{"id":554,"date":"2007-04-06T00:30:49","date_gmt":"2007-04-05T22:30:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=554"},"modified":"2007-04-06T00:30:49","modified_gmt":"2007-04-05T22:30:49","slug":"reisevorbereitungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=554","title":{"rendered":"Reisevorbereitungen"},"content":{"rendered":"<p>Als die nachdenklichen Menschen vor einigen Jahrtausenden in eine Regenpf\u00fctze starrten und das Individuum entdeckten, wurden sie von dieser merkw\u00fcrdigen Beobachtung dazu verleitet, dieses sogenannte Individuum f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Gebilde zu halten, f\u00fcr eine losgel\u00f6ste, eigene Welt, in die die \u00e4ussere Welt nur als Wahrnehmung eindringe, als gepflegte Samstagabendunterhaltung mit Werbeeinblendungen, ein Schattenecho eines anderswo brennenden, heissen Fusionsfeuers, gefahrlos und jederzeit abschaltbar.<br \/>\nH\u00e4tten sie mal genauer hingeschaut, damals. Denn das Selbstbild in dieser Pf\u00fctze warf Wellen vom Wind, Kaulquappen perlten darunter hin und ehr, ein Laubblatt verbirgt den Ausdruck des Auges. Und nun kommt ein Fisch, verschlingt die jungen Fr\u00f6sche, die Pf\u00fctze ist ein Meer, eine Nahrungskette, eine Fresspyramide, \u00fcber der sich das mickrige Ich aufl\u00f6st, als  Schaumkrone auf den Sturmwellen und in Blasen zerst\u00e4ubt. In mittlerer Wassertiefe dieser Metapher schwimmt ein Atom-U-Boot, die Besatzung sehnt sich, nach unterschiedlichen Dingen und doch gemeinsam und aus dem Reaktor leckt Plutonium oder C\u00e4sium, oder irgendein anderer Scheiss, eine leuchtende, verschlungene Unterwasserspur einmal um den Globus, entlang der neues, leuchtendes Leben entsteht und sofort wieder vergeht, die absinkenden verkr\u00fcppelten und vergifteten Flossen und Schw\u00e4nze und Herzen Nahrung f\u00fcr einen hungrigen Bodenbewohner. Aber genug davon.<br \/>\nIm Aquarium hat sich nichts weiter ereignet, seit die Schwerttr\u00e4gerin sich einen Bauernhof kaufte. Hunde, Ottos und Pleco ern\u00e4hren sich von Unsichtbarem, eingeworfenes Futter wird nicht beachtet, die Tiere scheinen nicht auf mich angewiesen, aber das ist m\u00f6glicherweise auch nur ein Trug. \u00dcberst\u00fcnden diese Bodenbr\u00fcter zwei Wochen Einsamkeit? Die \u00fcberlebenden Schwerttr\u00e4ger knabbern lustlos am eingeworfenen Futter, denn auch sie haben offensichtlich einen Job gefunden und kommen jetzt alleine durch. Drei Tage gabs nichts zu fressen, dem Ammoniak Einhalt zu gebieten, und die Fische kacken trotzdem wie die Weltmeister. Die Schnecken ern\u00e4hren sich ohnehin von gr\u00fcnem Schleim, und davon ist ja genug da.<br \/>\nBleiben die einsame Barbe und das Cichlidenpaar. Godzilla habe ich noch nie essen sehen, von irgendwas muss er sich aber wohl doch ern\u00e4hren. Godzilla seine Frau nimmt zwar eingeworfenen Quatsch gerne entgegen, zupft aber ansonsten keck an den Pflanzen rum. Und die Barbe, herrje, wer versteht schon Barben? Ausser Sterben haben die doch nichts im Kopf.<br \/>\nJetzt habe ich abs\u00e4tzelang vor mich hin ramentert, bin der Antwort auf die ausl\u00f6sende Frage aber immer noch nicht n\u00e4her gekommen: kann das Aquarium zwei Wochen ohne mich dastehen, oder braucht es einen menschlichen Aufpasser? Und kann man denn \u00fcberhaupt jemandem zumuten, die Verantwortung f\u00fcr die sich ja sicherlich schon anbahnende n\u00e4chste Katastrophe zu \u00fcbernehmen?<br \/>\nAch, w\u00e4re man das Spiegelbild einer Insel in einer leeren Pf\u00fctze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die nachdenklichen Menschen vor einigen Jahrtausenden in eine Regenpf\u00fctze starrten und das Individuum entdeckten, wurden sie von dieser merkw\u00fcrdigen Beobachtung dazu verleitet, dieses sogenannte Individuum f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Gebilde zu halten, f\u00fcr eine losgel\u00f6ste, eigene Welt, in die die \u00e4ussere Welt nur als Wahrnehmung eindringe, als gepflegte Samstagabendunterhaltung mit Werbeeinblendungen, ein Schattenecho eines anderswo [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,4,55,41],"tags":[],"class_list":["post-554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-animals","category-deutsch","category-fischtagebuch","category-nature"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=554"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}