{"id":474,"date":"2006-12-21T03:33:25","date_gmt":"2006-12-21T01:33:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=474"},"modified":"2006-12-21T03:33:25","modified_gmt":"2006-12-21T01:33:25","slug":"handgekarchert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=474","title":{"rendered":"Handgek\u00e4rchert"},"content":{"rendered":"<p>Nach diesem V\u00f6lkermord ist nun nat\u00fcrlich Schluss mit Appeasement, falls dieser abermalige und nun aber durch die Geschehnisse vollst\u00e4ndig gerechtfertigte martialische Vergleich historisch gestattet sein sollte. Zwar machen Umfang und Vehemenz des stattgefundenen Massakers eine heftig brennende Sorge um meine eigene Unversehrtheit praktisch unvermeidlich, da ich doch meine verschiedenen K\u00f6rperteile dauernd ohne jede Schutzkleidung in die feindliche Umwelt entsende. Aber andererseits will ich mich ja nicht von sieben kleinen Fischen einsch\u00fcchtern und in die Schranken weisen lassen.<br \/>\nUnter Feuerschutz also dringe ich jetzt ins Wasser vor \u2013 oder ehrlich gesagt ist mehr das Wasser selbst ein Feuerschutz, beziehungsweise ein Schutz vor Feuer, ein Wortspiel also eher als eine minuti\u00f6s taktisch ausgebuffte Kampfoperation \u2013, reisse das Schloss aus dem Fundament und f\u00fchre es himmelw\u00e4rts. M\u00f6gen sie religi\u00f6se Mythen formen, die Insekten, und ihre keimende Zivilisation somit auf einen Irrweg f\u00fchren, mir ist schon alles ganz egal. Ich kann nicht zugleich den sich abzeichnenden B\u00fcrgerkrieg im Zaum halten und die bedrohte Rationalit\u00e4t der Kombatanten zu sch\u00fctzen versuchen. Lieber lebende Fische, die an die Himmelfahrt des Plastikschlosses glauben, als tote Fische mit Kenntnis der Hydrodynamik und Abonnement der wasserfesten Ausgabe des Sceptical Inquirer. Werweiss ging es dem echten Gott mit uns seinerzeit ganz genauso, und die Existenz der menschlichen Religionen w\u00e4re demnach nur ein Beleg g\u00f6ttlicher \u00dcberforderung.<br \/>\nDem Schloss r\u00fccke ich sodann mit Finger und K\u00fcchenpapier zu Leibe, rubble die schmierige Algenschicht runter, die im Gl\u00fchlicht der K\u00fcchenlampe pl\u00f6tzlich nicht mehr modisch braungr\u00fcn, sondern faulschwarz aussieht. Meine Hand ein kl\u00e4render K\u00e4rcherstrahl vor diesem Unrat.<br \/>\nUnd wo ich grade dabei bin, z\u00fccke ich auch noch den Plastikabsauger und ziehe einen Teil des Aquarienwassers und mit ihm den im Kiesgrund angesammelten organischen M\u00fcll aus dem Becken. In dicken Wolken steigen verwesende Futterbrocken und sich zersetzende und in der Saugstr\u00f6mung sonderbar sich verwickelnde Kackw\u00fcrste aus dem Kies und verschwinden im Schlauch wie die amerikanische Unterschicht im UFO. Kackw\u00fcrste! In unserem Wohnzimmer! Es ist unerh\u00f6rt.<br \/>\nKurz erw\u00e4ge ich, von der Brutalit\u00e4t seiner Bewohner und der Widerw\u00e4rtigkeit der organischen Vorg\u00e4nge auf Schlossoberfl\u00e4che und im Kies desillusioniert und innerlich verh\u00e4rmt, die Neutronenbombe auf das ganze verderbte Sodom zu werfen und einen Schlussstrich zu ziehen. Ein neuer Urknall, vielleicht, w\u00fcrde das Unrecht richten.<br \/>\nAber schon tummeln die Sieben sich wieder an der Frontscheibe und beobachten aufmerksam und fast schon wohlwollend mein Tun. Sie hoffen wohl auf neue Krabbenopfer und huldigen mir deshalb, und erweichen mich wie einen Stein.<br \/>\nStatt der Bombe werfe ich also das blankgewischte Schloss wieder in die Fluten, eine beinahe weisse Anklageschrift immerhin, die die Fische auch sofort ausgiebig studieren und sich schuldbewusst zu eigen machen, vor allem Augustus.<br \/>\nLebt also wom\u00f6glich doch ein Gerechter unter ihnen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach diesem V\u00f6lkermord ist nun nat\u00fcrlich Schluss mit Appeasement, falls dieser abermalige und nun aber durch die Geschehnisse vollst\u00e4ndig gerechtfertigte martialische Vergleich historisch gestattet sein sollte. 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