{"id":759,"date":"2010-08-09T23:44:42","date_gmt":"2010-08-09T21:44:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=759"},"modified":"2010-08-10T02:55:49","modified_gmt":"2010-08-10T00:55:49","slug":"tante-suhrkamp-lasst-erzahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=759","title":{"rendered":"tante suhrkamp l\u00e4sst erz\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/3146969303\/\" title=\"sliced and diced\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3240\/3146969303_5311d1e37a_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>&#8220;Aus der Sicht des Gehirns&#8221;, Gerhard Roth, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, S. 40ff.:<\/p>\n<blockquote><p>So haben wir bis zu einer Distanz von ca. 6 Metern ein direktes r\u00e4umliches (stereoskopisches) Sehen, also eine echte Dreidimensionalit\u00e4t. [&#8230;] Die stereoskopische Tiefenwahrnehmung ist sehr pr\u00e4zise, und deshalb k\u00f6nnen wir mit ruhiger Hand fast auf den Millimeter genau nach nahe gelegenen Gegenst\u00e4nden greifen. Das hochpr\u00e4zise r\u00e4umliche Sehen ist aber auf den Nahraum beschr\u00e4nkt, was nat\u00fcrlich Sinn macht. Mit zunehmender Entfernung wird die Disparit\u00e4t der beiden retinalen Bilder immer kleiner, und ganz andere Hilfsmittel zur Entfernungssch\u00e4tzung kommen zum Einsatz, die auch mit einem Auge funktionieren. [&#8230;] Eines dieser Hilfsmittel heisst Bewegungsparallaxe und nutzt die Tatsache aus, dass bei seitlichen Kopfbewegungen nahe Gegenst\u00e4nde sich st\u00e4rker bewegen als etwas entferntere, und sich jene vor diesen hin und her zu bewegen scheinen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\nSehen wir mal davon ab, dass hier ein Wissenschaftler Stammeldeutsch schreibt &#8211; &#8220;was nat\u00fcrlich Sinn macht&#8221;, Lektor hin, Kommunikationswille her &#8211; dann bleiben immer noch die faktischen Gurken in diesem Kopfsalat: Disparit\u00e4tswinkel nehmen mit der Entfernung ab, soweit schon richtig, aber das bedeutet nur, dass in gr\u00f6sserer Entfernung gr\u00f6ssere Abstandsunterschiede n\u00f6tig sind, um denselben qualitativen Tiefeneindruck zu gewinnen. Wer schon mal im Wald gestanden hat, weiss, dass binokulares Tiefensehen durchaus nicht auf die n\u00e4chstgelegenen sechs Meter beschr\u00e4nkt ist; es sei denn, er war vor lauter B\u00e4umen zu abgelenkt, genauer hinzugucken. <\/p>\n<p>Die von Roth zur Behebung des von ihm erfundenen 3D-Notstands dann ins Feld gef\u00fchrte Bewegungsparallaxe ist drolligerweise geometrisch mit Disparit\u00e4ten vollst\u00e4ndig identisch: Ob ich mein Auge sechs Zentimeter seitw\u00e4rts verschiebe oder mir stattdessen dort einfach ein zweites wachsen lasse, perspektivisch ist das ein und dasselbe.<\/p>\n<p>Und &#8220;echte Dreidimensionalit\u00e4t&#8221;: auch Quatsch. Selbst mit f\u00fcnf Augen s\u00e4he man nicht hinter die Dinge, und w\u00e4re also noch immer von einer einzelnen visuellen Oberfl\u00e4che unterschiedlichen Abstands umgeben. Und in den Ausnahmef\u00e4llen, in denen man zwei Dinge hintereinander sehen k\u00f6nnte, im Fall schmaler Objekte etwa, oder bei transparenten Folien, sorgt die Disparit\u00e4tsgradientenschwelle meist daf\u00fcr, dass nicht beide gleichzeitig voll sichtbar sein k\u00f6nnen. Halten Sie doch mal zwei Finger hintereinander, einen nahe, einen weiter weg. Ist der Abstandsunterschied gross genug, sieht zwar jedes Auge beide Finger, aber binokular oder  &#8220;echt dreidimensional&#8221; sieht man nur den, den man direkt ansieht. Der andere Finger wird doppelt gesehen, sein Abstand ist unsicher. David Marr nannte das visuelle Ergebnis deshalb den &#8220;two-and-a-half-D sketch&#8221;. Zweieinhalb-D, Herr Roth, &#8220;echt&#8221;.<\/p>\n<p>Ich freu mich schon aufs vollst\u00e4ndig \u00fcberarbeitete Kapitel zum freien Willen. Das wird bestimmt toll.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Aus der Sicht des Gehirns&#8221;, Gerhard Roth, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, S. 40ff.: So haben wir bis zu einer Distanz von ca. 6 Metern ein direktes r\u00e4umliches (stereoskopisches) Sehen, also eine echte Dreidimensionalit\u00e4t. 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