{"id":497,"date":"2007-01-26T04:47:52","date_gmt":"2007-01-26T02:47:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=497"},"modified":"2007-01-27T02:36:16","modified_gmt":"2007-01-27T00:36:16","slug":"die-eisenhowerlosung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=497","title":{"rendered":"Die Eisenhowerl\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p>Und es wurde Morgen und es wurde Abend, der dritte Tag. Und zwar der dritte Tag im Kalender des gr\u00fcnen Giftes. Nach zwei Tagen Gr\u00fcnglut, so stehts auf der Flasche, soll man dem Aquarium eine zweite Dosis zusetzen, und also goss ich am Vorabend nochmal siebeneinhalb Mililili ins Filterbecken und beobachtete abermals bass erstaunt, oder vielmehr eher bassbariton erstaunt, wie aus orangefarbenem Gift giftgr\u00fcnes Wasser wird. Ein Chemiker erkl\u00e4rte mir, dass das Gift unter Lichteinfall angeregt werde und dann fluoresziere, und in hoher Konzentration diese nun ausfluoreszierten sekund\u00e4ren Photonen wieder aufgefangen w\u00fcrden, und also h\u00f6here Anregungsgrade erzielt werden k\u00f6nnen, die dann orange aussehen, oder aber das Fluoreszenzgr\u00fcn einfach weggefangen wird, und deswegen sieht es dann orange aus, oder wieder ganz anders, ich konnte nicht recht folgen. Ich glaube darum vorsichtshalber kein Wort, und also stattdessen weiterhin an schwarze Magie. Beziehungsweise plutoniumgr\u00fcne.<br \/>\nSieht man sich nun durchs halbgewusste gr\u00fcne Glimmen hindurch die neuerlich unter F\u00fchrerattacken leidenden Fische n\u00e4her an, sieht man zweierlei. Zum einen sind die Tiere noch immer nicht gesund, sondern vom Pilz zernagt und von der Lethargie geplagt, zum anderen aber scheint der unmittelbare Flossenbrand gestoppt, und die weisslichen R\u00e4nder in der Abheilung vielleicht begriffen zu sein und also eine Wende vor der T\u00fcr zu stehen. Die aber andererseits vom Fischkillerfisch Augustus sofort wieder zunichte gemacht w\u00fcrde.<br \/>\nMuss also doch noch die Todesstrafe verh\u00e4ngt werden \u00fcber das renitenten Gesch\u00f6pf? Augustus eingefangen, in eine Plastikt\u00fcte mit Wasser gesteckt und ins Gefrierfach getan, damit er sanft in den K\u00e4lteschlaf gleiten und im Fischjenseits wieder aufwachen kann, jenseits der gr\u00fcnen Wiese, wo gebratene Geisterschrimpe aus der Luft ins Wasser fallen und zartgliedrige Fischelfen Rumba tanzen? Wo der Fisch des Fisches Freund ist, oder doch zumindest ein unbeteiligter Passant oder Zuschauer, und nicht ein Wolf im Barbenpelz?<br \/>\nEs ist verlockend, einerseits. Aber pah, nix da, Rumba! So weit kommts noch!<br \/>\nSo sinnvoll eine solche Hinrichtung im Hinblick auf das Wohlbefinden der Gesamtbev\u00f6lkerung n\u00e4mlich auch sein mag, so rational, so ganz im Sinne des Utilitarismus und durch und durch ethisch, ich kann mich zu dergleichen Frivolit\u00e4ten nicht durchringen \u2013 man hat mich ja noch nicht mal in mein Hinrichteramt hineingew\u00e4hlt, sondern ich bin sozusagen selbsternannt \u2013 und entscheide mich stattdessen f\u00fcr den diametral entgegengesetzten, und also v\u00f6llig irrationalen und wahnsinnigen Weg, den der grosse Fischfreund Dwight D. Eisenhower vor geraumer Zeit schon messerscharf vorhersah: wenn man ein Problem nicht l\u00f6sen kann, orakelte der kluge Mann, dann muss man es vergr\u00f6ssern. Und zwar von 10 auf 29 Gallonen.<br \/>\nDamit n\u00e4mlich dann in den endlosen Weiten dieser neuen unkartierten Wasserw\u00fcste der Fischfaschist Augustus sich rettungslos verlaufe, und niemanden mehr zum Zwacken oder Trietzen finde und so seine Lektion doch noch eingebimst bekomme. Jawohl, so soll es geschehen, ein neues Aquarium muss her.<br \/>\nIn den letzten Z\u00fcgen glimmt jetzt somit gr\u00fcn das alte Becken. Geniesst euer Gift, Fische, bald kommt eine neue Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und es wurde Morgen und es wurde Abend, der dritte Tag. Und zwar der dritte Tag im Kalender des gr\u00fcnen Giftes. 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