{"id":499,"date":"2007-01-29T04:20:02","date_gmt":"2007-01-29T02:20:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=499"},"modified":"2007-01-29T04:20:02","modified_gmt":"2007-01-29T02:20:02","slug":"plantage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=499","title":{"rendered":"Plantage"},"content":{"rendered":"<p>Im Zuge der Urbarmachung des Sands und der Steine erlernte der Mensch allerlei Dinge \u00fcber den Teil der Welt, der gr\u00fcn angestrichen ist \u2013 beziehungsweise innen drin gr\u00fcne Farbbeutelchen namens Chloroplasten enth\u00e4lt, wie wir heute wissen. Es stellte sich zum Beispiel heraus, dass die Wurzeln unten aus den Pflanzen herauskommen und in Erde gesteckt werden m\u00fcssen, dass auch Pflanzen Sex haben und man das Insekten nennt, und dass man alle Pflanzenteile essen kann, aber nur bei ganz Bestimmten dann auch was Interessantes passiert. So kam die sogenannte Bauernschl\u00e4ue in die Welt und blieb da sitzen bis heute.<br \/>\nAll das hilft mir jetzt aber rein gar nicht beim Versuch, den Umzug aus dem kleinen ins turmhoch dar\u00fcber aufragende gr\u00f6ssere Becken zu planen. Pflug, Esse und Kunstd\u00fcnger m\u00f6gen ihren Platz haben, wenn auf dem Hofgut Einsiedel die Zuckerr\u00fcbe gen\u00e4hrt werden soll, in meinem Aquarium geht es um andere Dinge. Oder vielleicht w\u00fcrde ein gr\u00fcndliches Durchpfl\u00fcgen hier auch helfen, locker ausgeworfene Furchen, aufragend in der Mitte der Zusammenschmiss, werweiss w\u00fcchse der Spinat dann noch einen Tick furioser in die H\u00f6he. Ich werde es nie erfahren, mangels Pflug.<br \/>\nAus der vergangenen Unbill weiss ich mir herzuleiten, dass Nitronella und Nitrierchen einen festen Fuss fassen m\u00fcssen, ehe vergleichsweise h\u00f6heres Leben, also zum Beispiel Barben und Ottos, sich tummeln k\u00f6nnen. Nun bin ich ja heutzutage in der vergleichsweise gl\u00fccklichen Lage, \u00fcber von Nitrobakter-Zivilisationen im mindestens schon pr\u00e4atomaren Zeitalter \u00fcberzogene, man k\u00f6nnte fast von Verschleimung sprechen, Steinchen und Gebilde zu verf\u00fcgen, die in nitrobakterreichen Fluten baden. Ganz zu schweigen von den Pflanzen. Und dem Schloss! Es ist also ausgemachte Sache: erst zieht das Wasser, dann der Kies, dann die Deko, dann die Pflanzen ins neue Becken um. Und wenn dann dort ein neues Nitrozeitalter heraufgezogen ist, werden mit dem Schleppnetz auch die Fische aus dem ver\u00f6deten Altqaurium geklaubt und ins neue geworfen. Fein, so also wird es gemacht.<br \/>\nLeider bringt aber so Wasser neben N\u00e4sse auch erklecklich Gewicht mit, ein Gramm pro Kubikzentimeter mal Joule durch Kelvin, und das alte Aquarium ist weder mit gutem Zureden noch durch dran Rumzerren vom M\u00fcll namens Tisch zu bekommen, aus Gr\u00fcnden dieses Gewichts, also seiner schweren Masse. Das neue hingegen wiegt schon leer und nur mit einer niedrigen Kiesgrundlage bef\u00fcllt, so viel, dass es nur noch mit grosser M\u00fche anzuheben ist. F\u00fcllte man Wasser hinzu, w\u00fcrde es noch schwerer! Knifflig! In einem Eimer k\u00f6nnte man wohl das Wasser zwischenstauen, aber woher einen Eimer nehmen, in dem nicht Seifenpartikel Fischfeindlichkeit etabliert haben?<br \/>\nAm Ende lasse ich einfach pfiffig ein starkes Drittel des Altwassers \u00fcber den Saugschlauch ins Neuaquarium ab. Beide Becken sind nun unter \u00c4chzen und Keuchen grade so eben bewegbar, und es schwappt aus dem Alten auch fast gar nichts oben raus, als ich es vom M\u00fcll nehme und auf den Boden stelle. Oder jedenfalls ist es nur Wasser, das da rausschwappt, und so eine Wohnung ist ja nicht aus Zucker.<br \/>\nJetzt geht alles Schlag auf Schlag. Weiteres Wasser wird umgesiedelt, dann mit voller Hand der vollgekackte Fischkies eingestreut, und die Pflanzen aus dem Grund gerissen und strategisch ins jungfr\u00e4uliche Kiesbett gesetzt. Der promiskuitive Spinat hat seit seiner Ankunft hier sage und schreibe sieben Ableger produziert, echter Fickspinat, beziehungsweise Masturbationsspinat, weil es sind ja keine weiblichen Spinate im Spiel. Es ist ein Segen, dass im Aquarium kein Pflug vorhanden ist, es w\u00e4re sonst das Lustgew\u00e4chs gar nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen. Diese Sieben und die anderen Pflanzen gr\u00fcndlich im Boden verankert, den Lavastein und das Schloss neu errichtet, steht einer endg\u00fcltigen Bef\u00fcllung des neuen Lebensraums nun nichts mehr im Wege.<br \/>\nMangels eines langen Schlauches wird das aber ein bisschen dauern. 100 Liter lang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge der Urbarmachung des Sands und der Steine erlernte der Mensch allerlei Dinge \u00fcber den Teil der Welt, der gr\u00fcn angestrichen ist \u2013 beziehungsweise innen drin gr\u00fcne Farbbeutelchen namens Chloroplasten enth\u00e4lt, wie wir heute wissen. 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