{"id":488,"date":"2007-01-10T23:47:01","date_gmt":"2007-01-10T21:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=488"},"modified":"2007-01-10T23:47:01","modified_gmt":"2007-01-10T21:47:01","slug":"ei-ei-ei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=488","title":{"rendered":"Ei, Ei, Ei"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt in der generativen Grammatik des Tanzes der organischen Materie eine steinalte Phrase, in der zwei der T\u00e4nzer sich erst zu nahe kommen, um anschliessend sichtbar und f\u00fchlbar ver\u00e4ndert wieder auseinanderzugehen. Im vororganischen Zeitalter wurde diese Phrase f\u00fcr die expandierenden Ringe genutzt, die ein Stein verursachte, st\u00fcrzte er unter Donnern und Blitzen vom Berg ins Meer. Nach Ankunft des Lebens nutzte die Evolution das Muster dann erst f\u00fcr gegenseitiges Anrempeln und Aufessen, sp\u00e4ter dann auch f\u00fcr die Bildung mikrobiologischer Wohngemeinschaften (Chloroplasten! Mitochondrien! Ratatouille!) und den r\u00fcckwirkend von uns Sex genannten Vorgang der Chromosomenmischung. Genau genommen f\u00fchrt sogar jede Begegnung zwischen zwei Organismen zu irgendwelchen Folgen, meist zu Unfug, aber dennoch h\u00f6ren nat\u00fcrlich die Organismen nicht auf, einander zu begegnen. Es ist ein sogenannter Trieb.<br \/>\nIn diesem speziellen Falle haben das Streifenweibchenjagen und die Unaussprechlichkeiten, die dem gefolgt sein m\u00fcssen, und die ihre Unaussprechlichkeit ihrer Unbeobachtetheit verdanken, das Fischweib zur Eiablage verf\u00fchrt.  So muss es wohl gewesen sein, aber weil die Natur ein grausamer Koch ist, oder vielmehr ein f\u00fchlloser Trampel oder mit nochmal anderen Worten eine blinde Ansammlung aufeinander einteufelnder Molek\u00fcle, haben die Fische sich umgehend an den Verzehr des unerwarteten Fr\u00fchst\u00fccks gemacht, und vom sicher erklecklichen Eiklecks sind nur noch ein Schleimfaden und ein kleines Eib\u00e4llchen anklagend vom Schlossturm gehisst, als mir die Malaise zum ersten Mal auff\u00e4llt. Betroffen gucke ich kurz woanders hin, und schwupp, sind auch die letzten Reste noch vertilgt. Die Evolution frisst ihre Kinder. Ist Quatsch, klingt aber gut.<br \/>\nDas Eifr\u00fchst\u00fcck nun ist nat\u00fcrlich einerseits eines grausame Wahrheit, oder ein ern\u00fcchternder Einblick in die Seelen meiner Freunde, wenn sie denn wirklich meine Freunde sind, und nicht vielmehr nur eine Handvoll Fische, andererseits ist es aber gut so, denn aus den Eiern h\u00e4tten ja leicht ein paar Dutzend neue Fische schl\u00fcpfen k\u00f6nnen, denen man dann wiederum frisch geschl\u00fcpfte Urzeitkrebse zum Frass h\u00e4tte vorwerfen m\u00fcssen, weil anderweitig in die Mikrofischm\u00e4uler nichts reinpasst, und dann w\u00e4re irgendwann das Verh\u00e4ltnis von Fisch zu Wasser restlos umgekippt. Kleine Wasserblasen w\u00e4ren dann endlich ziellos durch einen soliden Fischblock gedriftet, unter einer roten, kraftlosen Sonne; ein Universum am Ende seiner Kr\u00e4fte.<br \/>\nNein, nein. Ist schon besser so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt in der generativen Grammatik des Tanzes der organischen Materie eine steinalte Phrase, in der zwei der T\u00e4nzer sich erst zu nahe kommen, um anschliessend sichtbar und f\u00fchlbar ver\u00e4ndert wieder auseinanderzugehen. 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