Wednesday, April 4th, 2007
Der Innenraum erinnert an das Klischee eines Ameisenhaufens, wild schieben die Menschen ihre Gitterwagen durcheinander, ständig bilden und lösen sich Staus, denn Berkeley Bowl, der in einer ehemaligen Kegelbahn einquartierte Ökosupermarkt, besitzt zu viele Einkaufswagen. Die Kunden versuchen zwar, den Missstand zu beheben, indem sie die Wagen rappelvoll nach Hause schieben und dann dort geleert stehen lassen, aber die ausgelobte Belohnung unterhält eine rege Rückführökonomie, und am Grundärger ändert sich nichts. Man darf zu Stosszeiten darum nicht hier sein, aber hin und wieder vergesse ich das oder habe nicht die Wahl.
Die Schlangen an den Kassen sind seltsamerweise trotzdem überschaubar. Unter Umständen wie den gegenwärtigen biegen sich die aufgreihten Käufer normalerweise kreuz und quer durch den hinter den Kassen belassenen Stauraum und in die Regalreihen, ein argwöhnisches Lauern auf Schlangenplätze setzt dann ein, und in der Hoffnung auf eine etwas kürzere Schlange oder eine etwas schnellere Kassierkraft patrouillieren die Unnachgiebigen mit ihren Wagen auf und ab, quetschen sich durch die Wartenden und komplettieren den Wahnsinn. Aber heute sind die Schlangen grade und reichen kaum bis ans erste Regal zurück. Tortzdem mürrisch stelle ich mich an, der Menschen, ihrer Waren und ihres Gewusels überdrüssig.
Während ich den Kram aufs Band lade, reisst mich eine Stimme aus dem gramvollen Grant. You made me thirsty, sagt die Stimme freundlich, those look so good. Sie meint die gefrorenen Limonadenkonzentratdosen. Als Tim, vor einer Weile bei uns zu Besuch, erfuhr, dass die Limonade nicht frisch gepresst war, sondern aus der Dose, rümpfte er angewidert die Nase und stellte das vorher gelobte Getränk beiseite. Hilflos blicke ich auf die reifüberzogenen Dosen und suche nach Worten, finde keine und sage also „Now you made me thirsty, too.“ Kurse eines sogenannten Schlagfertigkeitspapstes preisen Google Anzeigen im Gmail Interface mir seit einer Weile an. Ich ahne, weshalb.
Das Band bewegt sich stossweise, und wird stossweise von mir beladen, und kurz vor Ende spricht sie mich wieder an, You got just the right balance between healthy and indulgent, freundlich, auffordernd, und diesmal fällt mir nicht mal eine Floskel ein, das Schweigen zieht sich, bis uns klar wird, ich werde nicht antworten. Sie unterschreibt ihre Quittung und wendet sich ab. Hi, sagt die Kassiererin zu mir. How are you?
Berkeley, Deutsch, Miniaturen | No Comments »