{"id":446,"date":"2006-11-22T10:13:27","date_gmt":"2006-11-22T08:13:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=446"},"modified":"2006-11-22T10:14:09","modified_gmt":"2006-11-22T08:14:09","slug":"unterdessen-anderswo-ken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=446","title":{"rendered":"Unterdessen anderswo: Ken"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/238178965\/\" title=\"photo sharing\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/86\/238178965_dc9dc68794_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>Letzte Hoffnung? Nein! Ein von einem unbeugsamen Loach bewohntes Plastikbecken h\u00f6rt nicht auf, dem Schnitter Widerstand zu leisten. Hoffnung lebt bekanntlich in der kleinsten H\u00fctte, oder so \u00e4hnlich, und eine kleine H\u00fctte steht Ken, dem Loach ja tats\u00e4chlich zu Gebote. Triumph des Lebens. Und das kam so:<br \/>\nDen Goldfischen, das konnte der Fischexperte m\u00fchelos erkennen, war Ken nicht gr\u00fcn. Dem Laien m\u00f6gen die wilden Angriffe und Verfolgungsjagden entgehen, er mag die Besatzermentalit\u00e4t des Immobiliengrabschers f\u00fcr Niedlichkeit halten, aber der Kenner nickt wissend und formuliert einen schlimmen Verdacht. Der Loach also musste weg. Zum Gl\u00fcck ist so ein Loach recht klein, und passt zum Beispiel in eine Plastikt\u00fcte, in der man ihn dann, samt Plastikaquarium, Kieselsteinen und Bel\u00fcfterpumpe erst einen Berg hinauf tragen, und dann den ganzen Bausatz auf einem Schreibtisch zusammenschrauben kann. Man gibt erst Kiesel ins Aquarium, dann schon fast ganz sinnlos eine Wegwerf-Sonnenbrille, die man gerade vor der Augenklinik auf dem Boden gefunden hat, und die man zuvor von allen Keimen und Widerlichkeiten sorgf\u00e4ltig gereinigt hat, und zuletzt f\u00fcllt man obendrauf Wasser, dem man mit einem Aloe-Vera-Pr\u00e4parat die b\u00f6se Energie entzogen hat. Und gibt dann den Fisch in die Br\u00fche.<br \/>\nNun sieht man auch gleich, wozu da eine Sonnenbrille im Rezept steht. Der Loach n\u00e4mlich ist ans Besetzen gew\u00f6hnt, nimmt nun zuallererst die Sonnenbrille in einem milit\u00e4rischen Coup f\u00fcr sich ein, und errichtet das Loach\u00e4quivalent einer Marionettenregierung hinter ihren get\u00f6nten Scheiben. Als es dann noch Futterflocken auf den Eroberer regnet, beginnt auf meinem Schreibtisch ein Zeitalter des Friedens und des Wohlstandes.<br \/>\nSchon bald errichtet der Fischf\u00fcrst, mit meiner Hilfe, ein kleines Schloss neben seinem Brillenhauptquartier, und wird von jetzt an, dem Kaiser gleich, von Brillenpfalz zu Schlosspfalz ziehen, und am jeweiligen Ort je ein Weilchen residieren, bis sich ein neuer Gedanke in seinem Fischkopf bildet und alles von vorn beginnt.<br \/>\nZwischendurch macht Ken durch das kraftvolle Abschwimmen komplexer Lissajousfiguren klar, dass die Macht- und Wissensverh\u00e4ltnisse eindeutig geregelt seien, und ich signalisiere durch den regelm\u00e4ssigen Abwurf von Flockenfutter umgekehrt dasselbe.<br \/>\nNach wenigen Tagen schon haben sich die Rituale verfestigt, man kann schon von einer Fischkultur sprechen, die wir beiden Despoten wie aus dem Nichts hier geschaffen haben. Erst \u00f6ffne ich den Deckel des Beckens, l\u00e4ngst ragt Kens Nase erwartungsfroh oben aus dem Schlossturm heraus, die eingeweichten Flocken wehen um die Architektur, und lebensfroh und quietschfidel sammelt der Loach sie ein. Stecke ich den Finger ins Wasser, versucht er, mich zu beissen. <br \/>\nDer Racker.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Hoffnung? Nein! Ein von einem unbeugsamen Loach bewohntes Plastikbecken h\u00f6rt nicht auf, dem Schnitter Widerstand zu leisten. Hoffnung lebt bekanntlich in der kleinsten H\u00fctte, oder so \u00e4hnlich, und eine kleine H\u00fctte steht Ken, dem Loach ja tats\u00e4chlich zu Gebote. Triumph des Lebens. 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