Keime eines funkelnden Aphorismenkristalls
With all the matches they make in heaven, is it any wonder hell is burning?
If you come to a fork in the road, eat.
Who needs presents when one can have pasts?
With all the matches they make in heaven, is it any wonder hell is burning?
If you come to a fork in the road, eat.
Who needs presents when one can have pasts?
This book about cognitive dissonance is a good read, and an interesting account of both the theory of why our decisions and opinions can be so much at odds with reality sometimes and a number of examples from history and daily life, where the principle can be observed in action. Yet through much of it, it felt like being a bit lost in someones attempt to make sense of the subject, and as though going to Festinger’s original work might be more illuminating. This in spite of the fact that I don’t think he ever wrote something comprehensive like this on top of his individual studies.
Why are we so notoriously bad at predicting what will make us happy, and why are we so often mistaken when we remember how we felt in the past? Gilbert’s hypothesis is that the nature of the neural system that allows us to imagine is to blame/ This system, which allows us both the filling in of the details of memories and the fleshing out of the nature of the future, draws on the same circuitry we use to feel the present, which is why both the past and the future are contaminated by how we feel right now. While the style of the book is maybe a tad forced in terms of wittyness, it is a delightful read, and the wealth of experiments Gilbert draws on to make his case was fascinating to read. At least that’s how I remember it.
Die Sonne, die mir gestern am Memorial Day spürbar die Arme verbrannte auf dem Radausflug zum historischen Friedhof von Oakland, steht auch heute wieder hoch, wenn auch zwischen Wolken nur intervallweise hervorstrahlend. Ihr Licht ist hart und unfreundlich, Farben verblassen. Die Gebäude und Menschen erstarrt zu Monolithen ehemals menschlicher Existenz, nichts und niemand scheint mit sich identisch in diesem Licht, alles nur eine flüchtige Scheingeographie, die bald zerfliesst und das darunterliegende Felsgestein offenbart. In Rockridge, neben dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, gähnt in diesem Grundstein ein Loch, über dessen kühle Tiefe das eingeflossene Wasser und seine Algen hinwegtäuschen. Oder vielleicht liesse sich auch durchs kaum hüfthohe Wasser bis an die andere Seite waten, wo aus der blanken Steinwand eine einzelne Pflanze ragt und trotzig Blüten in den Strahlenregen reckt, der sie nährt, und der sie noch verbrennen wird. Vielleicht liesse sich so ein kleiner Strauss aus der Wand pflücken, läge nicht der ganze Teich eingezäunt und sicher hinter Stacheldraht. Weit dort oben, gleich hinter dem Klippenrand, dehnt sich der Friedhof. Liesse sich wohl Leichengift nachweisen im Gewässer? In den Blüten?
Heute auf Durant sitzen Sommermenschen verteilt wie Schaufensterpuppen in den Schatteninseln, die Universität hält den Atem an vor ihren Summer Sessions, und niemand hat ein Ziel. Im flutenden Licht liegt verbrannt ein Halbnackter, wie oft, davon rühren ja die Verbrennungen, willentliche Californication, garendes Menschenfleisch. Ich gehe schneller, um wieder aus der Sonne in den Schatten zu gelangen, und blicke zu Boden, weil ich nichts sehen will heute als was ich begreifen kann. Zwischen blassgrünen Halmen kriecht dort unten eine Biene, dreht sich, rollt kopfüber und liegt still. Auch ich verharre jetzt, und betrachte stumpfen Auges ihren Tod.
Ellsworth ist eine Einbahnstrasse, deshalb muss ich, als ich das Stoppschild überfahre, nur in einer Richtung nachsehen, ob ein Auto sich nähert, das dann zwar immer noch anhalten müsste am eigenen Stoppschild, aber man weiss ja nie. Es ist aber kein Auto zu sehen, sondern eine gebückte Silhouette im schräg einfallenden Gegenlicht, ein schwarzer Buckel auf Beinen, Nase am Boden, der zügig, aber nicht schnell, die Strasse überquert. Ich habe die Kreuzung auf der anderen Seite schon wieder verlassen, wende im engen Kreis, zurück durch die Kreuzung und auf den Parkplatz, auf den der Buckel zuwackelte. Ein geringelter Schwanz ragt reglos hinter dem Zaun hervor, dann ein Rascheln, ein paar Sprünge, und zwischen den Wedeln der Palme hervor sieht ein maskiertes Tier mich an. Ich starre einen Moment erfreut zurück, wende dann erneut und kehre zurück auf meine Planstrecke.
