{"id":487,"date":"2007-01-10T08:30:01","date_gmt":"2007-01-10T06:30:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=487"},"modified":"2007-01-10T08:30:01","modified_gmt":"2007-01-10T06:30:01","slug":"paartanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=487","title":{"rendered":"Paartanz"},"content":{"rendered":"<p>Einstweilen lenken aber vorgezogene Fr\u00fchlingsfeste von den sich entwickelnden Problemen ab. Eine leise Tanzmusik durchweht die Fluten, und die M\u00e4nnchen, die man wie beim Menschen an ihren gockelhaft aufgestellen bunten R\u00fcckenflossen erkennt, dr\u00e4ngen die Weibchen zu Tanz und Tollerei. Augustus und ein namenloser Kollege jagen eine der gestreiften Frauen die Plexiglasw\u00e4nde auf und ab, und sie l\u00e4sst es sich, soweit sich das sagen l\u00e4sst, gern gefallen. Jedenfalls \u00f6ffnet und schliesst sie l\u00fcstern und geradezu paarungsbereit den Mund. Oder eben atmend und genervt, oder was, als Mann ist man beim Beobachten von derlei Material ja immer gehandicapt. Das geht auch Augustus und seinem Fischkollegen so. Fast schon reisst das Jagdgeschehen n\u00e4mlich sich nun ganz von der Fraunsperson los, eine Fischm\u00e4nnerschl\u00e4gerei droht sich zu entspinnen, ein Wettlauf der Gockel, ein Paradeprachtreiten der Seehengste, aber dann besinnt sich Augustus doch noch eines Besseren, schl\u00e4gt flink einen unerwarteten Haken und schwimmt wieder wie eine flossige Gentlemanattrappe neben der Frau dahin. Freilich nur sekundenlang, dann hat der Konkurrent den Braten gerochen und r\u00fcckt erneut zum Schwanzflossenvergleich herbei.<br \/>\nAufgrund des mechanischen Wesens des Fisches muss das Geschilderte nunmehr in zahlreichen Wiederholungen immer und immer wieder geschehen, ehe dann vielleicht was Neues geschehen kann, und wir wenden unsere Aufmerksamkeit also besser Anderem zu.<br \/>\nZum Beispiel den beiden kleinen blauen Fischen, die \u00fcber dem h\u00f6chsten Schlossturm, Nasengewebe an Nasengewebe einander gegen\u00fcberstehend, ein gemeinsames Zentrum oder Gef\u00fchl umkreisen, Eskimosk\u00fcsse im Warmwasserbad, Liebesballett der Kleinwirbler. Es ist nicht recht zu begreifen, was die Fische dabei antreibt und worin der Lohn der M\u00fche f\u00fcr sie bestehen mag, ein kleines, blaues Wohlgef\u00fchl wird es wohl sein, in den kleinen blauen K\u00f6pfen, ein Schwingen der Fischneuronen in Einheit und Gleichklang \u00fcber den tiefen Wassergraben hinweg, der zwischen den Individuen g\u00e4hnt, die Genugtuung eines vor\u00fcbergehenden Betrugs am Weltgeist, der Symbole der Einsamkeit in die Fischherzen gemalt hat bei ihrer Erschaffung. Dann trennen die beiden Fische sich wieder und schwimmen ihrer Wege, der eine links ums Schloss, der andere rechts, wo ihm schon Augustus entgegenrast, scharf abbremst, gegenlenkt und der Gestreiften quer und mit quietschenden Flossen den Weg abschneidet.<br \/>\nKomm, Puppe, h\u00fcpf rein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einstweilen lenken aber vorgezogene Fr\u00fchlingsfeste von den sich entwickelnden Problemen ab. 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