{"id":693,"date":"2009-09-10T20:18:45","date_gmt":"2009-09-10T18:18:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=693"},"modified":"2009-09-11T00:19:59","modified_gmt":"2009-09-10T22:19:59","slug":"soab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=693","title":{"rendered":"soab"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/2465795671\/\" title=\"we have you surrounded\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2187\/2465795671_e4556daf67_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>I<br \/>\nIhr Mann, sagt die Krankenschwester, wolle seit Jahren ein Klappfahrrad kaufen. Er wolle sich gerne mehr bewegen, radeln sei da perfekt, nur seien normale R\u00e4der so sperrig, aber dieses Fahrrad, das sehe ja perfekt aus. Ob sie es mal hochheben d\u00fcrfe. Sie darf. Fantastisch, sagt sie noch einmal, zum dritten Mal, dann erlischt das L\u00e4cheln, sie nimmt ihr professionelles Gesicht aus dem Etui. Von solchen Nebenwirkungen habe sie noch nicht geh\u00f6rt, das klinge ja schlimm, sie k\u00f6nne da weiter nicht viel zu sagen. Dann gibt sie mir einen Termin bei der \u00c4rztin der Klinik, eine Woche sp\u00e4ter. Ob sie mit rauskommen d\u00fcrfe, mir beim Zusammenbau des Rades zuzusehen. Sie darf.<\/p>\n<p>II<br \/>\nThat&#8217;s cool, sagt eine Woche sp\u00e4ter die junge Rezeptionistin und deutet durch die Glaspanele neben ihrer B\u00fcrot\u00fcr aufs zusammengkelappte Rad. You ride around here? Vom und zum Bahnhof, sage ich. That&#8217;s cool, sagt sie nochmal und tr\u00e4gt meine Krankenakte doktorw\u00e4rts. Die Schwester komme gleich und gebe Bescheid, sagt sie nach der R\u00fcckkehr, dreissig Minuten zu sp\u00e4t sei ich ja. Und dass das toll sei, das Fahrrad.<\/p>\n<p>Das findet auch die Schwester, die die Akte einige Minuten sp\u00e4ter wiederbringt und bleibt kurz davor stehen, um ihrer Bewunderung Ausdruck zu geben. Man k\u00f6nne mich nicht mehr dazwischenschieben, drei andere warteten noch, und die \u00c4rztin m\u00f6chte schliesslich p\u00fcnktlich in ihre Mittagspause. Die Rezeptionistin gibt mir einen Termin f\u00fcr n\u00e4chste Woche, p\u00fcnktlich sein, mahnt sie, die \u00c4rztin sei da pingelig. Ich quittiere die Fahrradkomplimente der Schwester mit einem Nicken und gehe nach draussen, wo ich ein paar Minuten reglos stehe, im Kopf das helle Rauschen der Schlaflosigkeit. Dann radle ich davon.<\/p>\n<p>III<br \/>\nOh, it&#8217;s you again with your bike, sagt die Krankenschwester mit dem Mann und l\u00e4chelt, und ich nicke stumm und schaue in die andere Richtung. Seit f\u00fcnfundvierzig Minuten sitze ich jetzt hier, eineinhalb Stunden werden es insgesamt sein, ehe man mich ins Behandlungszimmer rufen wird. Vor zehn Tagen habe ich selbst entdeckt, dass das Absetzen meiner Bluthochdruck- und Cholesterinmedikamente die Nebenwirkungen ertr\u00e4glich macht, die H\u00f6lle zum Fegefeuer mildert, ich weiss gar nicht, weshalb ich eigentlich heute noch gekommen bin, warum ich denen die Gelegenheit gebe, mich warten zu lassen. Insult to injury.<\/p>\n<p>One fourty over one hundred, Kai, sagt die Schwester. Sie sagt jetzt dauernd meinen Vornamen, weil ich mich unzweideutig \u00fcbers Weggeschicktwerden beschwert habe. Ich durchschaue die quietschende Mechanik, aber es wirkt trotzdem. Hier gelte ich was, als Person. Hier darf ich sein. You need to talk to your primary doctor, we don&#8217;t want you having a stroke. Ja, nein, ich doch auch nicht.<\/p>\n<p>Die \u00c4rztin hat dem nichts hinzuzuf\u00fcgen. Mit meinem Hausarzt solle ich sprechen. Es tue ihr leid, dass man mich weggeschickt habe. Wieviel ich denn so Rad f\u00fchre. Sieben Kilometer t\u00e4glich! Das sei ja ganz sch\u00f6n viel.<\/p>\n<p>Als die T\u00fcr hinter mir zuf\u00e4llt, sage ich halblaut Son of a Bitch. Ich fluche jetzt n\u00e4mlich auf Englisch.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I Ihr Mann, sagt die Krankenschwester, wolle seit Jahren ein Klappfahrrad kaufen. Er wolle sich gerne mehr bewegen, radeln sei da perfekt, nur seien normale R\u00e4der so sperrig, aber dieses Fahrrad, das sehe ja perfekt aus. Ob sie es mal hochheben d\u00fcrfe. Sie darf. 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