noch Minuten später. Die Überhangtüte freilich war verschwunden. Auch Hausgeister haben Hunger. Oder vielleicht sogar grade die.

Sunday, February 20th, 2000

Vom Abbiegen auf Holzplanken

Gerne liege ich, mit langsam welkender Wasserhaut, in grünlich gefärbter Badelauge und lasse die Erinnerung werkeln. War das nicht ein schöner Tag gestern? Die reizenden Erlebnisse auf der Bowlingbahn, wo wir eine Runde spielten, ehe wir bemerkten, daß die Gummirinnen an der Seite, die die Kugeln sicher an den Kegeln vorbeikugeln lassen, wenn man zu weit seitlich wirft, nicht abgesenkt sind. Wir bemerken es, weil eine Kugel, hurtig, der Schwalbe gleich, von links nach rechts im Zickzack nach vorne rast und die Kegel gnadenlos ummäht, ein gänzlich unerwünschtes Kegelkugelverhalten.
Oder zuvor, unter einem strahlendblauen Himmel mit Kunststoffbrettern an den wackelnden Füßen, im Skigebiet “Dagmar”, das wirklich so heißt. “Dagmar” enthält schöne Langlaufloipen, hübsch in die Hügellandschaft hineingewunden, und mit Rutschen, Fallen und Stöckestecken waren wir so beschäftigt, daß wir für dem Rückweg in Zeitnot gerieten. Die Dagmar-Loipenkarte, zudem, ist ein recht unlesbarer Mist. Sollten wir links abbiegen, oder rechts? Rasch war entschieden, und der Weg führte abwärts in einen Wald. Mißtrauen stünde, denke ich nachträglich und im warmen Wasser, dem Anfänger manchmal gut zu Gesicht. Die erste Kurve trug mich mit nicht unbeträchtlicher Geschwindigkeit aus sich heraus und in den Tiefschnee, der zum Glück bremste. Wie abgestellt bleibe ich im verschneiten Wald stehen, immerhin. Mühsam und schimpfend setzte ich die vermaledeiten Schieer zurück in die schmale Spur, und noch als ich wieder Schub mit den Stöcken gebe, bemerkte ich, daß der Anstieg steiler und die nächste Kurve erkennbar wurde. Und kaum war diese überstanden, fiel die Steigung auch schon ins Bodenlose. Mit aberwitziger Geschwindigkeit schoß ich auf einen Neunziggradschwenk des Weges zu. “Oh Nein! Nicht schon wieder”, konnte ich noch rufen, das Wasser plätschert unter den schwammigen Händen, dann rauschte ich, Beine voran, in einen Schneehaufen, und ein lustiges weißes Wölkchen staubte auf. Anschließend erfuhr ich, daß ich sekundenlang lachend auf dem Rücken gelegen haben soll, die Ski als einzig sichtbare Körperteile hoch in die frische Waldluft gestreckt, aber das verweise ich ins Reich wildester Fantasie.

Saturday, February 19th, 2000

Gesunder als

Das Essen in den frühen Morgenstunden schmeckt, das Restaurant ist beinahe leer. Ein Fischgericht auf einem Teller und die leckeren Schneeerbsenblätter, allesamt sind sie schon restlos verputzt. Da hören Douglas und ich eine Stimme von links, “Are you guys from germany?” Rasch entspinnt sich eine Unterhaltung mit dem seltsamen Mann mit der Mütze, der am Nebentisch auf sein Essenspaket wartet. Während er aus seiner Forschung über einen niederländischen Drucker des sechzehnten Jahrhunderts ungefragt Anekdoten ausbreitet, wird sein Mahl, in mehrere Lagen Plastik verpackt, gebracht. Zugleich uns, den einzigen anderen Kunden, ein Teller mit Orangen und Glückskeksen.
Ich breche meinen Keks auseinander, der Nebentischgast erzählt einen Schwank über den einzigen deutschen Satz, den er noch kann (“Frisches Luft ist gesunder als altes Luft”) und geht. “A thrilling time is in your immediate future”, lese ich gelangweilt, aber Douglas hat mit “You will attend a party where strange customs prevail” eine echte Weisheit erkekst. Ich beuge mich über den Tisch, um besser lesen zu können. Ein halber Keks entfällt mir. Ich suche links vom Stuhl, rechts, vor dem Stuhl. Nichts. Meine Füße, vom Beugen noch in der Luft, muß ich nun absetzen, um den Stuhl bewegen zu können. Mein schöner Keks! Langsam setze ich den linken Schuh ab, und mit dem leise knirschendem Geräusch, das der aufmerksame Leser vorhersah, endet diese nahrhafte Geschichte.

