{"id":478,"date":"2006-12-27T01:34:00","date_gmt":"2006-12-26T23:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=478"},"modified":"2006-12-27T01:34:00","modified_gmt":"2006-12-26T23:34:00","slug":"akademi-safari-otocincli-puff-puff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=478","title":{"rendered":"Akademi, Safari, Otocincli Puff Puff"},"content":{"rendered":"<p>xIch stehe mit der Sonne auf, hellwach und zum \u00c4ussersten entschlossen, und mache mich bereit zur Kleinwildjagd.<br \/>\nWas ich damit sagen will, ist, dass als ich aufstehe die Sonne schon scheint, eine ganze Weile sogar, es ist n\u00e4mlich nach zehn Uhr. Die Angsttr\u00e4ume von saugmundbewehrten Tiefseemonstrosit\u00e4ten machten diese vergangene Nacht zu einer der l\u00e4ngsten meines Lebens, fl\u00fcchtig klopfe ich den K\u00f6rper auf noch anh\u00e4ngende Organismen ab, finde aber nat\u00fcrlich keine. Ich weiss ja selbst, dass es Quatsch ist. Zum Fr\u00fchst\u00fcck Nutellabrot \u2013 ich brauche jetzt jedes Qu\u00e4ntchen Kraft. Oder Quentchen? Konfusion angesichts der \u00fcbergrossen Herausforderung.<br \/>\nDer Weg bergauf scheint heute schwerer als sonst, die Pedale str\u00e4uben sich. Vielleicht liegt es an der aufs kleinste Ritzel umgesprungenen Kette, vielleicht ist auch Metaphysik im Spiel. Ich wage nicht, abzusteigen und nachzusehen, wer weiss, was gesch\u00e4he. Der Tod fragt nicht nach Ritzelgr\u00f6ssen.<br \/>\nBei der Arbeit ein schwebendes Gef\u00fchl der Gefahr, als hinge eine Katzenmur\u00e4ne \u00fcber meinem B\u00fcrostuhl und dr\u00e4ue mit nadelscharfen Z\u00e4hnen. Schuldbewusst frage ich den vertrockneten Ken um Rat \u2013 er liegt seit seinem Suizid auf dem Tisch, weil ich nicht weiss, was man mit einem vertrockneten Fisch tut \u2013 aber er hat auch keinen Rat. Programmiere ich eben irgendwas, ohne zu merken, was genau. Angstvolle Leere.<br \/>\nDann ist es Zeit. Ein taubes Gef\u00fchl in den F\u00fcssen gehe ich das betonkalte Stiegenhaus hinab, \u00f6ffne das Fahrradschloss, rolle im Karomusterzickzack bergab, eventuelle Verfolger h\u00e4tten kaum eine Chance im Dschungel amerikanischer Vorortgeographie. Vor der Fisch-Fascho-T\u00fcr halte ich sekundenlang inne. Aber gibt es denn ein Zur\u00fcck?<br \/>\nDer Fisch-Fascho freut sich \u00fcber meine Frage, eine perverse, eine obsz\u00f6ne Wendung, schnappt sich ein Netz und macht sich sogleich an die Arbeit, als w\u00e4re es nichts. Das Becken, in dem er wildert, ist gross, der Zielfisch klein und wendig, und es dauert wohl f\u00fcnf Minuten, zehn wom\u00f6glich sogar, in denen St\u00fcck um St\u00fcck Pflanzen und Dekorationen aus dem Wasser ger\u00e4umt werden, ehe die verflixten Fische erlegt und in den Plastikbecher getan sind. Von dort werden sie in eine T\u00fcte umgegossen \u2013 aber da geschieht nun unabwendbar die Katastrophe. Rette sich, wer kann!<br \/>\nDie Fische n\u00e4mlich beissen sich am Plastik fest und h\u00e4ngen nun absurd kopfunter im umgest\u00fclpten Beh\u00e4lter, zwei Zentimeter lange Kommas oder Fussnoten. Einzeln nun pfl\u00fcckt der Fisch-Fascho die Tiere mit blosser Hand \u2013 neuer Respekt quillt mir f\u00fcr diesen tapferen Mann \u2013 und schleudert sie ins T\u00fctenwasser. Der letzte Fisch zappelt nun auch noch und f\u00e4llt auf den nackten Betonboden. Sicherlich ist er tot, erschlagen, zernichtet.<br \/>\nEs seufzt der Fisch-Fascho, liest das Tier vom Boden wieder auf, schmeisst es in den Sack, schn\u00fcrt ihn zu und verkauft ihn mir sogleich.<br \/>\nDraussen bewege ich, erleichtert und wie neu erstanden, die Kette aufs korrekte Ritzel zur\u00fcck. Es ist vollbracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>xIch stehe mit der Sonne auf, hellwach und zum \u00c4ussersten entschlossen, und mache mich bereit zur Kleinwildjagd. 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