{"id":753,"date":"2010-07-13T06:56:39","date_gmt":"2010-07-13T04:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=753"},"modified":"2010-07-13T06:57:24","modified_gmt":"2010-07-13T04:57:24","slug":"uniquely-bohring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=753","title":{"rendered":"Uniquely Bohring"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/4055657142\/\" title=\"extraction\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3490\/4055657142_8e1a5105ae_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Der Mensch sehnt sich nach Einmaligkeit, und sogar dieses Sehnen selber ist einmalig im Tierreich. Ebenso wie die Gehirnleistung, diese Rekursivit\u00e4t zu erkennen und sie dann in ein Blog zu schreiben. Die Liste der historisch vorgeschlagenen Einmaligkeiten ist lang, das Niesen stand vielleicht auch mal drauf fr\u00fcher &#8211; der Mensch, das einzige Tier, dem der Schneuzgott die Niesf\u00e4higkeit gab &#8211; geh\u00f6rt aber da gar nicht hin, weil: Katzen, Niesen, kein Problem. Die menschliche Emp\u00f6rung allerdings, wenn das Katzenniesen direkt vor, oder eigentlich quasi in der menschlichen Nase passiert: wom\u00f6glich einmalig. Das Tier an sich tritt fremdem Schleim in der Regel eher unemporen entgegen.<\/p>\n<p>Auch einmalig menschlich ist die F\u00e4higkeit, sich was in den Kalender zu schreiben, wozu man eigentlich \u00fcberhaupt keine Lust hat; oder B\u00f6cke, wie wir Menschen manchmal sagen. Zum Beispiel, naheliegend, zugegeben, aber man kann es sich ja nicht aussuchen, einen Zahnarzttermin. Wenn dem B\u00e4ren die Z\u00e4hne schmerzen, beisst er vielleicht ins Gras, weil er bei Zahnweh einen auf irgendwelchen Grasdrogen basierenden Grasbeissinstinkt hat, aber er setzt sich ganz sicher nicht zum Scheissen in den Wald und ruft von da seinen Zahnarzt an. B\u00e4ren hassen Zahn\u00e4rzte.<\/p>\n<p>Menschen nat\u00fcrlich auch, aber trotzdem rufen sie an und gehen dann hin, eine ganz erstaunliche Trennung von unmittelbarem Wohlergehen und seltsamen abstrakten Theorien. Wenn ich mich zwei Stunden lang qu\u00e4len lasse, dann wird es mir in einem halben Jahr besser gehen als ohne Qu\u00e4lerei, denke ich und setze mich in ein Wartezimmer voller Unterschicht. Derartiges zu denken ist auch eine einmalige F\u00e4higkeit, und zwar genauer gesagt: eine einmalig bescheuerte. Das ahnt man, wenn man aus dem Unterschichtgewimmel in den zerknitterten Behandlungsraum gerufen wird. Diese Ahnung verdichtet sich, wenn der Arzt ohne Vorwarnung mit einer riesigen Spritze mehrmals so tief unter die Zunge sticht, dass man sie hinten am Hals wieder austreten sp\u00fcrt, mit einem funkelnden Lidocaintropfen dran. Ein inneres Auge, die imaginierten Schrecken zu z\u00e4hlen, auch das vielleicht einmalig. Dank dir fein, Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Und man weiss es aber ganz sicher, nachdem der Arzt einen Eisenring \u00fcber einen Zahn gezogen und den Mund mit einem Gummituch zugezeltet hat, und Panik aus dem Menschenmagen aufsteigt, und zwar nicht \u00fcbertragen oder metaphorisch, sondern so richtig. Herzrasen, Hirnschummer, Adrenalin, alles da. Are you all right, fragt der Arzt, aber mehr als ein Brummen ist zur Antwort nicht drin, wegen Gummizelt im Maul. Patient brummt, Herzerl gsund, denkt der Arzt. Und bohrt. F\u00fcnfundvierzig Minuten lang.<\/p>\n<p>Und ein paar Stunden sp\u00e4ter hat man dann nat\u00fcrlich schon wieder alles vergessen und lutscht zur Belohnung am Zucker. Grad als wie die Tiere.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch sehnt sich nach Einmaligkeit, und sogar dieses Sehnen selber ist einmalig im Tierreich. Ebenso wie die Gehirnleistung, diese Rekursivit\u00e4t zu erkennen und sie dann in ein Blog zu schreiben. 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