{"id":475,"date":"2006-12-22T22:30:02","date_gmt":"2006-12-22T20:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=475"},"modified":"2006-12-23T00:37:46","modified_gmt":"2006-12-22T22:37:46","slug":"blutwurm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=475","title":{"rendered":"Blutwurm"},"content":{"rendered":"<p>Immerhin ein Gutes hatte die Mordeskapade, der b\u00f6se Ausflug ins Killertal der Tr\u00e4nen, denn nun habe ich es quasi verbrieft und besiegelt, dass der Fischbrut nach anderer Nahrung d\u00fcrstet. Oder hungert. Flocken, wiewohl ja in deren irref\u00fchrend papierner Trockenheit auch Schrimpe und Fische verarbeitet schlafend liegen, sind dem Pack nicht mehr gut genug.<br \/>\nUnd was tut der verantwortungsvolle Fischeigner, wenn dem Pack das Bed\u00fcrfnis keimt? Er geht zum Fisch-Fascho. Der sich aber wiederum feig in seinen Katakomben verbirgt und den Rastaneger voranschickt, mich abzufertigen. Vielleicht ist ihm doch noch ein schlechtes Gewissen gewachsen, der Geisterschrimpe wegen, und er br\u00e4chte es nicht \u00fcbers Herz, mir unverwandt ins Auge zu blicken.<br \/>\nUnd kaum habe ich nun meine Frage nach Zufutter ausgesprochen, schon geht der Rastamann zum K\u00fchlschrankgebirge, hackt es flinken Fingers auf, und zieht eine Blisterpackung voll roter W\u00fcrfel raus. Blutw\u00fcrmer, sagt er, seien das, besser als die Tubifexe, die mir mein schizophrener Freund empfohlen habe, wer das \u00fcberhaupt sei, und warum ich ihm nach all den Entt\u00e4uschungen noch traue. Dies letzte freilich ist eine Bemerkung, die sich nur in meinem Kopf entfaltet und hier auf dem Papier, nicht aber im Fischfascholaden selber.<br \/>\nMisstrauisch be\u00e4uge ich die nach Hause verbrachten Blutw\u00fcrfel dann. einen Zentimeter lang sind sie wohl, zweidrittel breit und hoch, und also immerhin vier neuntel Kubick. Ein ganzer W\u00fcrfel scheint mir ein bisschen viel Blut f\u00fcr sieben kleine Fische, Blutdurst hin oder her, und ich nehme also das Gem\u00fcsemesser zur Hand und schneide den eisigen, dunkelroten W\u00fcrfel rasch in zwei St\u00fccke, als C. nicht hinsieht. Blutwurmflecken bilden sich auf der Unterlage, hier muss am Verfahren noch optimiert werden.<br \/>\nDen gewonnenen Halbw\u00fcrfel Blutwurm gebe ich sodann, einem aus dem Stand herbeiimprovisierten Kochrezept folgend, in einen Eierbecher, tr\u00e4ufle aus dem Wasserhahn etwas laue Br\u00fche drauf, halt, zu schnell, also \u00f6ffne ich den Hahn im Wahn noch weiter, und betrachte staunend, wie der nun erstarkte Strahl den Blutw\u00fcrfel \u00fcber die Arbeitsfl\u00e4che katapultiert. Oho.<br \/>\nZum Gl\u00fcck ist der Wurmsalat ja weitgehend eisig gefroren und also rasch fast vollz\u00e4hlig wieder eingesammelt, der Eierbecher noch wasservoll steht schon bereit, und nach kurzer Auftauphase kann die Wurmware, wumm, ins Becken gekippt werden, wo die Welse dann durcheinanderwuseln, des Gewimmels habhaft zu werden.<br \/>\nEine Erfolgsstory des Fischbekochens, zweifellos. Die verstreuten W\u00fcrmer in der K\u00fcche aber f\u00e4ngt das K\u00fcchenpapier, zweilagig gesteppt. Alles tiptop.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immerhin ein Gutes hatte die Mordeskapade, der b\u00f6se Ausflug ins Killertal der Tr\u00e4nen, denn nun habe ich es quasi verbrieft und besiegelt, dass der Fischbrut nach anderer Nahrung d\u00fcrstet. Oder hungert. Flocken, wiewohl ja in deren irref\u00fchrend papierner Trockenheit auch Schrimpe und Fische verarbeitet schlafend liegen, sind dem Pack nicht mehr gut genug. 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