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Nature



Saturday, February 25th, 2006

John Muir – My First Summer in the Sierra (1)

A young man goes into the mountains to herd sheep and falls deeply in love, changing the rest of his life? Sound familiar? It took me until I was almost done with this exuberant diary to notice the funny parallels to this years Oscar winner. Since Proulx’ story and Lee’s movie are a commentary on the myth of rugged wilderness and the lone, heroic men populating it, it’s interesting to compare the two on that level. Muir in this trip and the path it set him on for his life, shaped another pervasive myth – that of unspoiled nature being more than a resource waiting to be used, but of value in itself. While the overpowering enthusiasm of his prose (written long after the trip), and his referring to plants and animals alike as “people” sound very quirky, and certainly his habit to talk to the flower people does, they are also part and parcel to his view of nature as a vast society, of which man is but a small part. His awe in the face of everything nature throws his way is a great inspiration, and Dan Simmons’ suggestion in the Hyperion novels, that with time Muir he might turn into the patron saint of his own religion seems very convincing. He certainly was crazy enough for the job.

Wednesday, December 21st, 2005

Frank Herbert – The Green Brain (3)

Probably one of the first science fiction novels to have the ecological threat posed by modern humanity at the core of its plot, this 1966 action drama puts all its effort into getting the message through, with very little meaningful plot. It’s an unfortunate choice, as the central premise – being under extinction pressure from an Orwellianly named International Ecological Agency, insects adapt by cooperating to form complex and conscious societies, capable of concerted action and motion – would have been fascinating to explore in depth. Instead, the book spends most of its time following a subplot of international politics and intrigue, and its protagonists down a jungle river, and ends when things would become interesting, with what feels like a compromise between a happy ending and gloomy doomsaying. The book leaves the distinct feeling that Herbert wasn’t quite happy with his setup, and didn’t want to put too much effort into working it through. Maybe that’s why he revisited the hive mind a few years later in The Hive.

Friday, November 4th, 2005

Frans de Waal – Chimpanzee Politics (2)


Ein Klassiker der Primatenforschung, und faszinierender Einblick in die seelische Verfassung unserer nächsten Verwandten. Ein Gutteil dieser Faszination speist sich daraus, dass trotz aller Parallelen zu menschlichem Verhalten die Gefühlswelt und das Verhalten der Schimpansen von anderen Prinzipien regiert werden als unsere, die Tiere uns aber ähnlich genug sind, dass wir ihnen die dem äusseren Verhalten entsprechenden menschlichen Regungen unterstellen. Eine Lektion nicht nur in Primatenpsychologie, sondern auch in den Mechanismen, durch die unsere Vorurteile unsere Wahrnehmung gestalten; vermutlich sind diese aber ohnehin Teil jener.

Eine der rührendsten Anekdoten des Buches erzählt vom Moment im Frühjahr, in dem die den Winter über im Primatengebäude verstauten Schimpansen die unsichtbare Klappe ins Freie sich am Ende des Ganges öffnen hören, und sofort in lautes Geschrei, aufgeregte Sprünge und Umarmungen ausbrechen.

Tuesday, November 1st, 2005

On a Monkey’s Back

teeth

One of Frans de Waal’s objectives in publishing his Chimpanzee Politics in 1982 was to destroy the notion that only us humans are capable of complex social behaviour and congition, and that we are not so special after all. It was, I believe, mainly advocating a recasting of social human psychology in terms of primate behaviour.

Read today, though, it has an opposite effect on me, and throws the personality of the apes into sharp focus. I don’t read so much that we are apes, but that these animals are people, and the fact that they are kept in enclosures, that their habitats are being destroyed, and that we humans have taken full control over their fate without accepting the responsibility for it, gives this book a very melancholy undercurrent. And the fact that chimps are scheming, power hungry bastards, doesn’t change that one bit.

