{"id":506,"date":"2007-02-23T01:55:11","date_gmt":"2007-02-22T23:55:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=506"},"modified":"2007-02-23T01:55:11","modified_gmt":"2007-02-22T23:55:11","slug":"schwerttrager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=506","title":{"rendered":"Schwerttr\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<p>Als nach zwei Tagen wie vorhergesagt die Schwaden sich legen und die Umrisse vereinzelter Gegenst\u00e4nde sich aus dem Lehmsturm sch\u00e4len, m\u00fcssen nun wohl oder \u00fcbel die Pflanzen eingesetzt werden. Das muss schnell geschehen, denn der Einpflanzvorgang selbst wird so viel Lehm aufwirbeln, dass man schon von aktivem Verbergen des Gr\u00fcnzeugs sprechen muss, Salatversteck. Ich beeile mich also, muss aber trotzdem nach der H\u00e4lfte der Pflanzen wiederum blind Wurzeln in Lehmkies stopfen. Bilder einer grotesk fehlbepflanzten Unterwasserlandschaft vor dem inneren Auge, zupfende Barbenm\u00fcnder am Unterarm \u2013 sehen die Biester also selbst unter diesen fischfeindlichen Umst\u00e4nden noch und verschl\u00e4ngen mich, wenn sie nur k\u00f6nnten? \u2013 es ist eine Art kleine Krise und macht jedenfalls viel Dreck.<br \/>\nZum Gl\u00fcck ist die wirkliche Welt kein Aquarium. Niemand k\u00f6nnte sonst dem sch\u00f6nen Rat folgen, in der Stunde der Not noch rasch ein Apfelb\u00e4umchen zu pflanzen, ohne dabei die ganze Nachbarschaft mit Dreckschwaden einzunebeln. Und dann s\u00e4he man das B\u00e4umchen ja gar nicht mehr. Zudem w\u00fcrde ein Apfelb\u00e4umchen unter Wasser ja auch verfaulen. Da ist es schon besser so, wie es ist.<br \/>\nIm Becken verziehen sich drei Tage sp\u00e4ter erneut die Schwaden, und es ist wider Erwarten gar nicht alles komplett f\u00fcrchterlich. Nur hier und da muss eine Wurzel weggesteckt und ein Strunk geradeger\u00fcckt werden, aber im Ganzen w\u00e4re alles ganz proper, s\u00e4he es nicht einem Modell der Todeszone rund um Tschernobyl so \u00e4hnlich. Pflanzen mit einer millimeterdicken sozusagen radioaktiven Staubschicht \u00fcberzogen, Menschen mit Flossen statt Armen und schuppiger, gestreifter Haut, und mitten in all dem Wahnsinn ein absurdes Geb\u00e4ude.<br \/>\nLeider ging mir mitten im schmutzigen Pflanzrausch das Gr\u00fcnzeug aus, und also g\u00e4hnen ausserdem lehmige Leerstellen in der verw\u00fcsteten Pflanzendecke. Das immerhin ist halb so schlimm, denn ohnehin sollen ja noch mehr Fische herbeigeschafft werden, da k\u00f6nnen dann ja auch Pflanzen mitkommen. Von der Anschaffung zuvieler Fische auf einmal riet Patrick ab, wegen drohender \u00dcberkackung, wenn ich das Fachchinesisch richtig gedeutet habe, aber jetzt ist ja schon eine Woche vergangen, und es kann also weitergehen mit dem Irrsinn.<br \/>\nDrei Schwerttr\u00e4ger (Xiphophorus helleri) werden diesmal selektiert, lebendgeb\u00e4rende Zahnkarpfen mit hinreissend beklopptem Gesichtsausdruck und einem orangenen R\u00f6ckchen an, die in Windeseile das Becken mit ihren Jungfischen zupflastern sollen. Ausserdem noch irgendwas Gr\u00fcnes, diesmal was mit gr\u00f6sseren Bl\u00e4ttern.<br \/>\nDass das alles mittlerweile industrielle Ausmasse annimmt, ist mir \u00fcbrigens noch nicht aufgefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als nach zwei Tagen wie vorhergesagt die Schwaden sich legen und die Umrisse vereinzelter Gegenst\u00e4nde sich aus dem Lehmsturm sch\u00e4len, m\u00fcssen nun wohl oder \u00fcbel die Pflanzen eingesetzt werden. 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