{"id":494,"date":"2007-01-19T05:55:33","date_gmt":"2007-01-19T03:55:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=494"},"modified":"2007-01-19T05:55:33","modified_gmt":"2007-01-19T03:55:33","slug":"tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=494","title":{"rendered":"Tod"},"content":{"rendered":"<p>Es besteht im Kopf des Menschen ein irrationaler Irrtum oder eine verbl\u00f6dete Hoffnung dergestalt, dass die Beseitigung einer b\u00f6sen Ursache auch s\u00e4mtliche ihrer unguten Wirkungen ausl\u00f6sche. Nun folgt aber in der Logik aus \u201ewenn P dann Q\u201c und \u201enicht P\u201c keineswegs ja die Negation von Q, sondern vielmehr genau rein gar nichts. Und im wirklichen Leben ist es sogar noch ein bisschen schlimmer, weil aus diesem Nichtfolgen ja umgekehrt die unbedingte Bewahrung von Q qua der Existenztr\u00e4gheitizit\u00e4t des je Zurhandenen folgt. Sich. Soweit die Philosophie, oder ihre klingelnde Simulation durch den Laienaquaristen.<br \/>\nUnter Wasser bedeutet dieses nutzlose Geschwurbel, dass die Auslagerung von Augustus in ein schlecht gel\u00fcftetes und unterk\u00fchltes Ersatzaquarium den flossengesch\u00e4digten Fischen mit messerscharfer Logik nachweisbar \u00fcberhaupt nicht hilft. Nach wie vor scheinen pulvrig weiss die sich aufl\u00f6senden Flossenr\u00e4nder, h\u00e4ngen die Fische Nasengewebe abw\u00e4rts in den Fluten und wirken auch sonst, als h\u00e4tte ihr letztes St\u00fcndlein soeben angerufen und sich auf einen Besuch angemeldet. Am schlimmsten dran ist eindeutig das urspr\u00fcngliche Opfer. Der armen Fischdame fehlt nun tats\u00e4chlich die gesamte Schwanzflosse, die sonst fr\u00f6hlich wedelnden Flossenbeine an der Fischunterseite kleben zusammen, und das Tier selbst ist sichtlich nicht mehr f\u00fcr viel zu begeistern, und kann sich auch gar nicht mehr fortbewegen, sondern wedelt stattdessen unn\u00fctz mit dem entflossten Rumpf. Es ist ein jammervoller Jammer.<br \/>\nDer dann am n\u00e4chsten Morgen wie absehbar endet, mit der toten Fischin an der Wasseroberfl\u00e4che d\u00fcmpelnd, und dem Rest der coolen Gang lustlos drunter. Immerhin frassen sie die tote Gef\u00e4hrtin nicht kurz und klein in ihrer Trauer, man muss ja scheinbar diesen Mordbuben f\u00fcr jede kleine R\u00fccksichtnahme dankbar sein, und also bin ich den Kranken auch sorgf\u00e4ltig dankbar, als Hoffnungssplitter in dieser Dunkelheit.<br \/>\nTraurig lese ich das verstorbene Tier aus dem Becken, mache Beweisfotos f\u00fcr die Tribunale, die Augustus demn\u00e4chst bl\u00fchen werden, schlage die Leiche sorgf\u00e4ltig und unter Herzweh in K\u00fcchenpapier ein und pfeffere sie dann resolut in den M\u00fcll. Sie h\u00e4tte es nicht anders gewollt.<br \/>\nNoch einen Tag warte ich nach diesem Debakel ab, ob die Verlegung des Augustus ins Exil den Fischen die Gesundheit wiederherstellt, es tut sich aber nichts oder vielmehr schreitet der Verfall fort. Wie alle Ungl\u00fccklichen weltweit wende ich mich also der Chemie zu. Vorerst noch nicht den Giften, sondern noch den Heilsubstanzen, aber der dieser Unterschied ist ja ohnehin nur graduell und nicht im Seinswesen begr\u00fcndet. Verzeihung, Philo-R\u00fcckfall.<br \/>\nEine bunte Auswahl von r\u00e4tselhaften Substanzen lockt im Medizinregal, gegen Bakterien, gegen Pilze, gegen K\u00fche, gegen Fische und gegen W\u00fcrmer stehen je mehrere Fl\u00e4schchen herum, und ich schliesse schnell die Augen und zeige auf eins davon. Gr\u00fcn. Na, wird schon stimmen.<br \/>\nIm Nebenbecken vegetierte unterdessen Augustus reglos in der K\u00e4lte, die Schuppen stumpf und vom verschnupften Schleim\u00fcberschuss die kecken Streifen grau verf\u00e4rbt. Auch Augustus also, der ansonsten sich bester Gesundheit erfreut, wird die gegenw\u00e4rtige Krise vermutlich nicht \u00fcberleben. Es sei denn, dass. Und so kaufe ich dann noch ein Schwimmgef\u00e4ngnis, zur Tyrannenrettung. Grau, teurer Fischfreund, ist alle Moral.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es besteht im Kopf des Menschen ein irrationaler Irrtum oder eine verbl\u00f6dete Hoffnung dergestalt, dass die Beseitigung einer b\u00f6sen Ursache auch s\u00e4mtliche ihrer unguten Wirkungen ausl\u00f6sche. Nun folgt aber in der Logik aus \u201ewenn P dann Q\u201c und \u201enicht P\u201c keineswegs ja die Negation von Q, sondern vielmehr genau rein gar nichts. 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