{"id":521,"date":"2007-03-15T01:03:59","date_gmt":"2007-03-14T23:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=521"},"modified":"2007-03-15T01:03:59","modified_gmt":"2007-03-14T23:03:59","slug":"fenbendazol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=521","title":{"rendered":"Fenbendazol"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich vor dem Becken kniee, dann reicht die w\u00e4ssrige Front mir bis \u00fcber den Kopf, und aus dieser N\u00e4he ist dann die ganze Welt aus Wasser, genau wie f\u00fcr die Fische, die drin wohnen m\u00fcssen, ja auch. Man kann aus dieser Perspektive sehr genau sehen, was die einzelnen Tiere so machen, schwimmen n\u00e4mlich (alle), den Boden durchw\u00fchlen (Hunde), die Pflanzen abschlecken (Ottos), kacken (Schwertttr\u00e4ger), beziehungsweise eben Arschlametta spazierenf\u00fchren (Cichlidin). Und einerseits soll man ja dem Tier nicht vorschreiben wollen, wie es seinen Tag zubringen soll in seiner kleinen Kunstwelt, sonst hat man eh man sichs versieht einen Zirkus im Wohnzimmer und kein Aquarium mehr, und von da ist es nicht weit bis zu roten Nasen, grossen Schuhe und dem Ende der Zivilisation. Andererseits aber kann man ja nun auch nicht tatenlos zusehen, wie im eigenen Wohnzimmer Parasiten umhergetragen werden, die dann auch noch, wenn ich vor dem Becken kniee, sehe ich das ja sehr deutlich, hin und wieder die spitzen, roten K\u00f6pfe weit aus dem Rektum recken und vielleicht ein kleines Liedchen pfeifen, die wurmigen S\u00e4ue. Nein, das kann man gar nicht, es sieht auch nicht gut aus. Das Gew\u00fcrm muss weg.<br \/>\nDie Schreckensgeschichten aus dem Online empfehlen das Entwurmungsmittel Fenbendazol, alles andere, sagen sie, hilft nicht. Rumtelefoniererei ergibt, dass Fenbendazol vielleicht helfen mag, aber von niemandem gef\u00fchrt wird. Nur PetSmart, am anderen Ende der Welt, hat T\u00fctchen davon rumliegen, zur Hundeentwurmung, steht auf der Packung, und damit sind, man kann es an den Abbildungen sehen, keine dicken, tappsigen Fische gemeint, sondern so richtige Hunde mit so Fell und so.<br \/>\nDie Dosierung ist also v\u00f6llig unklar \u2013 pro zehn Pfund Hund soll man ein T\u00fctchen nehmen, steht auf der Packung, aber ich kann ja die Fischin nicht wiegen, und ausserdem ist sie gar kein Hund, sondern eine Fischin \u2013,  und ebenso unklar ist, wie ich dieses Pulvergift in die Fischin kriegen soll. Jedenfalls ist ja der eine Einf\u00fcllstutzen mit Wurm verstopft, und das Gift muss also vorne hinein. Als ersten Versuch lege ich Blutw\u00fcrmer \u00fcber Nacht in eine Pulverl\u00f6sung ein und kippe das Ensemble am Morgen komplett ins Wasser. Den Tag \u00fcber sorge ich mich wegen einer m\u00f6glichen \u00dcberdosierung, und erwarte halb, alle Fische tot an der Oberfl\u00e4che vorzufinden. Das w\u00fcrde mir eine Lehre gewesen sein, aber wieder einmal lerne ich nichts dazu, denn stattdessen hat sich einfach gar nichts ge\u00e4ndert. Den Fischen geht es gut. Den W\u00fcrmern auch.<br \/>\nMit dem zweiten T\u00fctchen wiederhole ich das nutzlose Experiment, schon kaum noch hoffnungsfroh, und wirklich hilft auch die zweite und gr\u00f6ssere Ladung Blutw\u00fcrmer, diesmal in doppelter Pulverkonzentration gebadet, rein gar nicht. Und auch Flocken, in Fenbendazol gebadet, sind dem Wurm ein Gel\u00e4chter und ein Klacks. Ein taffer Wurm, das muss der Neid dem blutsaugenden Gelichter lassen.<br \/>\nNoch schwimmen sie nun alle munter durch die Gegend, frohlockende Fische. Aber wenn in vier Wochen dann rote K\u00f6pfe aus allen \u00c4rschen sp\u00e4hen, wird es meine Schuld gewesen sein. Und das kann ja nun niemand wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich vor dem Becken kniee, dann reicht die w\u00e4ssrige Front mir bis \u00fcber den Kopf, und aus dieser N\u00e4he ist dann die ganze Welt aus Wasser, genau wie f\u00fcr die Fische, die drin wohnen m\u00fcssen, ja auch. 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