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Gesundheit



Thursday, January 10th, 2002

Einheimische

Es ist mir ein Rätsel, warum nicht die Hälfte aller Alpen oder sonstiger Gebirgsdurchfahrer auf der Strecke bleibt. Ich erinnere mich lebhaft an eine Fahrt durch den Appenin, wir hatten es eilig zu einer Konferenz, deren Eröffnungsdiner lockte, aber wir sorgten uns auch wegen der Steilhänge neben der Straße und den vielen Kurven.

Eiliger als wir hatten es die Einheimischen, wie vom Teufel gepeitscht preschten sie um Kurven, um die man nun aber wirklich nicht drumsehen konnte, schnitten die Linkskurven wo immer möglich und benahmen sich auch sonst reichlich lebensmüde. Vor jeder scharfen Biegung sah ich schon den angerosteten Kleinlieferwagen, der uns gleich frontal rammen und ins Nadelgehölz werfen würde. Es kam aber keiner.

Ob das einer besonderen Fähigkeit der Bewohner oder reinem Glück geschuldet ist, woher soll ich das wissen. Das nächste Mal, so schwuren wir uns, nehmen wir die Flachlandautobahn, und sei der Umweg noch so weit.

Das Abendessen haben wir verpaßt.

Thursday, March 16th, 2000

Oder

Wie seit einigen Tagen regelmäßig ziehe ich behutsam, dann kräftiger, am Rand, und beobachte mit leichter Irritation, wie das nachgebende Material zurückweicht und ihn freigibt. Ich halte kurz inne, aber nein, ich spüre nichts, keinen Schmerz, kein Bedauern. Nicht einmal Mitleid.
Wieder ziehe ich, und tatsächlich, langsam löst er sich, der leicht faulige, üble Geruch steigt wieder auf, und dann sehe ich ihn ganz. Er ist größer als ich dachte, auf der Unterseite längsgeriffelt und insgesamt ungesund verfärbt. Merkwürdiger allerdings ist sein Bett, in dem weit hinten der Ersatz heranwächst und sonst alles blank liegt. Behutsam ziehe ich die Socke über den linken Fuß und lege den Zehennagel beiseite. Trophäe oder Müll? Das überleg ich mir später.

Sunday, February 20th, 2000

Vom Abbiegen auf Holzplanken

Gerne liege ich, mit langsam welkender Wasserhaut, in grünlich gefärbter Badelauge und lasse die Erinnerung werkeln. War das nicht ein schöner Tag gestern? Die reizenden Erlebnisse auf der Bowlingbahn, wo wir eine Runde spielten, ehe wir bemerkten, daß die Gummirinnen an der Seite, die die Kugeln sicher an den Kegeln vorbeikugeln lassen, wenn man zu weit seitlich wirft, nicht abgesenkt sind. Wir bemerken es, weil eine Kugel, hurtig, der Schwalbe gleich, von links nach rechts im Zickzack nach vorne rast und die Kegel gnadenlos ummäht, ein gänzlich unerwünschtes Kegelkugelverhalten.
Oder zuvor, unter einem strahlendblauen Himmel mit Kunststoffbrettern an den wackelnden Füßen, im Skigebiet “Dagmar”, das wirklich so heißt. “Dagmar” enthält schöne Langlaufloipen, hübsch in die Hügellandschaft hineingewunden, und mit Rutschen, Fallen und Stöckestecken waren wir so beschäftigt, daß wir für dem Rückweg in Zeitnot gerieten. Die Dagmar-Loipenkarte, zudem, ist ein recht unlesbarer Mist. Sollten wir links abbiegen, oder rechts? Rasch war entschieden, und der Weg führte abwärts in einen Wald. Mißtrauen stünde, denke ich nachträglich und im warmen Wasser, dem Anfänger manchmal gut zu Gesicht. Die erste Kurve trug mich mit nicht unbeträchtlicher Geschwindigkeit aus sich heraus und in den Tiefschnee, der zum Glück bremste. Wie abgestellt bleibe ich im verschneiten Wald stehen, immerhin. Mühsam und schimpfend setzte ich die vermaledeiten Schieer zurück in die schmale Spur, und noch als ich wieder Schub mit den Stöcken gebe, bemerkte ich, daß der Anstieg steiler und die nächste Kurve erkennbar wurde. Und kaum war diese überstanden, fiel die Steigung auch schon ins Bodenlose. Mit aberwitziger Geschwindigkeit schoß ich auf einen Neunziggradschwenk des Weges zu. “Oh Nein! Nicht schon wieder”, konnte ich noch rufen, das Wasser plätschert unter den schwammigen Händen, dann rauschte ich, Beine voran, in einen Schneehaufen, und ein lustiges weißes Wölkchen staubte auf. Anschließend erfuhr ich, daß ich sekundenlang lachend auf dem Rücken gelegen haben soll, die Ski als einzig sichtbare Körperteile hoch in die frische Waldluft gestreckt, aber das verweise ich ins Reich wildester Fantasie.