Winterwind
Das erste, was mir auffällt, ist der Kinnbart, dünner, weißer Flaum schwebt vor mir über der Straße, wären die Haar dicker, dichter, es wäre ein Ziegenbart, wie bei einem asiatischen Weisen. Dann sehe ich die rosa Plastikfolie, die den Mantel ersetzt, sehe das Gesicht: eine alte Frau überquert vor mir die Straße. Die Unmöglichkeit des Bartes läßt mich kurz seitlich ausscheren. Ein Straßenbahnfahrer stellt mit schwarzer Stange eine Weiche, sie geht an ihm vorbei, spricht ihn an, er antwortet. Ich kann nichts hören. Links trägt sie einen Winterstiefel, rechts eine Plastiktüte am Fuß. Der Fahrer steigt in seine Bahn, sie bleibt an der Haltestelle stehen und schaut ins Leere. Ich überquere die Kreuzung, der eiskalte Winterwind heute weht mir den ganzen Tag schon ins Gesicht. Vielleicht fahre ich auch nur zu schnell.