{"id":625,"date":"2008-03-24T21:40:00","date_gmt":"2008-03-24T19:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=625"},"modified":"2008-03-24T22:04:30","modified_gmt":"2008-03-24T20:04:30","slug":"unsere-kleine-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=625","title":{"rendered":"Unsere kleine Strasse"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/2152708820\/\" title=\"photo sharing\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2014\/2152708820_ac7ed8742d_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>1<br \/>\nDie Kleinfamilie von gegen\u00fcber habe ich noch nie anders gesehen als im Streit. \u00dcberhaupt habe ich sie nur sehr selten gesehen, die beiden Fenster, die auf die Strasse blicken, sind blind, Ikearollos am Fadenzug sind eine milchige Barriere gegen die Menschen auf unserem Block. Man h\u00f6rt sie aber oft, die dicke Frau und den Mann in Feinripp, wie sie sich anschreien, Motherfucker, fucking, worum es geht, ist schwer zu verstehen, auch wenn man, wie ich jetzt, am Fenster steht und den Vorhang aus Milch ein wenig zur Seite zieht. Sie ist vor der T\u00fcr, bringt M\u00fcll raus, geht schwerf\u00e4llig zum Auto, er steht auf dem Treppenabsatz, und sie schreien sich \u00fcber die paar Meter k\u00fcmmerlicher Distanz hinweg an, nicht voll Hass, hilflos eher, und \u00fcberfordert von einem Leben, dessen Gesetze sie nicht begreifen. Zwischen ihnen der Vierj\u00e4hrige, d\u00fcmpelt wie ein kleines Ruderboot ohne Anker und will bei keinem der beiden sein, beim Vater nicht, nicht bei der Mutter, die ihn mit sich zerrt, zum Dreirad, w\u00e4hrend sie \u00fcber die Schulter br\u00fcllt, keine Argumente, keine Forderungen, blosse Zornes- und Frustrationsger\u00e4usche. Das Kind l\u00e4uft um den Vater herum nach drinnen, die Eltern schreien sich noch einen Moment an, dann gehen sie auch rein, das Kind kommt sofort wieder raus, gefolgt von der Mutter, die es aufsammelt und nach drinnen tr\u00e4gt, br\u00fcllend. Die T\u00fcr f\u00e4llt zu.<\/p>\n<p>2<br \/>\nGegen\u00fcber auf den Stufen der little white box sitzt oft ein Pitbull-Terrier und betrachtet die Strasse, die sich dabei vermutlich f\u00fchlt wie eine Antilope im Kino, wenn die Antilope aufs Klo muss, um sie rum sitzen aber nur L\u00f6wen und wollen nicht aufstehen. Der sitzende Pitbull hat alle seine Molek\u00fcle in Einheit auf Lauern geb\u00fcrstet, jedes H\u00e4rchen lauert da, keins tanzt aus der Reihe, er ist ein gespannter Bogen. Vor vier Tagen dann schnellte er pfeilschnell von der Treppe, der kleine Nachbarshund kl\u00e4ffte vorbei und musste zerbissen werden. Zerknirscht die Besitzerin, nat\u00fcrlich komme sie f\u00fcr die medizinischen Kosten auf. Weil der Pitbull aber auch seine Z\u00e4hne auf Angriff b\u00fcrstete, und der kleine Nachbarshund so klein ist, war der Schaden gross, 1000 Dollar Anzahlung verlangte der Tierarzt, 2500 werdens insgesamt werden. Als Katy und JJ, die studentischen Besitzer des zerfleischten H\u00fcndchens, das der Nachbarin erz\u00e4hlen, ist sie entsetzt, sie hat doch kein Geld, und die T\u00f6chter aus dem Auto werfen erbost ein, das sei typisch f\u00fcr die Weissen, immer wollten sie nur Geld. Katy bem\u00fcht sich jetzt darum, den Pitbull einschl\u00e4fern zu lassen, und will der Nachbarin das Auto wegnehmen.<\/p>\n<p>3<br \/>\nDie neuen Mieter im zweiten Stock, beugen sich, als sp\u00e4t nachts wiederholt Musik nach oben brandet, aus dem Fenster und bitten um Ruhe. Sie k\u00f6nnten, erwidert man von hinter dem abgewrackten Lieferwagen, aus dem der L\u00e4rm kommt, gerne runterkommen, und die Forderung wiederholen, man bringe sie dann um. Am n\u00e4chsten Morgen haben die neuen Mieter im zweiten Stock Eier an den Fensterscheiben. Sie ziehen zwei Wochen nach dem Einzug wieder aus.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Die Kleinfamilie von gegen\u00fcber habe ich noch nie anders gesehen als im Streit. \u00dcberhaupt habe ich sie nur sehr selten gesehen, die beiden Fenster, die auf die Strasse blicken, sind blind, Ikearollos am Fadenzug sind eine milchige Barriere gegen die Menschen auf unserem Block. 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