{"id":742,"date":"2010-06-18T21:50:50","date_gmt":"2010-06-18T19:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=742"},"modified":"2010-06-20T21:55:29","modified_gmt":"2010-06-20T19:55:29","slug":"geheimnis-des-fuhlens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=742","title":{"rendered":"Geheimnis des F\u00fchlens"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/4707946842\/\" title=\"CXXXVII\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm5.static.flickr.com\/4013\/4707946842_e40ef1f25a_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p><strong>Deine Schw\u00e4rze, Hirn, verdammen wir.<\/strong> <br \/>\nVor Jahren schon bin ich aus der Kirche ausgetreten, durch eine viel zu hohe, schwere Holzt\u00fcr, aber den liturgischen Formeln hat das nichts von ihrem mystischen Rauschen genommen. Das wurde mir in der Kindheit eingepflanzt, neben all den anderen Filtertierchen, die an den Nerven saugen, und da hockt es nun und lauert auf ein passendes Ger\u00e4usch. Ich bin nicht komplett gl\u00fccklich, dass du eingingst unter mein Dach, Filtertierchen, aber h\u00f6r nur ein Wort, so f\u00fchl ich mich wieder wie das Kind, das vor der Beichte zittert. Das war, im R\u00fcckblick, nicht die schlechteste Zeit. Eine Angst vor Unerheblichem, danach Erleichterung und Eisbecher in der Sommersonne.<\/p>\n<p><strong>Deine Hellerwerdung preisen wir.<\/strong><br \/>\nEs ist nicht nur der Aufzug, der heute nicht beim ersten Schliessen der T\u00fcr einige Zentimeter durchsackt, die T\u00fcr wieder \u00f6ffnet und dann erneut schliesst, sondern gef\u00fcgig gleich sackt, als ich reinkomme, schliesst und brav losf\u00e4hrt, obwohl auch das eine angenehme \u00dcberraschung ist. Aber auch in mir ist es heute anders, die Ruinen des Geschehenen ragen unver\u00e4ndert in die d\u00fcnne Luft des Gebirges Vergangenheit, aber das Denken f\u00e4llt jetzt leichter in der d\u00fcnnen Luft. Die Dummheiten einzelner bleiben zwar dumm, Entt\u00e4uschung und Zur\u00fcckweisung schmerzhaft, Einsamkeit in der Krise ein kalter Keks aus Beton, aber das Monstrum, das diese Einzelheiten frass und umfassende Isolationsangst und Verzweiflung zur\u00fcck in die Nervenbahnen schiss, schl\u00e4ft heute, <a href=http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oUMwu_gXK7Q>hush, my darling, Ingonyama ifile<\/a>, mit <a href=http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/20548058>Acetaminophen<\/a> bedacht. Und erst durch seine Abwesenheit bemerke ich den chronischen Schmerz der letzten Monate. Sch\u00e4digte die Seelenwunderdroge Paracetamol nicht Nieren und Leber &#8211; aber jetzt zieh ich mir nicht auch noch eine Konjunktivitis zu: w\u00e4re die Katze ein Pferd, k\u00f6nnte man auf ihr den Baum raufreiten. Das w\u00e4re toll, aber die Katze ist kein Pferd, und Paracetamol keine Dauerdroge. Gehorchen m\u00fcssen wir den Indikativen, die uns in Bande gelegt. Immerhin ein Tag Urlaub von der Kaputtheit, ist doch auch was.<\/p>\n<p><strong>Bis du denkst in Herrlichkeit.<\/strong><br \/>\nDie Eltern der jungen Familie, die nach mir aus dem sackenden Aufzug steigt, sind selbst noch Kinder. Die Mutter zetert am Schn\u00fcrchen auf die beiden Kinder ein, die nichts nachvollziehbar falsch machen, der Vater meldet irgendwann sch\u00fcchtern an, dass das kleinste doch einfach nur aufs Klo m\u00fcsse. &#8220;Nothin I can do, he don&#8217;t have to pee, he just want the junk food that in this bag and he don&#8217;t want to wait till we get somewhere where there hotdog or something&#8221; ramentert es zur\u00fcck, dann noch ein paar inhaltlose Aggressionslaute in Richtung der Kinder, jedes kriegt eine faustvoll Karamellpopcorn ins Maul und ein Filtertierchen in den Kopf, it deepens like a coastal shelf, und der einfahrende Zug trennt g\u00fctlich unsere Wege.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deine Schw\u00e4rze, Hirn, verdammen wir. Vor Jahren schon bin ich aus der Kirche ausgetreten, durch eine viel zu hohe, schwere Holzt\u00fcr, aber den liturgischen Formeln hat das nichts von ihrem mystischen Rauschen genommen. 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