Der Innenraum erinnert an das Klischee eines Ameisenhaufens, wild schieben die Menschen ihre Gitterwagen durcheinander, ständig bilden und lösen sich Staus, denn Berkeley Bowl, der in einer ehemaligen Kegelbahn einquartierte Ökosupermarkt, besitzt zu viele Einkaufswagen. Die Kunden versuchen zwar, den Missstand zu beheben, indem sie die Wagen rappelvoll nach Hause schieben und dann dort geleert stehen lassen, aber die ausgelobte Belohnung unterhält eine rege Rückführökonomie, und am Grundärger ändert sich nichts. Man darf zu Stosszeiten darum nicht hier sein, aber hin und wieder vergesse ich das oder habe nicht die Wahl.
Die Schlangen an den Kassen sind seltsamerweise trotzdem überschaubar. Unter Umständen wie den gegenwärtigen biegen sich die aufgreihten Käufer normalerweise kreuz und quer durch den hinter den Kassen belassenen Stauraum und in die Regalreihen, ein argwöhnisches Lauern auf Schlangenplätze setzt dann ein, und in der Hoffnung auf eine etwas kürzere Schlange oder eine etwas schnellere Kassierkraft patrouillieren die Unnachgiebigen mit ihren Wagen auf und ab, quetschen sich durch die Wartenden und komplettieren den Wahnsinn. Aber heute sind die Schlangen grade und reichen kaum bis ans erste Regal zurück. Tortzdem mürrisch stelle ich mich an, der Menschen, ihrer Waren und ihres Gewusels überdrüssig.
Während ich den Kram aufs Band lade, reisst mich eine Stimme aus dem gramvollen Grant. You made me thirsty, sagt die Stimme freundlich, those look so good. Sie meint die gefrorenen Limonadenkonzentratdosen. Als Tim, vor einer Weile bei uns zu Besuch, erfuhr, dass die Limonade nicht frisch gepresst war, sondern aus der Dose, rümpfte er angewidert die Nase und stellte das vorher gelobte Getränk beiseite. Hilflos blicke ich auf die reifüberzogenen Dosen und suche nach Worten, finde keine und sage also „Now you made me thirsty, too.“ Kurse eines sogenannten Schlagfertigkeitspapstes preisen Google Anzeigen im Gmail Interface mir seit einer Weile an. Ich ahne, weshalb.
Das Band bewegt sich stossweise, und wird stossweise von mir beladen, und kurz vor Ende spricht sie mich wieder an, You got just the right balance between healthy and indulgent, freundlich, auffordernd, und diesmal fällt mir nicht mal eine Floskel ein, das Schweigen zieht sich, bis uns klar wird, ich werde nicht antworten. Sie unterschreibt ihre Quittung und wendet sich ab. Hi, sagt die Kassiererin zu mir. How are you?
Seit dem Krankenhausaufenthalt und der intravenösen Ernährung habe ich in meinem linken Unterarm eine Venenverhärtung, einen zwei Zentimeter langen, harten Knoten, den ich in ratlosen Momenten gegen das Muskelgewebe drücke, ein Tick. Wird der Fingerdruck stark genug, weicht der Knoten aus, seltsamerweise nicht seitlich zu, sondern in Richtung des Venenverlaufs, ein hochgekrempelter Blutärmel. Vor dem Fenster sehe ich ein Insekt, vielleicht zwanzig Meter entfernt in der Luft, und hätte es wohl nicht gesehen, wenn nicht ein amerikanisches Rotkehlchen es in einem eleganten Flugmanöver aus der Luft gefangen und gefressen hätte. Ein Insekt, das wohl so gross war wie der Knoten in meinem Arm, und das jetzt verdaut wird. Einen Moment lang scheint der Vergleich etwas zu bedeuten, das Ereignis, die Tatsache, dass ich erst rückwirkend das Tier sah, als es schon verschwunden war, vernichtet, aber dann zerfällt das Gespinst, es ist ein Vogel, der zufällig vor meinen Augen frass und jetzt schon fortfliegt.
