{"id":528,"date":"2007-03-16T21:38:51","date_gmt":"2007-03-16T19:38:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=528"},"modified":"2007-03-16T21:38:51","modified_gmt":"2007-03-16T19:38:51","slug":"algenpest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=528","title":{"rendered":"Algenpest"},"content":{"rendered":"<p>Vorerst und unter selbstverst\u00e4ndlich Irrtumsvorbehalt ist die Antwort leider offensichtlich. Eine der beiden Kriegsparteien kniet mit betroffener Miene vor dem Becken und starrt einer Fischfrau hinten drauf, kratzt sich am Kinn und ratlos am Kopf, w\u00e4hrend die andere in aller Ruhe Blut saugt und hin und wieder den Spitzkopf aus dem Versteck reckt. Ich denke dann jedesmal, Jetzt!, Ha!, Erwischt!, einmal kam das rote Ding einen halben Zentimeter weit aus dem selbst nicht sonderlich langen Fisch, und ich war mir also sicher, der Obsz\u00f6nit\u00e4t jetzt aber endlich chemisch das Lebenslicht ausgepustet zu haben. Aber so rasch der Wurm heraus gekommen war, so flugs verschwand er auch wieder im Fischdunkel. Vermutlich hatte er sich verlaufen.<br \/>\nIst also der Wurm unbesiegbar? Die kurze Ern\u00fcchterung, die diesem Gedanken folgt, macht meine Augen \u00fcbers Aquarium hinschweifen, und ein k\u00fchler Schrecken rinnt mir den R\u00fccken hinab, denn kein anderer Fisch ist mehr zu sehen. Genaugenommen ist auch keine Pflanze mehr zu sehen, und die R\u00fcckwand schon zwomal nicht, denn das Becken ist voll von einer tr\u00fcben, gr\u00fcnlichen Br\u00fche, organische Partikel treiben dicht darin, kleine Algenst\u00e4dte und Algen-U-Boote tummeln sich, vielleicht findet eine Algenkonferenz statt irgendwo in dem Gewirbel, Algenliebe, Algenzorn, wer kann es wissen. Es ist eine Algenbev\u00f6lkerungsexplosion im Gang, 7 Billionen Algen wohnen auf engstem Raum, das kann ja nicht gutgehen.<br \/>\nAlgen werden angeblich von Pflanzen \u201elocker ausgebremst\u201c (Aquaristenfachsprache), weil Pflanzen einen Evolutionsvorteil besitzen und N\u00e4hrstoffe schneller und gr\u00fcndlicher aus dem Wasser klauben als die niedrigen und dummen Algen mit ihren fliehenden Stirnen (zwei pro Alge). Das sagt jedenfalls die Theorie, in der Praxis ist es wieder mal umgekehrt, n\u00e4mlich zwicken die Algen vom Lichtstrom sich ein betr\u00e4chtliches Scherflein ab, f\u00fcr ihre eigenen Photosynthesezwecke, und die Pflanzen k\u00f6nnen sehen, wo sie bleiben: im Dunkeln n\u00e4mlich. Das mag paradox scheinen, weil auch Pflanzen ja im Dunkeln \u00fcberhaupt nicht sehen k\u00f6nnen, und also auch nicht sehen k\u00f6nnen, wo sie bleiben, sondern nur Schw\u00e4rze, aber das ist ja auch genau, wo sie bleiben, und so rum stimmts dann wieder.<br \/>\nUm diesen schlimmen Kreislauf zu brechen, m\u00fcssen wohl die algenn\u00e4hrenden N\u00e4hrstoffe stofflich entzogen werden, zusammen mit dem Gros der Algenpopulation am Besten. Es sind also, mit anderen Worten, Wasserwechsel knallhart durchzuziehen. In den Eimer, den ich daf\u00fcr angeschafft habe, passen 24 Liter Wasser, denn er ist ein grosser Eimer. Zweimal f\u00fclle ich ihn aus dem Aquarium mit gr\u00fcner Suppe, giesse dann kristallklares Frischwasser zur\u00fcck ins Becken, und am Ende sieht man tats\u00e4chlich wieder was.<br \/>\nUnd was sieht man da? Die Barben sind krank.<br \/>\nZefix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorerst und unter selbstverst\u00e4ndlich Irrtumsvorbehalt ist die Antwort leider offensichtlich. Eine der beiden Kriegsparteien kniet mit betroffener Miene vor dem Becken und starrt einer Fischfrau hinten drauf, kratzt sich am Kinn und ratlos am Kopf, w\u00e4hrend die andere in aller Ruhe Blut saugt und hin und wieder den Spitzkopf aus dem Versteck reckt. 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