{"id":514,"date":"2007-03-07T23:30:15","date_gmt":"2007-03-07T21:30:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=514"},"modified":"2007-03-07T23:30:15","modified_gmt":"2007-03-07T21:30:15","slug":"camillanus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=514","title":{"rendered":"Camillanus"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend nun die frisch gestorbenen Fische trocknen, auf dem kleinen Brettchen im B\u00fccherregal \u2013 seine Geschichte erz\u00e4hle ich sp\u00e4ter \u2013 ist die Gelegenheit g\u00fcnstig f\u00fcr ein wenig Reflektion. In der letzten Folge ging ich leichthin dr\u00fcber hinweg, aber zuletzt ist es doch beunruhigend, dass die Empathie f\u00fcr die kleinen Flitzer so sehr abgenommen haben soll.<br \/>\nZwar war nat\u00fcrlich andererseits das Heulen und Wehklagen \u00fcber eines Fisches Tod, w\u00e4hrend vielleicht im Hintergrund grade ein Rindersteak in der Pfanne schmurgelt, auch weder angemessen noch w\u00fcrdevoll, aber die fast schon gleichg\u00fcltige Akzeptanz der Sterberei kann als anderes Extrem nun auch wieder nicht gutgeheissen werden. Verroht die Aquaristik ihre Betreiber?<br \/>\nVerwunderlich w\u00e4rs nicht, denn zuletzt ist die Mischung aus Allmachtsphantasie des Sch\u00f6pfungsverwalters Mensch, die ja in jedem Haustier von neuem sich ihrer Relevanz versichert, und f\u00fchllosem Wesen der Natur, die in diesen Becken auch nichts anderes tut als was sie draussen vor den Fenstern rund um die Uhr praktiziert, ja durchaus eine tragische. Denn so sehr die Einrichtung, Bepflanzung, Befischung und Bewunderung eines Aquariums das Gef\u00fchl vermitteln mag, man habe nun Schnitter Tod und Schubser Krankheit ein Schnippchen geschlagen, und qua Zivilisationsprozess den Ausgang aus dem langen, feuchten Tunnel Evolution gefunden, so kurzsichtig sind dergleichen Vorstellungen andererseits. Man kann sich noch so viele Fl\u00e4schchen und Pulver unter den Tisch schieben, in einem eckigen Weidenkorb, am Ende wird doch der L\u00f6ffel abgegeben und krepiert, und dann trocknet man auf dem Brettchen, seine Geschichte kennt ihr ja schon. Oder beziehungsweise eben noch nicht.<br \/>\nUnd obwohl also am Ende der Tod lauert, stimmt nat\u00fcrlich auch, dass zwischen dem  Schl\u00fcpfen und dem Krepieren ein ganzes Fischleben liegt. Mir w\u00e4re Rumschwimmen und Sachen Fressen zu wenig auf Dauer, aber den Fischen ist es offenbar genug, sie kennen nichts anderes, und wenn auch am Ende dieses verflixte Brettchen wartet, muss man den Tieren die Zeit bis dahin so gut wie m\u00f6glich einrichten.<br \/>\nUnd also Ursachenforschung betreiben. Es begab sich n\u00e4mlich, dass schon zu der Zeit als die Prachtbarsche noch ganz nagelneu waren, mir sonderbare rote Dornen oder Fussel auffielen, die aus dem Barscharsch ragten und sich gelegentlich, wie von eigenem Leben erf\u00fcllt, bewegten. Das Internet wusste dazu nichts, weder, ob Prachtbarsche \u00fcber Arschlametta verf\u00fcgen, noch wusste es von Parasiten, die hinten raus gucken, und ich liess die Fussel auf sich beruhen.<br \/>\nNun, um einen toten Fisch reicher, trage ich die Lamettabeobachtung erst zu den Fischh\u00e4ndlern, die sich zu einer munteren Dreiergruppe voll Kompetenz und Wissen zusammenrotten, und dann gemeinsam den Tanz der Ratlosigkeit tanzen, und dann zur\u00fcck ins Internetz, in dem doch angeblich alles drinstehen soll. Und als habe der Tod des Tiers das vermaledeite Netz gef\u00fcgig gemacht, gibt es die geforderte Information nun tats\u00e4chlich doch noch her. Camillanus heissen die W\u00fcrmer perverserweise, sie f\u00fcrchten sich vor Fenbendazol und fressen die Fische von innen her auf. Und das Prachtbarschm\u00e4dchen tr\u00e4gt sie mit sich herum.<br \/>\nH\u00f6rt das denn nie auf?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend nun die frisch gestorbenen Fische trocknen, auf dem kleinen Brettchen im B\u00fccherregal \u2013 seine Geschichte erz\u00e4hle ich sp\u00e4ter \u2013 ist die Gelegenheit g\u00fcnstig f\u00fcr ein wenig Reflektion. In der letzten Folge ging ich leichthin dr\u00fcber hinweg, aber zuletzt ist es doch beunruhigend, dass die Empathie f\u00fcr die kleinen Flitzer so sehr abgenommen haben soll. 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