Tuesday, April 26th, 2005

Formtrieb

Während ich meine Kreise ziehe, frage ich mich, warum ich sie ziehe. Nicht dass das Umgraben der rindenstückbestreuten Scheibe unberührte Natur zerstörte. Aber seltsam ist es doch, dass der Schaffensimpuls inmitten der vollständig durchgestalteten Campuslandschaft sich eine Nische sucht, der ein persönlicher Stempel aufgedrückt werden kann. Es liesse sich argumentieren, dass der Frühmensch suchte, was er zu formen verstand, und experimentierte, und spielerisch die Kräfte meisterte, die jetzt uralte Farnwälder in quadratkilometergrosse Plastikteppiche verwandeln, und der Gestaltungswille also in der Fähigkeit zur Technologie aufginge.

Aber selbst wenn das stimmte, legten sich doch um den mechanischen Verhaltenskern Schichten von Komplikationen, persönliche Eitelkeit, Trotz gegen die Anonymität, Ä?sthetik reiner Formen, Kontraste auf etlichen Abstraktionsebenen, um nur ein paar zu nennen, und zuletzt schliesst sich die Zwiebel aus Motiven zur ganzen Frucht:? und gefällt.

Friday, December 24th, 2004

snow popping in the sky

At the Bay Street Mall in Emeryville they were having a seasonal attraction: white foam was blown from the roof in tiny patches, looking entirely like snow in the light of the streetlamps. Until it landed on chairs, tables and customers clothing, when it looked like foam again. I’d like to think that the kids who were taken there now believe that snow is made from soap and falls from the roof of stores. But with all the TV they are watching, they of course are well aware that snow comes from Columbia and is bad for your septum.

Saturday, March 18th, 2000

Kolonie

Die Ebene liegt in strahlender Frühlingssonne, hunderte von Metern entfernt brandet der See, gepeitscht vom eiskalten Wind, meterhoch an den Schutthalden auf. Stahlträger glitzern eisbehangen. Rasch verlasse ich trotz des malerischen Anblicks den asphaltierten Weg wieder, zu kalt pfeift der Wind mir dort oben durchs Jäckchen. Durch abgestorbenes Unterholz folge ich einem Trampelpfad, in den Bäumen über mir kreischen Möven, das einzige Geräusch. Ein paar Bäume geben den Blick frei, und da sitzen, dicht an dicht, zirka eine Million Möven versammelt und tun rein gar nichts. Vorsichtig nähere ich mich, die ersten fliegen auf und schweben im Wind über den Wipfeln, jetzt sind es ein paar hundert, kreischend und fast unbeweglich in der eisigen Luft. Jetzt müssen es tausend sein, zwei-, fünftausend, unmöglich zu schätzen. Ohrenbetäubendes Gekreische liegt in der Luft, der Himmel ist bedeckt mit träge schwebenden Mövenleibern. Vom Rand der Kolonie aus sehe ich sie sich erstrecken, noch hundert Meter oder mehr. Ich stehe im Vogelwirbel und staune.

