{"id":505,"date":"2007-02-22T09:00:12","date_gmt":"2007-02-22T07:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=505"},"modified":"2007-02-22T09:00:12","modified_gmt":"2007-02-22T07:00:12","slug":"lehmexplosion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=505","title":{"rendered":"Lehmexplosion"},"content":{"rendered":"<p>Alles erz\u00e4hlte er mir freilich nicht, der Brite mit dem Wollhut namens Patrick. Also der Brite hiess Patrick, nicht der Wollhut, aber das wisst Ihr ja. Er erz\u00e4hlte mir, dass Edelstahlionen und Sondermetallteilchen sich selbst am Lehm festschrauben, und der Lehm dann wiederum mit dem Wurzeln Sex hat, und dabei kommen dann Pflanzenn\u00e4hrstoffe raus. So \u00e4hnlich jedenfalls, eine Schweinerei sicherlich, aber eher im \u00fcbertragenen Sinn. Ausserdem erw\u00e4hnte er auch noch, dass das Lehmsubstrat eventuell ein klein wenig W\u00f6lkchen verursache im Wasser, aber man k\u00f6nne es ja waschen, bevor man es ins Becken gebe, dann sei das nicht so schlimm. Und nach ein paar Tagen seien die Schwebeteilchen dann auch ratzputz weg.<br \/>\nKein Wort davon, dass nicht der schamlose Wurzelsex, sondern diese Lehmhaftigkeit des Lehms die eigentliche und durchaus bodenlose Schweinerei beim Aquariumbepflanzen vorstellt. Als ich n\u00e4mlich den Lehmbatzen im Badezimmer in eine Sch\u00fcssel gebe und dann Wasser draufgebe, explodiert die Welt und zerf\u00e4llt in eine schmierige Lehmwolke, die durch Kapillarkr\u00e4fte oder subnukleares Lehmtunneln in Windeseile die gesamte Badewanne einnegert. Das wiederholt sich noch zweimal mit neuen Wasserladungen, und allm\u00e4hlich schwant mir was, aber das ist kein weisses Schwanen, sondern ein dunkelbraun klebriges. Nicht zuviel waschen, hatte Patrick n\u00e4mlich auch geraten, und einerseits ist zwar nach drei Waschg\u00e4ngen nicht merklich weniger Dreck in der Sch\u00fcssel, aber so erheblich viel mehr Dreck in der Badewanne, dass mir um die Pflanzen und ihren Wurzelsex bange wird. Aber wenn ich diesen lehmige Mist ins Becken kippe, sterben die Fische ja auf der Stelle an Blindheit, das ist wiederum auch klar.<br \/>\nAber ich bin ja pfiffig, und stecke also den Schmierbatzen zur\u00fcck in seine T\u00fcte. Diese T\u00fcte werde ich dann geschlossen im Becken versenken und vorsichtig Brocken um Brocken das Substrat rausklauben, dabei sorgf\u00e4ltig alle Bew\u00f6lkung des Wassers vermeidend. So wirds also gemacht, erst setze ich die neue Fischherde im Wasser aus, dann wird die T\u00fcte versenkt, und St\u00fcck um St\u00fcck der Lehm herausgenommen und im Aquarium deponiert. Und tats\u00e4chlich gelingt der Plan ein klein wenig, denn erst nach der dritten Handvoll ist das Becken tats\u00e4chlich so restlos mit Lehmwolken zugenebelt, dass man die Fische auch dann nicht mehr sieht, wenn sie direkt an der Scheibe vorbeischwimmen.<br \/>\nIm Blindflug verteile ich also das Substrat am Beckenboden so gut es eben geht, und f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Tage ist das Aquarium dann ein d\u00fcster glimmender, 120 Liter m\u00e4chtiger Lehmblock. Gelegentlich schwimmt dunkel ein Schatten, und verschwindet wieder in der Tiefe des Drecks.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles erz\u00e4hlte er mir freilich nicht, der Brite mit dem Wollhut namens Patrick. Also der Brite hiess Patrick, nicht der Wollhut, aber das wisst Ihr ja. Er erz\u00e4hlte mir, dass Edelstahlionen und Sondermetallteilchen sich selbst am Lehm festschrauben, und der Lehm dann wiederum mit dem Wurzeln Sex hat, und dabei kommen dann Pflanzenn\u00e4hrstoffe raus. 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