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Music



Thursday, January 5th, 2006

Neil Diamond – 12 Songs (1)

Hell Yeah, he’s done it again. Though that might refer to Neil Diamond himself, whose work I’ve always liked a lot, and who has outdone himself on this new collection, the person I’m referring to is Rick Rubin, whose list of productions reads like a good part of my most favorite list. Johnny Cash, Slayer, System of a Down, now Neil Diamond. It’s humbling. What great piece of music did I produce recently? On the other hand, I’m wouldn’t even know how, so maybe I’m doing all right.

Tuesday, January 3rd, 2006

Rough Guide to Okinawan Music (1)

Okinawa is located on an strategic spot of ocean real estate, and has been occupied by numerous foreig powers throughout its history. This stormy military past has forged the island’s strong martial arts tradition, but a side effect of a multitude of traders and soldiers passing through is a multilayered cultural richness. This compilation collects a broad variety of styles, themes and artists, from the amazing traditional sanshin tune Koko Kuduchi to the joyous modern surf pop of The Surf Champlers. While the variety of material makes sure that there have to be a few songs for everyone they could have done without, overall this is a shining jewel and wonderful to explore.

Friday, December 23rd, 2005

Johhny Cash (with Patrick Carr) – Cash (3)

Johnny Cash was an amazing artist, and his recent death has been a great loss. I love the recent American Recordings series of records as well as his older stuff. Sadly, he is not quite as amazing an author, and Carr’s co-authoring didn’t fix the shortcomings. There are cool stories in this book, but they are often told in a laundry-list fashion, where people, events and facts roll by without much coherence or reflection. Biggest eye-rubber: Cash’s admission that he and June avoided shopping in towns that had no Wal-Marts and even graded them by the number of evil moneysucking behemoths (“tomorrow is a two Wal-Marter”). Biggest chuckle: to get out of a contract with a record company in the early nineties, Cash wrote a whole abysmal album, including a song called “Chicken in Black“. It worked.

Tuesday, November 21st, 2000

Satz

Langsame Verschiebung von Rot nach Gelb und Ocker, die Beine nicht mehr ganz so weit gespreizt. Ruhigere Bewegungen. Das Kind vor uns, zu dick, verwöhnt und gelangweilt und von der gutmütigen und selbst gelangweilten Großmutter kaum in Schach zu halten (nicht daß sie sich bemühte), gibt das Ergebnis minutenlangen Nachdenkens laut bekannt: that must be spring. Und es schneit in meinen Gedanken. Jetzt einen Eiswürfel zur Hand, dem lauten, dummen Balg in den Kragen gesteckt und den Affentanz genossen, das Kreischen, das Geschrei. Stattdessen ignoriere ichs, gucke nach vorne, wo der erste Satz von Vivaldis Herbst so richtig beginnt und die anderen tanzen, die in den Kostümen, die ohne Eiswürfel, die Langweiligen.

Friday, April 28th, 2000

Kreuznägel

Wie Sterne funkeln, hoch über und vor mir, entfernte Lichtpunkte. Die Luft ist stickig. Noch Minuten vorher fuhr ich in der Straßenbahn auf der Suche nach den Maple Leaf Gardens (vage erinnerte ich mich an eine Parkanlage) an manchem Bankturm und sogar der Reichsschrifttumskammer vorbei. Der Park fiel immer weiter zurück, denn dort war es finster und leer gewesen. Nichts passenderes aber tauchte auf, und so stieg ich endlich aus, zu Fuß die Straße zurück, immer auf der Suche nach dem Maple Leaf Garden, der Blauen Blume dieses langen Freitags, die Trent Reznor und seine Krachmacher zum Blühen bringen sollten. Und ich brauchte sie dazu nur zu finden. Die Blume.
Wieder erreiche ich, diesmal zu Fuß, die Parkanlage. Eine Gewächshauskuppel wölbt sich, mit Glühbirnen geschmückt und angerostet, groß, aber nicht groß genug, um ein Hockeystadion zu fassen. Ratlos stehe ich auf dem Asphalt, Yonge Street und bekanntes Terrain schon im Blick. Kein Rasenstück mehr zu sehen, kein Garden weit und breit. Wieder fällt mein Blick auf die scheußliche Fassade der Reichsschrifttumskammer, kantiger Stein ragt eckig, aber: auf den quadrigen Steinrippen steht nicht Reich und nicht Schrifttum. Auf den Rippen steht “Maple Leaf Gardens” und jetzt muß ich aber doch, Dunkelheit herrscht ja längst, lachen.
“Tickets”, sagt ein Langhaariger verschwörerisch vor dem Eingang, ich bin viel zu spät, macht aber nix, schon für 75 Dollar gibt er mir sein letztes. Bestes auch. 40? Auch gut. Drinnen Lärm, Lichtschau und der eingangs erwähnte Feuerzeugsee in den Rängen, kitschige Sterne am Himmel der Reichsschrifttumskammer.

