{"id":495,"date":"2007-01-19T23:12:27","date_gmt":"2007-01-19T21:12:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=495"},"modified":"2007-01-20T19:38:59","modified_gmt":"2007-01-20T17:38:59","slug":"plutonium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=495","title":{"rendered":"Plutonium"},"content":{"rendered":"<p>Man mag vom kleinen Prinzen halten, was man will \u2013 nichts, zum Beispiel, oder die Luft an, bis was passiert \u2013, aber in der Frage der Z\u00e4hmung des Fuchses ist der Kitschexplosion aus dem Niedall nicht viel entgegenzusetzen. Hat man ein Gesch\u00f6pf gez\u00e4hmt und also durch Zuwendung in Abh\u00e4ngigkeit gebracht, dann ist man doppelt daf\u00fcr verantwortlich: moralisch f\u00fcr die Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse dieser Abh\u00e4ngigkeit, emotional, indem die Verschr\u00e4nkung der Schicksale einen Anker ins eigene Herz pflanzte. Eine schwere Kette h\u00e4ngt an diesem Anker, \u00fcber die die Freuden und Leiden des Gesch\u00f6pfes wie \u00fcber ein Dosentelefon \u00fcbertragen werden, und es l\u00e4sst sich nichts mehr machen.<br \/>\nUngut also schl\u00e4gt mir der Anblick der leidenden Fische zu Buche, sowohl der schwanzlahmen Opfer als auch des T\u00e4ters Augustus, der depressiv in einer Ecke seines kalten Beckens kauert und die Welt nicht begreift. Das immerhin war auch vorher schon so, aber da schwamm er immerhin noch fr\u00f6hlich durch die Gegend. Als Mordmaschine, andererseits, aber die Kinderlektion \u00fcber Moral hatten wir ja letzte Stunde. Jetzt: Chemikalien raus, Gesundungsarbeit.<br \/>\nAber erst setze ich noch den Schwimmknast ein, eine Plastikwanne mit Auftrieb erzeugenden Henkeln, vergittert, um Str\u00f6mung zu erlauben, die laut Packungsaufdruck sowohl zur Aufzucht von Junggefisch wie der Z\u00fcchtigung delinquenter Altfische taugt. Das Becken schwimmt, den lethargischen Tyrannen einzufangen ist ein Kinderspiel, und schon sitzt er wieder im Hauptbecken, von seinen kr\u00e4nkelnden Opfern aber durch ihm unbegreifliches Klarplastik getrennt. Vorerst ist es ihm aber noch egal.<br \/>\nNun also die Chemie. Im Fl\u00e4schchen ist drolligerweise trotz der Aufschrift aussen keine gr\u00fcne Fl\u00fcssigkeit, sondern eine tieforange, und mir kommen Zweifel. Gr\u00fcn, das h\u00e4tte mir eingeleuchtet, das w\u00e4re in Ordnung gewesen, und h\u00e4tte sicherlich die Lage verbessert. Orange, andererseits: ein Designfehlgriff. Aber es hilft nun alles nichts, es ist eben nur dieser orange Scheiss im Haus, siebeneinhalb Milliliter, tolles Wort, Millilliliter, Billilleliloter, sind abgemessen und werden in den Filterkasten gegossen \u2013 die Aktivkohle vorher entfernt, professionelle Brunnenvergiftung also \u2013, und dann, aber, hallo, he, nanu.<br \/>\nEine giftig plutoniumgr\u00fcne Wolke n\u00e4mlich schwappt jetzt aus dem Filterauslass ins Becken, gl\u00fcht fluoreszierend und ist so dicht, dass es nicht aussieht als werde hier Wasser gef\u00e4rbt, sondern vielmehr als werde es von einem Plutoniumnebelgesch\u00f6pf aus dem Weltraum verdr\u00e4ngt. Dagegen ist der kleine Prinz ein Dreck. Das Neonr\u00f6hrenlicht verblasst merklich, nur ein vages Rechteck scheint noch funzlig durch die Schwaden; stattdessen leuchtet das Becken selbst jetzt wie der Reaktorbrennstab, der dem Mann immer hinten in den Kragen f\u00e4llt, in dieser Sendung da, ein diffuses, giftgr\u00fcnes Glimmen. Es scheint gute Medizin zu sein, gute Medizin.<br \/>\nDie Barbenbev\u00f6lkerung ist zu besch\u00e4ftigt mit ihren Gebrechen, um Notiz von den ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnissen zu nehmen, Barbenbarbar Augustus sitzt gleichg\u00fcltig am Zellenboden und kratzt mit den Flossen obsz\u00f6ne Zeichnungen in den Schmierfilm, aber auch die drei Otocincli nehmen die pl\u00f6tzliche Ergr\u00fcnung einfach hin. Das Gl\u00fchen ist also wohl fischneutral.<br \/>\nEs sind den Fischen wohl die Flossenpilze, denen diese farbwandelnde Teufelschemikalie zu Leibe r\u00fccken soll, von keinerlei emotionalem Interesse. W\u00e4re der Pilz des Fisches Haustier, die Dinge l\u00e4gen sicherlich anders.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man mag vom kleinen Prinzen halten, was man will \u2013 nichts, zum Beispiel, oder die Luft an, bis was passiert \u2013, aber in der Frage der Z\u00e4hmung des Fuchses ist der Kitschexplosion aus dem Niedall nicht viel entgegenzusetzen. 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