{"id":442,"date":"2006-11-17T11:30:45","date_gmt":"2006-11-17T09:30:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=442"},"modified":"2006-11-20T04:13:34","modified_gmt":"2006-11-20T02:13:34","slug":"ken-und-schnecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=442","title":{"rendered":"Ken und Schnecke"},"content":{"rendered":"<p>Drei Fische! Es ist eine regelrechte Fischstadt, die sich da auf unserem Teppich gebildet hat, eine Art Urzeugung k\u00f6nnte man das nennen, wenn nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit sowieso schon zahlreiche Milbenmetropolen in und unter unserem Teppich einen Wettstreit der Zivilisationen austr\u00fcgen und also von Urzeugung nicht die Rede sein k\u00f6nnte. Um die \u00dcberlegenheit der Fische \u00fcber diese Vorl\u00e4ufermodelle auch geographisch deutlich zu machen, holen wir uns M\u00fcll von der Strasse, nennen den M\u00fcll Tisch, und stellen das Aquarium drauf. Fertig ist die Oberstadt.<br \/>\nDas hat aber leider auch einen Nachteil, den wir nicht bedacht haben: man sieht die Fische jetzt viel besser. Was also k\u00f6nnen unsere G\u00e4ste Robert und Beret daf\u00fcr, dass sie, als sie morgens die m\u00fcden Augen aufschlagen und als erstes die zu einer Zivilisation erster Stufe erhobene Fischtrias erblicken, sofort und unrettbar in ehrlich empfundene Liebe zum schuppigen Gesindel verfallen? Nichts, nat\u00fcrlich, es ist ja praktisch unvermeidlich. Selbst ich sehe mich Sympathieanbrandungen ausgesetzt, und ich kenne die Fische und ihre Tricks doch schon seit ein paar Tagen und habe ausserdem das Aquarium auf den \u201eTisch\u201c gewuchtet und mir dabei den Kopf verrenkt. Aber das geh\u00f6rt hier nicht her.<br \/>\nRobert und Beret jedenfalls sind den Vagabunden der Meere, wie man Goldfische ja auch nennt, rettungslos verfallen, und kaufen ihnen folgerichtig, oder jedenfalls in ann\u00e4hernder Folgerichtigkeit durch einen asiatischen Tierladenangestellten komplett fehlberaten, einen striped tiger loach und eine Schnecke als Weggef\u00e4hrten auf der grossen Reise, die das Leben ist. A moll, G dur, C.<br \/>\nDie Schnecke macht es sich gleich gem\u00fctlich, rennt kreuz und quer durchs Becken, steigt das Schloss rauf, f\u00e4llt runter und f\u00fchrt sich \u00fcberhaupt auf wie ein harmloser und sympathischer Irrer. Der Loach Ken hingegen \u2013 der Name wurde quasi mit dem Tier schon mitgeliefert, so offensichtlich ist er \u2013 ein l\u00e4nglicher Fisch mit b\u00f6sen Gesichtstentakeln und einem fiesen Charakter, beginnt seinen Aufenthalt bei uns, indem er einen simplen Patrouillenplan aufstellt \u2013 \u201eerst Schlo\u00df, dann Plastikstein, dann wieder Schloss, usw. Allen anderen in den Arsch treten\u201c \u2013 und sich mit bewundernswerter Disziplin an die Umsetzung der ehrgeizigen Unternehmung macht. Nach kurzer Zeit treiben im Becken drei nerv\u00f6se Goldfischwracks, und es kann so ganz offensichtlich nicht weitergehen.<br \/>\nSS Ken also wird nun mit einem Netz eingefangen und weggebracht. Niemand bekommt gesagt, wohin, und es fragt auch niemand. Nacht bricht herein. Irgendwo rast eine Schnecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Fische! 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