Friday, February 18th, 2000

Stöhnen

Leise zunächst strömen die Töne. Ich drehe am Aktivlautsprecherlautstärkeregler um die Lautstärke der Wiedergabe den Wahrnehmungsschwellenwerten meines Gehörs anzupassen und denke kurz an Fechners Law vom Vortag. Die wahrgenommene Lautstärke von Bachs Goldberg-Variationen ist proportional, denke ich, zum Logarithmus der Intensität durch die vergangene Zeit mal einer Konstanten. Plus irgendwas. Mittlerweile ist die Lautstärke erheblich heraufgeregelt und immer noch zu leise, vermutlich ein Konstantenfehler irgendwo in Fechners DA! Ich mache einen kleinen Satz auf meinem Plastikhochsitz und regle zügig herunter. Es fing die Aufnahme zwar leise an, aber Herr Gould macht sich ein Vergnügen aus Dynamik und Knalleffekt. Drei logarithmische Stufen in zwei Sekunden, das muß ihm jemand nachmachen.
Ich habe Hunger und gehe deswegen rasch in die zu dieser Nachtzeit natürlich eigentlich geschlossene Cafeteria. Schon habe ich einen Loonie in den Junkfoodspender geworfen, da bemerke ich zweierlei: a) hier gibt es Chips mit Dill Pickle Aroma, jubilate! cantate! und b) an der Musikwiedergabe war mehr merkwürdig als die Lautstärke. Nämlich geht c) offenbar mein CD-Player jetzt kaputt und empfängt Radiosignale – etwa aus dem d) Weltraum? Mit einer Tüte Dillpickeltschipps bewaffnet kehre ich zurück an meine Edelstahltheke und drehe vorsichtig wieder lauter. Leise im Hintergrund unterhalten sich Leute. Oder singen sie mit? Kommt es gar nicht von der CD, sondern aus der Wand? Dem Abfluß? Dem plombierten Zahn? Und dann, endlich, wird mir klar: ich höre die berühmten Gould-Geräusche. Stöhnen, Seufzen, Summen. Und alles ist Frieden. Glenn Gould stöhnt für mich, während Dill Chips bachantisch knacken. Oder jedenfalls schmecken.

Thursday, February 17th, 2000

Fechner

Dr. Ken Norwich informiert über seinen heutigen Vortrag: “This talk will consist, essentially, of a morass of unfathomable equations (some 40 of them). Although none of these equations will be derived, you will have to understand them fully in order to follow the talk. Very little effort will be extended to make this easy. Already you see that this seminar is not for you. To compensate, in part, for the discomfort of sitting through a seemingly interminable sequence of equations, you will be offered coffee and cookies. My own assessment is that the compensation is not commensurate with the discomfort. The take-home message is that Fechner’s law, as originally formulated, is incomplete. (Do you really care? Do you even remember what Fechner’s law is?) The take home thought is that in the process of sensating, the brain does not behave like a camera, which passively maps external events into corresponding cerebral events, or like a computer which produces an output corresponding to a given sensory input. Rather, the brain takes an active part in the process of sensating, and seems to be about the simplest model of itself. But do you really think I can develop ideas of this depth in 40 or 50 minutes? Be serious!”

Wednesday, February 16th, 2000

Schneewoge

Als ich das Gebäude am frühen Morgen verlasse, ist niemand zu sehen. Im frisch gefallenen Schnee, keine Spuren von menschlichem Leben wie wir es kennen. Es ist nicht besonders kalt, und der Schneefilter über der Landschaft nimmt allem die Kanten. Und fügt andererseits Wälle und Berge hinzu. Geben und Nehmen. Auch College Street ist vollkommen leutelos. Knirschend gibt der nasse Schnee unter meinen Stiefeln nach. Knirsch, knirsch. War da ein Geräusch? Wie malerisch alles wirkt, wenn.. da war ein Geräusch. Im Umdrehen sehe ich aus dem Augenwinkel eine Schneewoge vor einem Schneepflug heranwalzen, ein kleiner Pflug, weshalb er auf dem Gehweg Platz hat. Aber nicht klein genug, weswegen ich keinen mehr habe. Ich springe zur Seite, der Schnee wälzt sich über meine Schuhe. Der Fahrer schaut nicht auf. Er liest ein Buch.

Tuesday, February 15th, 2000

Huhnkampf

Tip des Sensei: begegnet dem Karateka ein Huhn, kann dasselbe jederzeit durch einen beherzten Kiai (Aaaargh!) in der Bewegung schockgefroren und anschließend bequem gepflückt und zubereitet werden. Wird der Kiai nicht korrekt ausgeführt oder ist das Ki verwelkt, lacht sich das Huhn hingegen ins Flügelchen und es gibt trocken Brot und Suppe.