{"id":490,"date":"2007-01-17T07:33:45","date_gmt":"2007-01-17T05:33:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=490"},"modified":"2007-01-17T19:40:50","modified_gmt":"2007-01-17T17:40:50","slug":"von-den-ursachen-des-siechseins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=490","title":{"rendered":"Von den Ursachen des Siechseins"},"content":{"rendered":"<p>Es ist die Barbe ein geselliges Wesen und sch\u00e4tzt den Umgang mit ihresgleichen. Das erkennt man wie bei allen sozialen Gesch\u00f6pfen daran, dass im Gefahrenfalle der Herdentrieb einsetzt, ein Zusammenstehen und Gruppebilden, ein K\u00fcngeln und gemeinsames Verstecken. Dies, den Feind einerseits zu verwirren, und andererseits aber auch auf den Fischgenossen aufmerksam zu machen, der ja wom\u00f6glich schw\u00e4cher und fangbarer einherschwimmt, und also dem gesch\u00e4tzten Herrn J\u00e4ger das Leben und die Mahlzeit erleichterte.<br \/>\nNun ist leider aber andererseits die Barbe selbst, man hat es ja an der f\u00fchllosen Hinschlachtung der Geisterschrimpe sehen m\u00fcssen, ein M\u00f6rder und Menschenfresser, und schrieb sich dar\u00fcber hinaus aus dem grossen Buch der Natur auch den Irrglauben ab, dass es immer und \u00fcberall St\u00e4rkere geben m\u00fcsse und Schw\u00e4chere, ein Alphatier und ein Omegatier. Alphatieren, so der Irrglaube weiter, geh\u00f6re die Welt und das Recht, ja, die Pflicht, die Welt von Omegatieren, die sich mutwillig in sie hineinsetzen, zu s\u00e4ubern. Folgerichtig also verfolgt seine Konspezifisten nun Augustus, der vom Schlossbesetzer nach einer vergleichsweise friedlichen Schl\u00e4ferphase jetzt direkt zum Beherrscher der Gl\u00e4ubigen und Herrn der Dinge, mit anderen Worten also zum Aquarieneigent\u00fcmer aufger\u00fcckt ist, und also die anderen sechs Fische durch die Gegend scheucht, dass die Freude selbst reissaus n\u00e4hme. Beziehungsweise l\u00e4ngst nahm.<br \/>\nDie Vertriebenen d\u00fcmpeln lustlos schr\u00e4g schnauzab am Acrylglas oder in Kiesn\u00e4he, und wagen sie, eine Flosse ins leerstehende und verlockend lachende Beckeninnere zu stecken, werden sie umgehend einmal quer durchs Wasser gejagt und abschliessend in den Fischpo gezwackt. Glaube ich jedenfalls, sehen kann man es nicht richtig, die Fische sind zu schnell.<br \/>\nDieser Jagdstress nun, gegen den auch das Zusammenstehen nicht mehr recht hilft, weil er ja aus der eigenen Mitte verr\u00e4terisch ausgel\u00f6st und herbeibeschworen wurde, l\u00e4diert den Fischen das Immunwesen und die Abwehrb\u00fcrokratie. Der Flossenbrand oder die Flossenf\u00e4ule hat nun leichtes Spiel und ist tats\u00e4chlich auch schon in die Schwanzregion von drei weiteren Fischen eingefallen, w\u00e4hrend der urspr\u00fcnglich und zuerst befallenen Blaufischin Dreiviertel davon nun schon ratzputz fehlen. Wie einst Pest unter mittelalterlichen D\u00f6rflern w\u00fctet hier also Schlossherr Augustus unter seinen Mitfischen und ruiniert ihnen Leib und Leben. Er selbst sieht dabei blendend aus und besser als je zuvor, die K\u00f6rpermasse, die w\u00e4hrend seines Hungerstreiks bedenklich geschwunden war, voll wiederhergestellt.<br \/>\nVielleicht ist ja letztlich genau dieses Wiederaufbl\u00fchen der Leibesf\u00fclle der Grund f\u00fcr seine neuerstarkten Gebietsanspr\u00fcche, und also der Blutwurm und ich, sein Futterspender und somit willf\u00e4hriger Aufr\u00fcstungsgehilfe, der eigentliche Grund f\u00fcr die sich nun entfaltende Trag\u00f6die. Und nicht vielmehr und weitaus naheliegender die rabiate Dummheit und Gem\u00fctsverrohung, die die Fische ein ums andere Mal an den Tag legen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist die Barbe ein geselliges Wesen und sch\u00e4tzt den Umgang mit ihresgleichen. Das erkennt man wie bei allen sozialen Gesch\u00f6pfen daran, dass im Gefahrenfalle der Herdentrieb einsetzt, ein Zusammenstehen und Gruppebilden, ein K\u00fcngeln und gemeinsames Verstecken. 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