Thursday, February 24th, 2000

Bassa Selim Plimplimplim

Die Entführung aus dem Serail ist in vollem Gange, als mir auffällt, woher ich die Stimme Osmins kenne: es ist die deutsche Stimme von Blut-Svente oder Messerjocke selber. Robert Lloyd. Und während ich noch diese Entdeckung verdaue und Curd Jürgens als Bassa Selim höre, entdecke ich ein weiteres Detail, das mir einen kurzen Freudenquieker entlockt. In Pipi in Taka-Tuka Land spielt nicht nur Wolfgang Völz (woran ich mich dunkel erinnere) einen der Seeräuber, sondern auch – Aku-Aku, Kon-Tiki und Taka-Tuka weisen die Richtung – der große Thor Heyerdahl spielt einen. Das sind Querverbindungen, -schläger fast, die euphorisch stimmen. Aku! Aku! Taka-Tuka!

Friday, February 18th, 2000

Stöhnen

Leise zunächst strömen die Töne. Ich drehe am Aktivlautsprecherlautstärkeregler um die Lautstärke der Wiedergabe den Wahrnehmungsschwellenwerten meines Gehörs anzupassen und denke kurz an Fechners Law vom Vortag. Die wahrgenommene Lautstärke von Bachs Goldberg-Variationen ist proportional, denke ich, zum Logarithmus der Intensität durch die vergangene Zeit mal einer Konstanten. Plus irgendwas. Mittlerweile ist die Lautstärke erheblich heraufgeregelt und immer noch zu leise, vermutlich ein Konstantenfehler irgendwo in Fechners DA! Ich mache einen kleinen Satz auf meinem Plastikhochsitz und regle zügig herunter. Es fing die Aufnahme zwar leise an, aber Herr Gould macht sich ein Vergnügen aus Dynamik und Knalleffekt. Drei logarithmische Stufen in zwei Sekunden, das muß ihm jemand nachmachen.
Ich habe Hunger und gehe deswegen rasch in die zu dieser Nachtzeit natürlich eigentlich geschlossene Cafeteria. Schon habe ich einen Loonie in den Junkfoodspender geworfen, da bemerke ich zweierlei: a) hier gibt es Chips mit Dill Pickle Aroma, jubilate! cantate! und b) an der Musikwiedergabe war mehr merkwürdig als die Lautstärke. Nämlich geht c) offenbar mein CD-Player jetzt kaputt und empfängt Radiosignale – etwa aus dem d) Weltraum? Mit einer Tüte Dillpickeltschipps bewaffnet kehre ich zurück an meine Edelstahltheke und drehe vorsichtig wieder lauter. Leise im Hintergrund unterhalten sich Leute. Oder singen sie mit? Kommt es gar nicht von der CD, sondern aus der Wand? Dem Abfluß? Dem plombierten Zahn? Und dann, endlich, wird mir klar: ich höre die berühmten Gould-Geräusche. Stöhnen, Seufzen, Summen. Und alles ist Frieden. Glenn Gould stöhnt für mich, während Dill Chips bachantisch knacken. Oder jedenfalls schmecken.

Sunday, January 30th, 2000

Der wahre Norden

Beim Vortrag erfährt man von künstlichen Fischen, die einen armen Meermann verfolgen und aufessen wollen, vorher aber muß das Publikum die kanadische Nationalhymne singen oder es versuchen, weil der Veranstalter irgendwas mit der Regierung zu schaffen hat. Alle alten Menschen im Saal singen gerne mit. Auch ich: The True North Strong and Free. Dann muß ich lachen und kann nicht weitersingen. Die Musik ist mir ja sowieso ganz neu. Nebenbei: wußten Sie, daß diese Hymne erst 1980 zur Hymne wurde und vorher ein hundsgemeines Lied war? Macht nix. We Stand ja schließlich on Guard for Thee!