{"id":476,"date":"2006-12-24T01:02:14","date_gmt":"2006-12-23T23:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=476"},"modified":"2006-12-24T01:02:14","modified_gmt":"2006-12-23T23:02:14","slug":"flachwurm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=476","title":{"rendered":"Flachwurm"},"content":{"rendered":"<p>Man muss hier anmerken, dass Blutw\u00fcrmer von Haus aus gar keine W\u00fcrmer sind, sondern Insektenlarven, und dass also die tiefroten, durchaus wurmartig aussehenden Wrackst\u00fccke, die bisweilen nach der Zubereitung des Fischabendmahls wegen Zerspritzung des Wurmeises sich in der K\u00fcche finden m\u00f6gen, mitnichten \u201eekelhafte, scheussliche W\u00fcrmer\u201c sind, sondern eben harmlose Larven. Nicht, dass je jemand dergleichen Worte gebraucht h\u00e4tte, es soll dem Leser nur zur Vorsicht und Erbauung mitgegeben sein.<br \/>\nAndererseits n\u00e4mlich sieht es im Becken wieder einmal d\u00fcster aus. Man erinnert sich vielleicht noch meiner berechtigten Emp\u00f6rung, der Kackw\u00fcrste wegen, die durch den Absaugstutzen aus dem Aquarium taperten. Diese Kackw\u00fcrste schienen sich zu bewegen, die Enden zeigten eindeutige Zuckspuren, mal hier, mal dahin ruckten sie. Aber bei einem W\u00fcrstchen, dass nur Millimeter lang und Bruchteile eines Millimeters dick ist, will man nicht gleich zu Schlussfolgerungen kommen und l\u00e4sst sich einlullen. Die Str\u00f6mung sei es, legte ich mir zurecht, oder vielmehr ein Str\u00f6mungsdifferential, ein Druckunterschied, der sich in einem Fliessgeschwindigkeitsgradienten manifestierte, keine Quellen oder Senken k\u00f6nnen ja innen in so einem Aquarium existieren, von rechts wegen, aber doch komplexe Verwirbelungen m\u00f6gen vorkommen und also am Kackw\u00fcrstchen zerren und es sozusagen animieren.<br \/>\nEs war aber alles ein Holzweg, denn die Kackw\u00fcrstchen sind wahrhaftig am Leben. Es handelt sich bei ihnen vermutlich um eine Art Flachw\u00fcrmer, und jetzt, da das Tabu gebrochen und die Hinguckscheu gefallen ist, finden sich pl\u00f6tzlich hunderte und hunderte dieser Gesch\u00f6pfe im Kies. Sie krabbeln herum, werden manchmal von den tats\u00e4chlich ja existierenden Str\u00f6mungen durch die Gegend gezogen und benehmen sich auch sonst, als geh\u00f6re ihnen das Becken, und nicht den Fischen \u2013 dass ich selber l\u00e4ngst nicht mehr der Eigent\u00fcmer der 40 Liter Raumvolumen auf diesem M\u00fcll namens Tisch bin, ist ja unumstritten.<br \/>\nDen Tr\u00e4nen nahe \u00fcber diese neue Entwicklung laufe ich, wohin sonst, zum Schizo, der mit mahnend erhobener Klaue doziert, Wurmbefall weise \u00fcblicherweise auf \u00dcberf\u00fctterung hin, Fische n\u00e4mlich h\u00e4tten ein Verdau-, aber kein Fresslimit, und die Differenz aus Frass und Verdau komme dann eben als Wurmfutter hinten unten aus dem Fisch gefallen und werde Wurm. Also doch Kackw\u00fcrste, so gesehen.<br \/>\nIch beginne umgehend eine rigorose Kiesbesaugung, jeden Tag werde ich jetzt ein F\u00fcnftel des Wassers und die angefallenen Rohstoffe abziehen, bis der wimmelnden Wurmschar Einhalt geboten ist. Staunend sehe ich da das zappelnde Gew\u00fcrm im Dutzendpack aufsteigen durch den Absaugschlauch, im Hunderterpack, eine schier endlose Wurmpackparade.<br \/>\nWas es alles gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man muss hier anmerken, dass Blutw\u00fcrmer von Haus aus gar keine W\u00fcrmer sind, sondern Insektenlarven, und dass also die tiefroten, durchaus wurmartig aussehenden Wrackst\u00fccke, die bisweilen nach der Zubereitung des Fischabendmahls wegen Zerspritzung des Wurmeises sich in der K\u00fcche finden m\u00f6gen, mitnichten \u201eekelhafte, scheussliche W\u00fcrmer\u201c sind, sondern eben harmlose Larven. 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