{"id":739,"date":"2010-05-29T01:26:08","date_gmt":"2010-05-28T23:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=739"},"modified":"2010-05-29T01:27:22","modified_gmt":"2010-05-28T23:27:22","slug":"kritik-der-korperlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=739","title":{"rendered":"Kritik der K\u00f6rperlichkeit"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/2986888660\/\" title=\"sick cherry\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3147\/2986888660_ab3287a0ba_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Interessant, wie Urteilskraft sich aufl\u00f6st, wenn der Verstand sich erreimt hat, dass dem Gef\u00fchl nicht zu trauen sei. Nicht, dass die Hilflosigkeit des reinen Verstandes eine neue Erkenntnis w\u00e4re, findet man bei Hume zum Beispiel, aber sie mal eben so unmittelbar am eigenen Leib auszuprobieren, man kriegte das Experiment durch keine Ethikkommission. Und mir wirds gratis geliefert. Danke, Natur.<\/p>\n<p>Verlassenheit, Beistand und Verrat, Erwartung und Entt\u00e4uschung: wacklige Interpretationen alle. Selbst klar formulierte S\u00e4tze und die Intentionen einfacher Handlungen sind ratternden und schlecht ge\u00f6lten Deutungsmaschinen unterworfen, die, wenn sie aufh\u00f6ren, rund zu laufen, schwarze Rauchschwaden werfen, fumata nera, und da steh ich dann, entscheidungslos hustend im Faktennebel. Unfehlbarkeit ade.<\/p>\n<p>Was man anderen anvertraut und vorh\u00e4lt, Gr\u00fcnde, aus denen man sich freut, Ursachen der Verletzung: es ist ja alles konfabuliert und f\u00fcrs Selbstbegreifen irrelevant. Man f\u00fchlt diffus vor sich hin, sucht im Katalog der \u00dcberzeugungen eine farblich zum Feeling passende Rationalisierung, und bestellt dann blind: wird schon passen. Und passt wegen starker Dehnbarkeit auch meist. Bei arger Dissonanz winkt stillschweigender Umtausch.<\/p>\n<p>Sollte sich diagnostisch herausstellen, dass nichts von meiner Malaise aufs Konto des vermuteten Tumors geht, wenn das Peptid bloss den Normalfall probt, und also alle Verirrungen und Verwirrungen nicht der Dr\u00fcse, sondern eben doch wieder dem Hirn zur Last zu legen w\u00e4ren, warum eigentlich w\u00e4re das schlimmer? Warum sollte ich verantwortlich sein, wenn mein Gehirn selbst spinnt, aber nicht, wenns nur spinnt, weils in einer Nebenschilddr\u00fcse rappelt? Warum muss \u00fcberhaupt immer irgendwer schuld sein, und nicht vielmehr nichts? Kann ich denn was f\u00fcr den Unsinn, den meine Zellen so treiben?<\/p>\n<p>Kollateral der Selbstunterwanderung: festen Grund zu finden im Sumpf zwischen Paranoia und Vertrauen ist unm\u00f6glich, wenn man schon den eigenen F\u00fcssen nicht traut. Was aber macht man mit denen, denen man entweder den Kopf mit sauren Kieseln waschen m\u00fcsste, oder aber reuig die Hand reichen, und man weiss aber nicht welches? Kopf mit der Hand waschen? Saure Kiesel reichen? Und wenn man dann vorsichtshalber gar nichts macht, ist das nicht ein Punkt f\u00fcr die Paranoia?<\/p>\n<p>Und wozu eigentlich die Nabelschau? Das Internet hat doch gar keine Ohren, nur ein System von R\u00f6hren, und eine Armee von Katzen auf der Suche nach Noms. Aber immerhin vergeht so die Zeit. Den ganzen Tag XBox geht ja auch nicht.<\/p>\n<p>T minus f\u00fcnf.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interessant, wie Urteilskraft sich aufl\u00f6st, wenn der Verstand sich erreimt hat, dass dem Gef\u00fchl nicht zu trauen sei. Nicht, dass die Hilflosigkeit des reinen Verstandes eine neue Erkenntnis w\u00e4re, findet man bei Hume zum Beispiel, aber sie mal eben so unmittelbar am eigenen Leib auszuprobieren, man kriegte das Experiment durch keine Ethikkommission. 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