{"id":491,"date":"2007-01-18T08:40:14","date_gmt":"2007-01-18T06:40:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=491"},"modified":"2007-01-18T08:40:14","modified_gmt":"2007-01-18T06:40:14","slug":"exil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=491","title":{"rendered":"Exil"},"content":{"rendered":"<p>Was aber tut man nun mit einem V\u00f6lkerm\u00f6rder und Terroristen, einem Diktator, der ohne R\u00fccksicht auf seine eigenen Untergebenen Tod, Verderben und Scheucherei in die Welt tr\u00e4gt und dort mit grauen Stacheldrahtschleifchen festbindet? Eine Statue von Augustus, die man demonstrativ umwerfen k\u00f6nnte, um dem schlimmen Treiben Einhalt zu gebieten, findet sich im Aquarium nat\u00fcrlich nicht, allem Gr\u00f6ssenwahn zum Trotz, denn dazu ist so ein Fisch halt nunmal doch zu doof. Und seine sechs geplagten Untertanen hinzuschlachten, um ihm unzweideutig klarzumachen, dass es so nun aber wirklich nicht ginge, hiesse zwar eine gesalzene Lektion aus der Weltgeschichte zu lernen, will mir aber zumindest in der Aquaristik nicht recht einleuchten. Unter Wasser herrschen eben doch vielleicht andere Gesetze als an Land.<br \/>\nZudem ist die Bev\u00f6lkerung ja durch die Triezereien ihres Vorgesetzten ohnehin schon schwer l\u00e4diert und kr\u00e4nklich, die blaue Fischin hat nun bald schon gar keine Schwanzflosse mehr vorzuweisen, und dieses erkleckliche Elend mitanzusehen, hat Augustus auch nicht zu stoppen vermocht.<br \/>\nKurz und gut: der Tyrann muss weg. Auf die Hilfe der verschreckt und malad an den Seiten kauernden anderen Fische ist dabei nicht zu rechnen, es kommt also wieder einmal auf meinen Mut und meine Gewitztheit an, ob der Welt der Fische eine Zukunft beschieden ist. Flink ist der K\u00e4scher gefunden in der aquaristischen Grabbelkiste, in der sich unterdessen allerhand unsinniges Zeug angesammelt hat, und ebenso flink muss ich einsehen, dass dem Fischmogul mit so einem Netz nicht beizukommen ist. Immer n\u00e4mlich wenn ich ihn an der einen Stelle einfangen m\u00f6chte, ist der Fisch l\u00e4ngst an eine ganz andere teleportiert, dem Sprungverbot in der Natur zum Trotz. Aber es ist nat\u00fcrlich auch keine richtige Natur, sondern ein Aquarium.<br \/>\nZudem steht aber ja auch noch allerhand Ger\u00fcmpel im Weg, ein Schloss, Spinat, ein Stein aus Plastik, in dem der Fisch sich verbergen und ich ihn auch ohne Teleportation seinerseits nicht wegfangen k\u00f6nnte.<br \/>\nZuletzt komme ich durch gr\u00fcndliches Nachdenken auf die Idee, das Problem durch gr\u00fcndliches Nachdenken zu l\u00f6sen, und dann ist auch bald schon eine Idee geformt. Das Netz im Zentimeterabstand vor die Acrylglasscheibe gehalten wedle ich mit dem blauen Futterdosendeckel, was, wie immer, die Fischherde herbeilockt. Drollig summen sie nun durcheinander, direkt vor dem Netz, und mein teuflischer Plan w\u00e4re ja l\u00e4ngst gelungen. Aber Augustus selbst h\u00e4lt sich abseits und l\u00e4sst die anderen machen. Hat er mich durchschaut? Ist hinter mir eine andere, gr\u00f6ssere Falle aufgebaut und schnappt sogleich zu und erledigt mich im Handumdrehen in meinem eigenen Wohnzimmer? Ich blicke mich angstvoll um, es ist aber nichts da.<br \/>\nDann macht Augustus doch noch einen Fehler, er traut seinen Untergebenen nicht und schwimmt vors Netz, um selber mal nach dem Rechten zu sehen, und ist auf der Stelle einkassiert und rausgefischt. Dachtest, du w\u00e4rst mir \u00fcber! Was, Fisch?<br \/>\nSekunden sp\u00e4ter findet Augustus sich in Kens Ausweichaquarium wieder, zusammen mit Kens kleinem Schloss und der Sonnenbrille, und weiss ganz hochersichtlich nicht, wie ihm geschah: n\u00e4mlich recht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was aber tut man nun mit einem V\u00f6lkerm\u00f6rder und Terroristen, einem Diktator, der ohne R\u00fccksicht auf seine eigenen Untergebenen Tod, Verderben und Scheucherei in die Welt tr\u00e4gt und dort mit grauen Stacheldrahtschleifchen festbindet? 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