Wie jeder weiss, der schonmal Schuhe gekauft hat, kommt es im Leben vor allem auf die Grösse an. Und Fische wissen das natürlich auch und beugen sich gerne dem geistlosen Diktat der Körpermasse. Einserseits verhält sich Godzilla wie ein scheuer, tapsiger Riese, rumpelt beim Rumschwimmen ständig irgendwo gegen und kann sich nur unter grossen Mühen das Schloss überstreifen, um dann mit wachsamem Auge zum Tor herauszuspähen, ob niemand ihm übel wolle. Andererseits aber kann Godzilla in unserem Becken nun komplett machen, was er will, seine schiere Grösse erstickt ohnehin schon unplausiblen Widerstand im Keim. Und was schon gekeimt ist, aber nicht an der richtigen Stelle steht, wird kurzerhand ausgerupft.
Am Morgen nach der Godzillaankunft schwimmen deshalb zahlreiche Pflanzen zerrupft an der Oberfläche, die restlichen Fische stecken hinter Steinen und im Laub und glubschen nervös, und von der Ursache ist aber nichts zu sehen. Nur die Cichlidfrau, die ihren eivollen Bauch vor dem Schlosseingang auf und ab paradiert ist ein Indiz: da wird er wohl drin sein.
Ist er aber nicht. Denn unvermittelt entfaltet sich jetzt die Eröffnungssequenz eines Star Wars-Films, ein massiver Raumfisch schiebt sich unter Bassgrummeln hinter dem Schloss schräg aufwärts, ein riesiges Auge späht, und immer mehr und mehr blauer Fisch taucht auf, die absurd grossen und Detailarmen Schuppen und Flossen ein Hinweis darauf, dass hier die Effektabteilung eine Attrappe gebaut hat, und der Fisch in Wahrheit nur ein paar Zentimeter lang ist. Jetzt schiebt sich rot- und gelbglühend die Schwanzflosse ins Freie, die den Zerstörer antreibt auf seiner Bahn durch den Kosmos, kurz steht der ganze, massive Fisch frei über dem Schloss.
Dann sieht er mich, und versenkt sich wieder, schüchtern, aber durchaus selbstsicher, ein zärtliches, blaues Monster.
Am anderen Ende des Grössenspektrums sind unterdessen zwo der Schwertträgerjungen grundlos verendet und schwimmen leblos im Kindergarten. Noch zwei.
Als ich mir mit den Händen durch die Haare fahre und also mit meinem Kopf raufe, fallen einige auf das mit Skizzen von Kreisen und Projektionsstrahlen bedeckte Blatt, ein Kopforakel, ein I-Ching oder Mikadospiel aus Keratinstäbchen, und ich frage mich einen Moment lang, ob das Überbleibsel von der gestrigen Schur sind, oder ob vielleicht wirklich eine Verdünnung stattfindet. Die letzten Rottöne aus den Wolken verschwinden, und mit ihnen meine Hoffnung auf eine Lösung. Warum der Winkel orthogonal zur epipolaren Linie, der doch eigentlich der kürzeste sein sollte, von einer numerischen Optimierung unterboten werden kann, Tagesinhalt im Winkelbergwerk. Ich werde das Problem heute nicht mehr lösen, habe schon die Jacke an, als mir, woher der Gedanke nach drei Stunden der ununterbrochenen Ratlosigkeit nur plötzlich kommen mag, auffällt, dass das Kreuzprodukt zweier Einheitsvektoren natürlich selbst im Allgemeinen kein Einheitsvektor ist, und darum die Orthogonalisierung missglückt.
Ich kann nach Hause gehen.
No spring break? fragt sie, bevor sie mir den Haarfang umlegt, No spring break for you, either, frage ich zurück, aber die Kollegin ist im Urlaub, Belegschaftshalbierung, Studentenmangel. You used to have dense hair, sagt sie, now no more, lost weight, too. Ich bin einen Moment lang zu verblüfft, um zu antworten, got skinny, fügt sie hinzu. Kurzsichtig spähe ich in den Spiegel und versuche zu lesen im müden Gesicht, das herausguckt, aber es ist zu unscharf.