Wednesday, March 8th, 2000

Nacht, draussen

Ich erinnere mich wieder, als wäre es gestern gewesen: Da stehe ich, im Wohnzimmer. Soeben habe ich den Teller mit dem Katzentrockenfutter auf die Terrasse gestellt, nun bereite ich, mit Buch, Keksen und Ginger Ale, das lange Warten auf den nächtlichen Gast vor. Der, da bin ich sicher, mir heute nicht entgehen wird. Noch einmal kontrolliere ich durch die Scheibe, ob der gerade abgestellte Teller gut zu sehen und weit genug von der Tür entfernt ist. Ich habe ihn neben die kleine Lache gestellt, und richtig, da ist der dunkle Fleck auf dem Holz, doch daneben: kein Teller. Sekundenlang starre ich ratlos, bis die schummrige Szene sich auflöst und richtig übersetzt wird. Der Fleck besteht aus einem Lachen-, einem Teller- und einem Waschbärteil. Rocky ist, keine zwei Minuten nach dessen Eröffnung, am Buffet erschienen und bedient sich.
Als ich die Tür öffne, zieht er sich einige Meter zurück, aber nicht für lange. Vorsichtig setze ich mich auf den Boden, während es vom Teller her schmatzt. Der Autofocus beleuchtet die Spitznase, ein paar Haare zucken. Es blitzt, und wieder weicht er zurück. Kommt wieder. Es blitzt erneut. Den Waschbären, er kennt’s ja nun, kümmerts wenig. Später allerdings, als ich die unterdessen auf der Suche nach ihrer Post erschienene Vormieterin von der Terrasse geleite (sie fürchtet eine Rackuhnattacke aus dem Hinterhalt) sitzt man unter des Nachbarn Bank und faucht entnervt, als man sich entdeckt weiß. Groß starren die Nachtaugen, funkeln die Sterne darüber, unnahbar und bunt.

Tuesday, March 7th, 2000

Rackuhnpose, möglichweise

Der zweite Versuch endet mit einem klaren Punktsieg für die Gegenpartei. Während eine gewaltige Küchenschabe aus dem Weltraum Tommy Lee Jones und Will Smith auf dem Bildschirm in Atem hält, verputzte – ich nehme an in aller Seelenruhe und ohne sich beobachtet zu fühlen – der Gast vom Vortag das Katztenfutter, das ich nach draußen gestellt hatte. Oder aber es war ein vermaledeites Katzenvieh, das dergestalt als Rackuhn nur posierte. Aber welche Katze frißt freiwillig Katzentrockenfutter von fremden Balkonen? Eben.

Monday, March 6th, 2000

Bagel Fort

Der Tag hat grade begonnen, und ich sitze im Halbdunkel des Wohnzimmers und schaue fern. Die Katze dagegen, zweitbeste Freundin des Menschen, schaut Terrasse, melancholisch, weil sie nicht rausdarf. Ein Aufschrei. Ein Fauchen, das Tier bringt Töne hervor, die ich noch nie gehört habe. Ein Maunzen und Wimmern. Nur halb noch hängt sie vom Fensterbrett, mit den Vorderpfoten klammernd. Und wimmert weiter. Schließlich springt sie herunter und äugt aus sicherer Entfernung Richtung Terrassentür. Ich schalte das Außenlicht an, natürlich ist nichts zu sehen. Die Katze nämlich spinnt wohl.
Beruhigend rede ich auf das Nervenbündel ein, und habe es fast beruhigt, als es wieder zerbündelt starrt. Diesmal auf einen Punkt etwa einen halben Meter hinter der Tür, draußen. Ich beuge mich vor, um besser durch die Scheibe sehen zu können, und da ist er und starrt zurück. Große Augen in einem spitzen Gesicht, unbeeindruckt und gelassen. Wir mustern uns einige Sekunden, dann packt mich die Begeisterung. Während ich durch die Wohnung hüpfe, um einen harten Bagel und die Kamera zu holen, hüpft das Nachtgespenst seinerseits aufs Fensterbrett. Keinen halben Meter von mir entfernt sitzt es, als es blitzt. Auch das kümmert es nicht. Aber kaum habe ich die Scheibe geöffnet, geht Rocky auf Sicherheitsabstand, und als ich den Bagel hinauswerfe, wankt er gemächlich aber zielstrebig zur Feuertreppe und steigt unbestechlich ab.
Über die Dachkante sehe ich ihn ein Stockwerk tiefer, meine Lockgeräusche und Brotwürfe sind interessant für einen Moment, dann doch zu langweilig. Er trabt davon.
In der Wohnung beobachtet die winzige Hauskatze, wie ich den Bagel auf der Terrasse drapiere und maunzt protestierend: Bringt Gefahr ins Haus!
Am Morgen: Bagel fort.