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Miniaturen



Thursday, February 17th, 2000

Fechner

Dr. Ken Norwich informiert über seinen heutigen Vortrag: “This talk will consist, essentially, of a morass of unfathomable equations (some 40 of them). Although none of these equations will be derived, you will have to understand them fully in order to follow the talk. Very little effort will be extended to make this easy. Already you see that this seminar is not for you. To compensate, in part, for the discomfort of sitting through a seemingly interminable sequence of equations, you will be offered coffee and cookies. My own assessment is that the compensation is not commensurate with the discomfort. The take-home message is that Fechner’s law, as originally formulated, is incomplete. (Do you really care? Do you even remember what Fechner’s law is?) The take home thought is that in the process of sensating, the brain does not behave like a camera, which passively maps external events into corresponding cerebral events, or like a computer which produces an output corresponding to a given sensory input. Rather, the brain takes an active part in the process of sensating, and seems to be about the simplest model of itself. But do you really think I can develop ideas of this depth in 40 or 50 minutes? Be serious!”

Wednesday, February 16th, 2000

Schneewoge

Als ich das Gebäude am frühen Morgen verlasse, ist niemand zu sehen. Im frisch gefallenen Schnee, keine Spuren von menschlichem Leben wie wir es kennen. Es ist nicht besonders kalt, und der Schneefilter über der Landschaft nimmt allem die Kanten. Und fügt andererseits Wälle und Berge hinzu. Geben und Nehmen. Auch College Street ist vollkommen leutelos. Knirschend gibt der nasse Schnee unter meinen Stiefeln nach. Knirsch, knirsch. War da ein Geräusch? Wie malerisch alles wirkt, wenn.. da war ein Geräusch. Im Umdrehen sehe ich aus dem Augenwinkel eine Schneewoge vor einem Schneepflug heranwalzen, ein kleiner Pflug, weshalb er auf dem Gehweg Platz hat. Aber nicht klein genug, weswegen ich keinen mehr habe. Ich springe zur Seite, der Schnee wälzt sich über meine Schuhe. Der Fahrer schaut nicht auf. Er liest ein Buch.

Tuesday, February 15th, 2000

Huhnkampf

Tip des Sensei: begegnet dem Karateka ein Huhn, kann dasselbe jederzeit durch einen beherzten Kiai (Aaaargh!) in der Bewegung schockgefroren und anschließend bequem gepflückt und zubereitet werden. Wird der Kiai nicht korrekt ausgeführt oder ist das Ki verwelkt, lacht sich das Huhn hingegen ins Flügelchen und es gibt trocken Brot und Suppe.

Sunday, February 6th, 2000

Frisur

Die kinesische Frisiererin, die mich, dem Sonntag zum Trotz, vom Wildwuchs befreit, tut das in Unkenntnis der englischen Sprache und unter gleichzeitiger Beachtung eines chinesischen Schnulzfilmes. Mir wird lull und lall bei der Vorstellung, wie sie grade eckige chinesische Schriftzeichen in meinen armen Kopf hineinschneidet, aber es stellt sich heraus, daß der Schnitt seine zehn Dollar wert ist. Und der Film war sogar vielleicht gut.

Sunday, January 30th, 2000

Der wahre Norden

Beim Vortrag erfährt man von künstlichen Fischen, die einen armen Meermann verfolgen und aufessen wollen, vorher aber muß das Publikum die kanadische Nationalhymne singen oder es versuchen, weil der Veranstalter irgendwas mit der Regierung zu schaffen hat. Alle alten Menschen im Saal singen gerne mit. Auch ich: The True North Strong and Free. Dann muß ich lachen und kann nicht weitersingen. Die Musik ist mir ja sowieso ganz neu. Nebenbei: wußten Sie, daß diese Hymne erst 1980 zur Hymne wurde und vorher ein hundsgemeines Lied war? Macht nix. We Stand ja schließlich on Guard for Thee!